zum Landesverweser und zum Fürsten, werden vom Autor lebendig geschildert und detailliert, aus reichlichem Quellenmaterial schöpfend, nachge- zeichnet. Eine wertvolle Hilfe für den Leser stellen die eingestreuten Abbildungen einzelner Baupläne der Kirche dar. Die Darlegung der finanziellen, ma- teriellen, technischen und sozialen Probleme, er- schwert oft noch durch persönliche und aus kirch- lich-hierarchischen Beziehungsgeflechten erwach- sende Schwierigkeiten während der fünfjährigen - bis zur inneren Vollendung gerechnet sogar über zwanzigjährigen - Bauzeit, ergibt ein informatives und zeitkoloriertes Gesamtbild. Bemerkenswert sind auch die Ausführungen über das von Span- nungen nicht immer freie Verhältnis der Plankner zum Kirchenbau in Schaan. Auch darf wieder ein- mal die grosszügige finanzielle Unterstützung durch Fürst Johann II. erwähnt werden. Im Kapitel «Von religiösen Sitten und Gebräuchen» (S. 137-151) werden neben den vielfältigen Prozes- sionen und Bittgängen, die in der Schaaner Pfarr- gemeinde während des liturgischen Jahres üblich waren und sind, die Gestaltung der Karwoche, Be- gräbnisbräuche, Glockenläuten, Maiandacht, Palm- sonntag u.a.m. als vielfach bekannte Bräuche be- schrieben. Daneben werden auch lokale Bräuche, etwa im Verhältnis zur Duxkapelle oder aus bäuer- lichem Lebenskreis stammend, geschildert. Unter dem Titel «Orgelmusik und Chorgesang» (S. 153-173) befasst sich der Autor mit den im Dun- kel liegenden Spuren eines beginnenden Kirchen- gesanges in Schaan im 16. Jahrhundert, der Ent- wicklung des Chorgesanges seit dem 19. Jahrhun- dert und der wechselhaften Geschichte der ver- schiedenen Orgeln und Organisten der Pfarrkirche und der Kapellen der Pfarrei. Ein eigener Abschnitt ist dem Thema «Die Glocken der Pfarrei» (S. 175-187) gewidmet. Besonders die unerfreulichen Umstände bei der Anschaffung des ersten Geläutes für die neue Pfarrkirche geben dem Leser Anlass zu nachdenklichem Schmunzeln. In «Kirchliche Kunst» (S. 189-227) werden die z.T. recht bedeutenden Kunstschätze der Pfarrkirche St. Laurentius und der Kapellen der Pfarrei in einer 
chronologisch angeordneten Übersicht kurz vorge- stellt. Die in einer Fussnote erwähnte Tatsache, dass das angeblich aus der Pfarrkirche Schaan stammende Altarkreuz aus dem 13. Jahrhundert (Limoges) «in seiner heutigen Form weitgehend eine Fälschung ist», bereitet dem kunsthistorisch Interessierten eine herbe Enttäuschung. Ein Bilder- und Tapisserienverzeichnis rundet die Zusammen- stellung über die Kunstgegenstände ab. Der letzte Abschnitt des darstellenden Teiles trägt die Überschrift «Kappile und Wegkreuze» (S. 229-235). In einer kurzen Zusammenstellung werden die gemauerten Bildstöcke, Kappile ge- nannt, erläutert und die Wegkreuze aufgezählt. Im Dokumententeil (S. 237-285) werden Texte wichtiger Urkunden, Inventare, Protokolle, Tage- bücher, Sitzungsberichte, Epitaphe etc. in sprachli- cher Originalversion, z. T. durch Übersetzungen er- gänzt, wiedergegeben. Ein Sach- und Personenre- gister schliesst den Anhangteil ab. Der Autor hat es sich zum Ziel gesetzt, «ein authen- tisches Bild» der Pfarrei und der Pfarrkirche von Schaan zu zeichnen. Dieses Ziel wurde erreicht, wobei die stärksten und aussagekräftigsten Berei- che der Darstellung in den Kapiteln über die Bau- geschichte der neuen St. Laurentiuskirche und über die musikgeschichtliche Entwicklung zu fin- den sind: In diesen Abschnitten wurde eigenstän- dig, auf teilweise neues Quellenmaterial gestützt, gearbeitet. Hier sind auch die Abschnitte zu finden, welche wertvolle neue Erkenntnisse bieten. Detail- liertere Quellenangaben in den Fussnoten würden den wissenschaftlichen Wert der Arbeit noch er- höhen. Die von Cornelia Eberle besorgte sorgfältige gra- phische Gestaltung, die reichhaltige und qualitativ hochstehende, teils farbige Illustration sowie das Faksimile des Kirchenbauprotokolles im Vorsatz machen das Buch zu einem lesenswerten und visu- ell ansprechenden Gegenstand. Der Satzspiegel so- wie die angenehme Schriftgrösse sind gefällig und lesefreundlich gestaltet. Eine für das Auge des Le- sers manchmal - vor allem anfänglich - etwas lästi- ge Suche nach der Bildlegende auf der der Abbil- 392
        

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