DER «SPECKI-KOLOSS» / EINE ABGEGANGENE KULT- STÄTTE IN SCHAAN ? / HARALD WANGER Eine abgegangene Kultstätte in Schaan? HARALD WANGER In seiner 1927 erschienenen «Geschichte der Pfar- rei Schaan» schreibt der Historiker Johann Baptist Büchel über «.. .von Menschenhand geformte Gra- nitblöcke», die «...auf ...Ebenen, zu denen eine sehr steile, bewaldete Halde hinaufführt...» liegen und die ihn auf eine keltisch-rätische Fluchtburg schliessen lassen. «Der sehr steile Hang, die be- trächtliche Höhe bis zu einer Fläche, von dieser eine mauerartig geradeaus sich erhebende weitere Bodenerhöhung, die wieder mit einer kleinen Fläche abschliesst, gegen Norden ein jäh in ein To- bel abstürzender Rand ... »27 könnte das «Fano- labödile» bezeichnen, eine kleine Plattform inmit- ten eines Steilhanges oberhalb der Planknerstras- se, 730 m ü. M. gelegen. Tatsächlich wies dieser Platz bis zum Anfang der Dreissigerjahre eine Besonderheit auf. Seine Mitte nahm ein mächtiger Findling ein, den der Rhein- gletscher an dieser Stelle abgelagert und an seiner Oberfläche glattgeschliffen hatte, so dass er das Aussehen eines grossen Tisches oder Altares hatte. Rings um ihn standen kleinere Findlinge oder ab- gestürzte Felsbrocken, deren Anordnung auf menschliches Eingreifen deutete.28 Das ganze Hess demnach auf eine prähistorische Kultstätte von be- sonderer Art schliessen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in der Umgebung dieses Platzes zwei nicht fertig be- arbeitete Steinäxte gefunden worden sind.29 Über die kleinere der beiden, die ein angefangenes Bohr- loch aufweist, sagt der einige Jahre nach dem Fund aufgenommene Bericht von 1905: «Die sehr steile, bewaldete Lage des Fundortes oberhalb der Schaa- ner Baumschule und die schwache Bedeckung mit dem von Fichtennadeln durchsetzten Humus, aus dem die Beilschneide hervorragte, lassen es als wahrscheinlich erscheinen, dass das Beil ur- sprünglich weiter oben lag».30 Da beide Steinwerk- zeuge nicht vollendet sind und deren Fundort fast identisch ist, kann ein Zufall wohl ausgeschlossen werden, so dass man annehmen darf, die Äxte sei- en nahe beim Fundort hergestellt worden. Im sel- ben Gebiet wurde 1958 auch ein bearbeitetes Stück Bergkristall gefunden.31 Ein direkter Zusammen- hang zwischen diesen Fundstücken und der nahe 
gelegenen «Kultstätte» Hess sich bis jetzt allerdings nicht finden. Leider wurde die Anlage auf «Fanolabödile» 1933 zerstört. Als man fünf Jahre nach dem Rheinein- bruch von 1927 plante, in Erinnerung an die gros- se Katastrophe und als Dank für die von verschie- denen Seiten geleistete Hilfe an der Zollstrasse in Schaan ein Denkmal zu setzen, wurde der Findling 27) Büchel (1927), S. 19. 28) Mitteilung von Alt-Regierungschef Dr. Alexander Frick (1910-1991) an den Verfasser. 29) Die beiden Steinbeile befinden sich in der Sammlung des Liechtensteinischen Landesmuseums. 30) JBL 5 (1905), S. 221. Diese Steinaxt, welche im Winter 1900/01 von Anton Walser gefunden und später für den Historischen Verein für das Fürstentum Liechtenstein erworben wurde, ist der erste be- kannte neolithische Fund in Liechtenstein. 31) JBL 58 (1958), S. 318-319. Werkstücke von steinernen Streitäxten aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., gefunden auf der Flur «Efisalf» oberhalb von Schaan in den Jahren 1901 und 1927 von den Gebrüdern Anton und Josef Walser. MS 1:2 375
        

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