DER «SPECKI-KOLOSS» / GEOLOGISCHER BERICHT MAX KOBEL Geologischer Bericht MAX KOBEL Bei an Schalensteine gemahnenden Hohlformen in Felsgesteinen, welche nicht gleichzeitig sichere Spuren einer Bearbeitung durch den Menschen, wie z.B. eingravierte Zeichnungen, aufweisen, soll- te grundsätzlich eine natürliche Entstehung in Be- tracht gezogen und von einem Geologen abgeklärt werden. Dabei ist die Ausbildung der Hohlformen zu beurteilen mit Bezug auf die Gesteinsart: Litho- logie, Petrographie; die tektonischen Strukturen: Schieferung, Klüftung, Zerbrechen und Ausfüllung von Rissen (Adern) mit Mineralneubildungen wie Kalzit und Quarz; und mit Bezug auf die Verwitter- barkeit des Gesteins bei physikalischen und chemi- schen Vorgängen: Aufsprengung durch Frost und Sonnenbestrahlung, Auslaugung durch Regen- und Grundwasser, Einwirkung durch natürliche Säuren (Huminsäuren). Geologisch bedingte Hohlformen unterscheiden sich fast immer deutlich von der re- gelmässigen semisphärischen Form, wie sie den durch den Menschen geschaffenen Schalen auf- grund der Herstellung mit Schlagwerkzeugen eigen ist. Aber auch nahezu semisphärische Hohlformen können natürlichen Ursprungs und z.B. durch her- ausgewitterte Gerölle in Konglomeraten entstan- den sein. Der «Specki-Koloss» ist ein kalkig-dolomitisches Karbonatgestein, das selbst in diesem einen Block lithologisch recht vielfältig ist. Es hängt dies mit seiner Entstehung in einem warmen, sehr flachen Meer, z.T. auch im Gezeitenbereich (Watt), zusam- men. Aus dem Meerwasser wurden Kalk und teil- weise auch Calciumsulfat (Anhydrit, Gips) che- misch ausgefällt. Zudem wurde vom Festland her feines Sediment eingeschwemmt und dem che- misch ausgefällten Sediment beigemischt. Durch Setzungen und Wellenschlag wurde bereits leicht verfestigtes Sediment z.T. wieder aufgebrochen und mit frischem Sediment vermischt. Dabei ent- stand die brekziöse Struktur, die im «Specki-Ko- loss» sowohl makroskopisch (Abb. 5) als auch mi- kroskopisch (Abb. 10) deutlich zu sehen ist. Im Ge- zeitenbereich bildeten sich im feinen minerali- schen Sediment auch Algenrasen (algal-mats), was im Gestein als gewellte, laminierte Struktur mit wechselnder Färbung erkennbar ist (Abb. 11). In 
der Biomasse der mit feinem Sediment vermisch- ten Algenrasen wie auch in Rissen (Setzungs- und Trockenrisse) verblieben anfänglich Poren, welche bei der Diagenese (Umwandlung von lockerem, wassergesättigtem Sediment zu Felsgestein) mit Kalzit auskristallisierten. Während der Diagenese dürfte auch die teilweise Dolomitisierung stattge- funden haben. Von der Dolomitisierung sind insbe- sondere die Brekzienkomponenten betroffen. Sie bestehen aus feinkörnigem Dolomit, während die Matrix zwischen den Brekzienkomponenten über- wiegend kalkig blieb. Vor allem in nicht-brekziösen Partien «sprossen» aus der feinen kalkigen Grund- masse Dolomitkörner und z.T. auch idiomorphe Dolomitkristalle. Bei der alpinen Gebirgsbildung fand eine zweite, kalzitische Rekristallisation statt und zwar bevor- zugt in den bereits sedimentär angelegten «Schwächezonen» (Laminationsfugen, Setzungs- und Trockenrisse), welche wiederum zerbrachen und erneut durch Mineralneubildung verheilten. Allenfalls vorhandenes Calciumsulfat (Gips) wurde nach der Gebirgsbildung durch zirkulierendes Wasser ausgelaugt, wodurch im Gestein eine feine poröse Struktur entstand. Auf die Verwitterung an der Oberfläche reagierten kalkige und dolomitische Partien unterschiedlich. Der Dolomit war verwitte- rungsresistenter, so dass die dolomitischen Brek- zienkomponenten durchwegs etwas aus der kalki- gen Matrix herausragen. Auch die zahlreichen re- kristallisierten Risse (helle Adern) waren verwitte- rungsresistenter und ragen vielfach netzartig aus der abgewitterten Zwischenmasse hervor. 21) Landeskoordinaten 759,275.0/217,760.0. 22) LNB I/A, 2. Heft, S. 72 («Tüfelstein»). 23) Der Teufelstein. In: Schädler (1916), S. 103 und Büchel (1989), S. 1108. 24) Archäologie FL, Code Nr. 0308. Landeskoordinaten 756,450.0/231,030.0. 25) Malin (1978), S. 223-234. 26) A.a.O., (1978), S. 229. Meiner Meinung nach kann die Deutung der Zeichen als Jahreszahl 1510 ausgeschlossen werden. 371
        

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