stimmt. Im Bergsturzgebiet von Triesenberg erga- ben Altersbestimmungen an eingelagertem Holz aus Bohrungen im Zentrum von Triesenberg in 40 m Tiefe ein Alter von 8500 Jahren, und schliesslich wurde an Holz in der Trümmermasse des Senn- walder Bergsturzes ein Alter von 4200 Jahren be- legt, d.h. der Bergsturz dürfte vor etwa 4000 Jah- ren erfolgt sein. Die Rüfenschuttfächer des Rhein- tals sind rasch gewachsene, nacheiszeitliche (holo- zäne) Gebilde. Die mit Bohrungen durchtieften Schuttfächer von Maienfeld und des Lawenabaches zwischen Balzers und Triesen sind mit holozänen Schottern verzahnt und liegen 15-20 m unter der Talebene auf älteren fluviatilen Schottern. Mittels dieser Sedimentations- und Alterskriterien und aufgrund der relativ hohen Lage des «Specki-Ko- losses» im Schuttfächer der «Tidröfi» dürften Ab- sturz und Platznahme am Fundort «nur» einige tausend Jahre vor heute erfolgt sein. Das Absturzgebiet des «Specki-Kolosses» liegt in den Felsschründen der «Tidröfi». Die Festlegung der Absturzhöhe hängt einerseits von der lithostra- tigraphischen Zuordnung des «Specki-Kolosses» ab. Diese ist, obschon der Block lithologisch detail- liert untersucht worden ist, nicht mit Sicherheit vorzunehmen. Da in den Oberen Arlberg-Schich- ten, dem obersten Schichtglied der ladinischen Arl- berg-Formation (früher mit dem anhand der Litho- logie und Petrographie nicht ganz zutreffenden Na- men «Arlberg-Dolomit» bezeichnet), die Sedimen- tationsbedingungen teilweise die gleichen waren wie in gewissen Abschnitten der Raibier Formation und auch im basalen Teil der Hauptdolomit-Forma- tion (sog. Basisbrekzien), ist auch die lithologische Ausbildung identisch. Die lithostratigraphische Grenze zwischen der Arlberg- und der Raibier For- mation kann deshalb auch nicht anhand der karbo- natischen Fazies festgelegt werden, sondern wird heute allgemein an die Basis des Raibier Sand- steins, einem dunklen, rostig anwitternden harten, feinkörnigen kieseligen Sandstein, gelegt. Auch die Hangendgrenze der Raibier Formation zum basa- len Hauptdolomit ist lithostratigraphisch nur ein- deutig festzulegen, wenn erstere mit Gips und Rauhwacken abschliesst. Je nach der lithostrati-graphischen 
Zuordnung des «Specki-Kolosses» kann somit sein Absturzort auf einer Höhe von knapp 1000 m ü. M. (Obere Arlberg-Schichten der tieferen Abspaltung der Drei Schwestern-Schuppe) bis über 1600 m ü. M. (Basis des Hauptdolomites) liegen. Für die Festlegung der Absturzhöhe könnte ande- rerseits noch die Energie berücksichtigt werden, welche der «Specki-Koloss» am Absturzort haben musste, um seinen Fundort zu erreichen. Da je- doch weder die Grösse (Gewicht) des Blockes beim Absturz noch die Sturzbahn und damit die Ener- gieumsetzung auf derselben und beim Auseinan- derbrechen des mutmasslich anfänglich grösseren Sturzblockes rekonstruierbar sind - freier Fall bis zum ersten Aufschlag, «hüpfende» Bahn mit weite- ren Aufschlägen und schliesslich rollende Bewe- gung -, ist die nachträgliche dynamische Erfassung des Bewegungsvorganges praktisch nicht möglich. Weil in der Baugrube neben dem «Specki-Koloss» noch mehrere kleinere Blöcke gefunden worden sind, welche demselben Sturzereignis zuzuordnen sind, ist als wahrscheinlich anzunehmen, dass eine Felsmasse von einigen hundert bis einigen tausend Kubikmetern abgebrochen ist. Der «Specki-Koloss» ist somit vermutlich nur ein einzelnes, besonders respektables Block-Exemplar dieser Sturzmasse, die zum grössten Teil weiterhin im Rüfenschutt verborgen ist. Nach der Platznahme muss der «Specki-Koloss» - zumindest sein oberer Teil - lange Zeit (zwei bis drei Jahrtausende?) offen gelegen haben und der Verwitterung an der Luft ausgesetzt gewesen sein. Dabei entstanden die Hohlformen und wurde die Verwitterungskruste erzeugt. Aber auch seit der endgültigen Eindeckung ist der Verwitterungspro- zess durch einsickerndes Wasser (Regen, Schnee- schmelze) und Huminsäuren bis zum Tag der Ent- deckung des stattlichen Blockes fortgeschritten. 374
        

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