beiden rückwärtigen sowohl von den Treppen der grossen Türme aus, als auch von eigenen Portalen in der halben Länge der Kirche durch grosse Trep- pen erreicht werden. Diese imposante Unterkirche kann 1000 Personen fassen und ist, anklingend an südfranzösische Vorbilder, in rein romanischen Formen durchgebildet. Besonders wirkungsvoll ist die offene, um den Hauptaltar sich hinziehende, von 6 Pfeilern mit vorgelegten Halbsäulen gebildete Gallerie, deren Arkaden durch schöne Gitter aus Schmiedeeisen gegen den Chorumgang abge- schlossen sind. Erhellt wird die Krypta durch die grossen dreiteiligen Fenster des Kapellenkranzes und 5 kleinere Fenster an jeder Seitenapside. Die elliptischen Gewölbe werden von schweren roma- nischen Säulen getragen; deren Kapitäle und Basen zeigen reichen Blattschmuck. Das Presbyterium enthält den Kongregationsaltar aus Kunststein und Kunstmarmor; derselbe ist mit reichem Ornament bedeckt und hat einen reich verzierten Tabernakel, sowie in seinem oberen, nischenartigen Aufbau eine plastische Gruppe, Maria mit dem Kinde, um- geben von Engeln und Kongreganisten. In den bei- den Seitenapsiden steht der Krippenaltar und der Altar zur schmerzhaften Mutter Gottes. Im Kapel- lenkranz sind die Beichtstühle aufgestellt; die Mitte der inneren Wand derselben aber enthält in archi- tektonischer Umrahmung den Grundstein und den Schlussstein, dieser vom Kalvarienberg, jener vom Garten Gethsemane in Jerusalem stammend. Dem Projektanten dieser schönen Kirche, Architekt Gustav Ritter von Neumann, standen die Architek- ten Hans Patsch und Paul Geppert, sowie der Bau- techniker Andreas Praprotnik zur Seite. Die Bau- meisterarbeiten sind vom Stadtbaumeister k.k. Baurat Kajetan Miserowsky in trefflicher Weise ausgeführt, unter Leitung des Bauführers Winkler, des Hauptpoliers Franz Loschek und der Vizepolie- re Ferd. Zitterbeit, Franz Pfauser und August No- wak. Die Stein-Imitation für alle Altäre ist von der Firma Matscheko & Schrödl, in Wien (Leiter Direk- tor Fritz Hartl) in teils nur gehobelter teils geschlif- fener Ausführung vorzüglich hergestellt. Die Stein- metzarbeiten führten k.k. Hofsteinmetz Eduard 
Hauser in Wien, Franz Breyer in Baden und Actien-Gesellschaft für Marmorindustrie  in Salzburg aus. Die Kunstschlosserarbeiten führte k.k. Hof- und Kunstschlosser Valerian Ciliar in Wien, die Bau- schlosserarbeiten J. Gridl, A. Biro, Franz Bidla und Anton Reiss in Wien; Spenglerarbeiten: Wilhelm Burckhard; Dachdeckerarbeiten: Jakob Dietrich; Tischlerarbeiten: Karl Roggenhofer; Zimmer- mannsarbeiten: Andreas Baudouin und Joh. Trö- ster; Kunstverglasung: Hans Schock, akad. Maler mit der Tiroler Glasmalerei (Direktor Gold) und Jo- hann Kapner, sämtlich in Wien; Bildhauerarbeiten: Franz Barwig in Wien und Gebrüder Stürmer in Brunn a.G.; Bronzearbeiten: Franz Pawlas; Beton- gewölbe: G.A. Wayss & Co. in Wien; Glocken: B. Chiappani in Trient; Turmuhr: Emil Schauer; Xylo- lithfussböden: Zboril, Miksch & Co. in Wien; Elek- trische Beleuchtung: Siemens & Halske AG; Gas- und Wasserleitung: Josef Horicky; einzelne Ein- richtungsgegenstände: Josef Janauscheck & Co. in Wien bestens aus.»99 Max von Ferstel widmet in «Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts» der Canisius-Kirche folgenden Beitrag: «Einschiffige Gewölbekirche mit schmäle- ren, halbrund geschlossenen, kurzen Kreuzarmen, tiefem, ins Kircheninnere einbezogenem, beider- seits je drei Kapellen bildendem Strebesystem, halbkreisförmiger Apsis und Chorumgang; dreitü- rige Vorhalle zwischen zwei 85 m hohen Frontal- türmen. Unter dem Chor und Kreuzschiff eine sehr grosse Unterkirche. Das Kreuzmittel wird durch ei- nen dachreiterartigen Vierungsturm markiert. Das Äussere ist reich silhouettiert und gruppiert, Stein- bau mit bunten Ziegeldächern in den Formen des rheinischen Übergangsstiles. Grösste Länge 60 m, grösste Breite 22 m. Baukosten 800 000 K.»100 Alfred Missong ergänzt in seinem Kirchenführer «Heiliges Wien» zur Trägerschaft dieser Kirche: «Jesuitenkirche zum göttlichen Heiland auf dem Ölberge und zur schmerzhaften Mutter (Canisius- kirche). Die Entstehung dieses Gotteshauses sowie des anschliessenden Canisiushauses fällt in die Zeit der Renaissance des Jesuitenordens in Österreich, 332
        

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