GUSTAV RITTER VON NEUMANN FLORIN FRICK «Fürstliche Architekten» - Kollegen von Gustav von Neumann Die Bautätigkeit des Fürsten Johann II. war sehr rege, wie sich aus dem Personalbestand für Bau- wesen innerhalb der fürstlichen Verwaltung schliessen lässt (vgl. Kraetzl). Neben Gustav von Neumann beschäftigte Fürst Johann II. einen wei- teren, vermutlich gleichgestellten «fürstlichen Ar- chitekten», Karl Weinbrenner, dessen Haupttätig- keitsbereich Eisgrub und Umgebung gewesen sein dürfte. Weinbrenner war, wie Kraetzl erwähnt, 1908 «ge- genwärtig Professor an der k. k. deutschen techni- schen Hochschule in Prag.»22 Diese Stelle war Gustav von Neumann 1905 ebenfalls angeboten worden. Laut Höss schuf Weinbrenner in fürst- lichen Diensten folgende Bauten: - Umgestaltung der Pfarrkirche in Landshut (1893) - Pfarrkirche in Unter-Themenau (1894 bis 1898), welche auf Kosten des Fürsten errichtet wurde - Pfarrkirche in Thomigsdorf (1895/96) - die Jagdhäuser in Landshut und zu Broczko, bei der Marchüberfuhr (ca. 1896) - Brunnen auf dem Marktplatz von Eisgrub (1898) - Forsthäuser im Saugarten und im Unterwald bei Lundenburg (1898/99) - Pfarrkirche in Dobermannsdorf (1900) - Kapelle in Mistelbach (1904) - Renovierung des Ölberges in Wilfersdorf (1906) - Rekonstruktion der Kolonnade auf dem Raisten- berge, Eisgrub (1907) - Hegerhaus bei Feldsberg (1907/1908) - Pfarrhof in Katzelsdorf (vermutlich 1908)23 - die Nutzbauten (Wohnhäuser, Eingangstore, Parkmauern) im Rahmen der Erweiterung der Eisgruber Parkanlagen Weinbrenner war demgemäss mit ähnlichen Auf- gaben wie Gustav von Neumann betraut und auch etwa zur gleichen Zeit tätig. Gustav von Neumann hat als «fürstlicher Archi- tekt» um die Jahrhundertwende in unserem Land den Grossteil der öffentlichen Bauten entworfen und die Architekturlandschaft während einer län- geren Zeitepoche mehr geprägt als je ein anderer Architekt. Es scheint jedoch, dass Gustav von Neu- mann keinen besonderen persönlichen Bezug zu 
Liechtenstein hatte. Anders jedoch Ignaz Bankö, ebenfalls «fürstlicher Architekt», ein weiterer Kol- lege und möglicherweise auch Vorgänger Gustav von Neumanns. Ignaz Bankö wurde am 17. Januar 1844 in Wien geboren als Sohn des Johann Bankö. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Mün- chen und Wien. 1866 inskribierte er bei Friedrich von Schmidt. 1870 heiratete er Helene, Tochter des Carl Haus von Hausen, der von 1861 bis 1884 Lan- desverweser in Vaduz gewesen war. Der Ehe ent- sprangen ein Sohn, Julius Bankö, geboren am 26. August 1871, und eine Tocher Irene, geboren am 7. November 1872. Als Geburtsort wird bei beiden Kindern Wien angegeben. Am 1. Juli 1871 wurde Ignaz Bankö als Architekt in den fürstlichen Dienst aufgenommen. 1881 erhielt die Familie Bankö die Liechtensteiner Staatsbürgerschaft. Wie aus dem Gesuch «um die Verleihung der Staatsbürgerrechte des souveränen Fürstentums Liechtenstein» vom 10. Juli 1881 zu entnehmen ist, erfolgte am 3. Juni die Entlassung aus dem österreichischen Staatsver- band. Am 3. Juli 1881 wurde er gemäss Gemeinde- versammlungsprotokoll bei einer Einkaufssumme von 500 Gulden und unter Verzicht auf «Bürgernut- zen» in die Bürgergemeinde Vaduz aufgenommen. Ignaz Bankö, «fürstlich liechtensteinischer Archi- tekt», wie der Unterschrift des Gesuchs zu entneh- men ist, wohnte in Wien IV, Gumpendorfstrasse Nr. 65, «betrieb keine Geschäfte» und lebte von sei- nen Vermögenseinkommen (Architekt Bankö war damals 37 Jahre alt). 19) a.a.O., S. 214. 20) Höss, Karl: Fürst Johann II. von Liechtenstein und die bildende Kunst. Wien, 1908, S. 274-275. 21) Rheinberger, Egon: Briefe 1899-1901. FamARh, R7, S. 16-17. 22) Kraetzl, S. 207. 23) Höss. 305
        

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