quenz wurde nach der bereits in Gutenberg geleite- ten Haushaltungsschule 1942 in den Räumen des Klosters eine private Mädchenschule gegründet, erst als Gymnasium, später als Höhere Töchter- schule; daneben boten eine Haushaltschule wie auch der Unterricht in Handelsfächern weitere Ausbildungsmöglichkeiten. - Richtiggestellt wer- den muss, dass nebst der Regierung selbstver- ständlich nicht das Schulamt, das es damals noch gar nicht gab, sondern der Landesschulrat (even- tuell über das Schulkommissariat) die Einwilligung für die Schaffung des neuen Schultyps gegeben hat. Ob der Unterricht tatsächlich so ideal und die Liebe der Mädchen zu ihren Lehrerinnen tatsächlich so unendlich war, wie das Buch es stellenweise will - die Erinnerungen ehemaliger Schülerinnen sind meist etwas nüchterner -, bleibe dahingestellt. Un- angefochten bleibt hingegen das Verdienst der Schwestern, erstmals in Liechtenstein eine gewich- tige alternative Möglichkeit zur Erziehung und Bil- dung der Mädchen geboten zu haben. Die Schilderung der sozialen und erzieherischen Arbeit ist wahrscheinlich für liechtensteinische Leserinnen und Leser der wichtigste Teil der Ar- beit, da viele davon direkt betroffen waren und sind. Dazu kommt noch das Faktum, dass sich nach einer Übergangszeit in Balzers das Kloster in Schaan zum Zentrum einer eigenen Provinz der Anbeterinnen des Blutes Christi entwickelt hat. Auch das ist ein Teil liechtensteinischer Geschichte. Den nur historisch Interessierten wäre eine nüch- ternere Darstellung entgegengekommen. Auch wenn es eine objekive Geschichtsschreibung nicht gibt und auch nicht geben kann, da jede Rezeption historischer Fakten notgedrungen den persön- lichen Stempel des Rezipienten trägt, ist in diesem Falle - bei allem Respekt vor der geistigen Zielset- zung des Werkes - die Okkupierung vergangener Ereignisse zur Untermauerung weltanschaulich- religiöser Zwecke zu evident. Darauf weist auch die Sprache hin, die sich an einigen Stellen ins bei- nah Hymnische versteigt, was andererseits die Au- torin allerdings nicht hindert, die derzeitige sprachliche Modetorheit mitzumachen und etwa von Lehrerinnen oder Liechtensteinerinnen zu 
schreiben. Selbst die Kapitelüberschriften dienen eher der Meditation, als dass sie eine Hilfe zum ra- scheren Auffinden interessierender Fakten bilde- ten. Da zur Aufschlüsselung auch ein Register fehlt, wäre wenigstens ein sachliches Inhaltsverzeichnis eine wichtige Hilfe gewesen. Auch wenn jene Interessierten, die das Buch nicht «mit der Brille des Glaubens» lesen, etwas Mühe mit der Lektüre haben werden, ist es ein wichtiges und in seiner Art gründliches Werk. Beim kriti- schen Lesen zeigt sich allerdings, wieviel von der Art der Optik abhängt, welche eine historische Dar- stellung bewusst oder unbewusst wählt und be- folgt; ganz abgesehen davon, welche bewussten und vor allem unbewussten Bindungen sie be- schränken, begrenzen und prägen. ANSCHRIFT DES AUTORS Harald Wanger Fürst-Johannes-Strasse 25 FL-9494 Schaan 390
        

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