Gustav von Neumann, ein Schmidt-Schüler Friedrich von Schmidt, J. Schmid, um 1890 Neumann dürfte ca. 1878 an der Technischen Hochschule in Wien das Studium begonnen haben. 1884 wechselte er an die Akademie der bildenden Künste in die Klasse von Friedrich von Schmidt. Der 15 Jahre ältere Bruder, Franz von Neumann, war nicht nur Schmidt-Schüler, sondern später auch dessen Mitarbeiter. An der Architekturschule der Wiener Akademie wurden mit der 1868 neu eingeführten Studienord- nung zwei Spezialschulen eingerichtet: eine für die Baukunst des Mittelalters (Friedrich von Schmidt) und eine für Antike und Renaissance (Eduard van der Nüll und als sein Nachfolger Theophil Hansen). Zwischen den beiden Richtungen bestand vermut- lich eine gewisse Rivalität. Zu dieser im Historismus üblichen Zuteilung von Stilrichtungen auf Ordinarien sei Karl Grubers Ge- denkvortrag von 1959 über den deutschen Archi- tekten Friedrich Ostendorf (1871 bis 1915), Ordi- narius für mittelalterliche Baukunst in Danzig, erwähnt: «Auch in seiner Danziger Lehrtätigkeit versuchte Ostendorf aus der Enge, die ihm sein Lehrauftrag für Mittelalter vorschrieb, herauszu- kommen. Es war ja damals noch so, dass in  entworfen wurde - der Mittelalterliche durfte nur in  durfte, was uns heute fast grotesk vorkommt.»5 Gustav von Neumann und insbesondere sein Bru- der Franz wurden mehrfach - so z.B. von Profes- sor Josef Bayer - als Schmidt-Schüler bezeichnet: 
«Der hochbegabte und vielseitige Franz von Neu- mann, sonst einer der treusten Schüler Schmidts, ohne darum Gotiker geblieben zu sein»6 bzw. «von dem jüngeren Bruder des Vorgenannten, dem Ar- chitekten Gustav von Neumann, gleichfalls ein Schüler Schmidts...» Friedrich von Schmidt leitete von 1859 bis 1891 eine Architekturschule an der Akademie der bil- denden Künste. Geboren in Frickenhofen/Würt- temberg, «studierte Friedrich von Schmidt am Poly- technikum in Stuttgart und erlernte daneben das Steinmetzhandwerk; schon früh zeigte sich bei ihm eine starke Zuneigung zur Gotik. 1843 trat er in die Dombauhütte zu Köln ein.» Diese Tätigkeit prägte Schmidts strikte Anerkennung des historisch Über- lieferten, welche insbesondere für seine ungemein weitgespannte Restaurierungstätigkeit richtungs- weisend war. «Er hat sich zeit seines Lebens der Gotik verschrieben und fast alle Aufgaben in die- sem Sinne gelöst.» 1857 wurde er an die Akademie Mailands berufen, zwei Jahre später, nach der Abspaltung der Lom- bardei von Österreich am 10. November 1859, wechselte er an die Akademie in Wien. «Schmidts Affinität zur Gotik führte alsbald dazu, dass er in die Kommission zur Begutachtung der Stephans- turmfrage berufen wurde, 1862 . . . wurde er mit der Fortführung der Restaurierung betraut und am 16. 1. 1863 als Dombaumeister von St. Stephan be- stätigt. Die selbständigen Kirchenbauten, welche Schmidt seit 1860 in Wien errichtete, zeigen die Tendenz zur Vereinheitlichung des Innenraumes; dies wirkt sich in einer Bevorzugung von Hallen- und Staffel- formen aus, bei Basiliken in der Verwendung sehr hoch gezogener Stützen, welche einen hallenarti- gen Zusammenschluss des dreischiffigen Laienrau- mes gewährleisten. Damit steht er nicht mehr im Banne des klassischen Stilideales, wie etwa des Kölner Domes, sondern vor- und nachklassische Erscheinungen sind jetzt wichtiger, etwa die kölni- sche Spätromanik oder die Kenntnis der lombardi- schen Gotik, der eine starke Tendenz zur Raumver- einheitlichung im Hallen- und Staffelbau eigen ist.»7 300
        

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