Graf Hartmann ist 1354 gestorben.100 Von sei- nen ab 1360 namentlich erwähnten Söhnen ist Ru- dolf (VI.) 1367 nach der Überlieferung in Rhodos ums Leben gekommen. Heinrich (V.) übernahm die Herrschaft; er stand vorerst unter Vormundschaft seines Onkels Rudolf von Werdenberg-Sargans, während in Vaduz Ammann Ulrich von der Lachen die Herrschaft vertrat.101 1386/87 heiratete Hein- rich - relativ spät - die Witwe Diethelms IV. von Toggenburg, Katharina von Werdenberg-Heiligen- berg. Nach seinem Tod ohne rechtmässige Erben 1397 gingen die Herrschaftsrechte auf Hart- mann (IV.) über. Hartmann war 1360 in den Johan- niterorden eingetreten,102 amtete im Laufe seiner Karriere als Komtur in Wädenswil sowie in Feld- kirch und wurde 1388 zum Bischof von Chur ge- wählt. Schon zu Lebzeiten Heinrichs, also vor 1397, war die Herrschaft schrittweise an seine Halbbrüder von Brandis übergegangen;103 seine verwitwete Mutter Agnes hatte um 1360 Wolf- hart (I.) von Brandis geheiratet, und dieser Ehe entstammten die Söhne Ulrich Thüring (starb 1409) und Wolfhart, der nach dem Tode Hart- manns 1416 endgültig das Erbe der Werdenberger in Vaduz antrat. 1412104 vermachte schliesslich Bi- schof Hartmann dem Wolfhart von Brandis und seinem Sohn Wölflin die Burgen Sonnenberg und Blumenegg samt den dazugehörigen Leuten, Gü- tern und Rechten. Nach Hartmanns Tod sollte Son- nenberg seinen Verwandten, den Werdenberg-Sar- gansern, zufallen, was 1416 dann auch so durchge- führt wurde. Die Geschichte der Werdenberger zu Vaduz nach dem Tode Hartmanns III. (1354) bis zum endgülti- gen Übergang an die Brandis (1416) müsste in den Rahmen der allgemeinen Entwicklung in der Re- gion gestellt werden und würde eine sehr viel ge- nauere Analyse erfordern, als sie bisher geleistet ist. Eines ist allerdings klar geworden: Gerade auch die oben ausführlich zitierte Auseinandersetzung von 1355 im Walgau zeigt, dass der Prozess der Herrschaftsbildung im «Vaduzer Besitz» der Wer- denberger beim Tode Hartmanns noch längst nicht abgeschlossen war, sowohl in Hinblick auf den äus- seren Umfang wie auf die innere Ausgestaltung. 
War es nicht auch so, dass die unerledigten Ausein- andersetzungen mit Verwandten, die nach 1390 er- neut zu Konflikten führten,105 zugleich die verstreu- te Lage und offensichtliche Uneinheitlichkeit des Besitzes an Gütern und Rechten schlechte Voraus- setzungen für eine erfolgreiche und eigenständige Territorialisierung boten? Heinrich gelang es immerhin bis nach 1390, den Bestand der Herrschaft Vaduz einigermassen zu behaupten. Er nannte sich in einer Urkunde vom 24. März 1376 nun 
auch herr ze Vadutz, als er auf Bitte seines Vetters Johann von Werdenberg-Sar- gans in der Grafschaft Laax Landgericht abhielt.106 1379 und wiederum 1396 liess er sich von König Wenzel seine gerichtshoheitlichen Rechte bzw. reichslehensrechtlichen Privilegien bestätigen, Pri- vilegien, die allerdings in den Zusammenhang der Politik Wenzels gehören und in der Zeit selber nicht als «Gründungsurkunden» eines Territoriums be- trachtet wurden.107 Auch die Heirat Heinrichs mit Katharina von Wer- denberg-Heiligenberg, der Witwe Diethelms von Toggenburg und Mutter Friedrichs VII. des letzten Toggenburgers, gehört in den Zusammenhang ter- ritorialpolitischer Anstrengungen. Es ist übrigens unsicher, ob Heinrich nicht in den 70er Jahren noch eine geistliche Laufbahn angestrebt hatte.108 Schon damals suchte er nach einer verbindlichen Erbrege- lung: Am 10. März 1379 - wohl nur wenig über 30jährig - vermachte er seinem Vetter Johann I. von Werdenberg-Sargans, falls 
er an liberben abgiengi seinen gesamten 
Besitz, sin aigen vesti und sin grafschaft ze Vadutz [. . .] sin vesti Nütziders und sin grafschaft in Walgoew, [. . .] waz er geerbet [. . .] von sinem vatter, und zwar alles mit Zustimmung seines Onkels Rudolf V. in Feldkirch. Diesem Rudolf hatte er nach dem Wortlaut der Urkunde früher als Erbe den ganzen Besitz versprochen (oder in Erfül- lung alter Verpflichtungen versprechen müssen?); der Feldkircher behielt, sollte er Heinrich überle- ben, den Anspruch auf Heinrichs Besitzungen als Leibding.109 Umgekehrt hatte Rudolf V, der offen- sichtlich mit einem kinderlosen Ableben rechnen musste, seinen Neffen Heinrich verschiedentlich als Universal- oder Teilerben eingesetzt. Am 23. April 24
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.