MÜNZFUNDE UND GELDUMLAUF IM MITTEL- ALTERLICHEN ALPENRHEINTAL / BENEDIKT ZÄCH Annahme spricht allerdings, dass sich sonst in Funden des Alpenrheintals zwar die oberschwäbi- schen, nach 1423 im Umkreis des Riedlinger Münz- bundes ausgebrachten Pfennige, nicht aber die Heller niedergeschlagen haben.146 MAILÄNDISCHES GELD IM 14. UND 15. JAHRHUNDERT Funde: 6, 7, 9, 13, 19, 24, 31, 53 Im 14. und 15. Jahrhundert fallen verschiedene neue Nominale auf, die den Geldumlauf um bislang unbekannte Wertstufen bereichern: Plapparte, Pe- gioni und Grossi bilden grössere Münzsorten im Wert von 6-8 Angstern bzw. 12-16 Hallern. Vor al- lem die mailändischen Grossi und Pegioni spielen seit der Mitte des 14. Jahrhunderts eine hervorra- gende Rolle im hiesigen Geldverkehr,147 die auch von den Münzfunden her recht gut untersucht ist.148 Der Schatzfund von 
Vaduz 7 (4 Grossi und 1 Soldo aus Mailand) bezeichnet einen frühen Zeitpunkt für das Erscheinen dieser Münzsorten; der Schatzfund von 
Schellenberg 6 macht deren zahlenmässige Be- deutung deutlich: Er enthält 155 Pegioni und Gros- si aus Mailand (Abb. 12 a, b) und 13 aus Pavia. Die Funde von 
Mömlingen 19 (Abb. 12 c), 
Triesen 24, Wildenburg 31 und 
Wartau 53 schliesslich sind Be- lege für die breite Streuung der mailändischen Pe- gioni und Grossi, die in der ersten Hälfte des 133) Reine Turnosgroschenfunde oder solche mit einem hohen An- teil an dieser Münzsorte sind in der Nord- und Ostschweiz selten: Basel, ehemaliger Judenfriedhof, 1937: 56 französische Gros tournois); Scherer, Carl W.: Brakeatenfund auf dem früheren jüdi- schen Friedhof zu Basel. In: SNR 28 (1941), S. 25-29, bes. S. 25. - Rueras GR, 1936: 18 Gros tournois, vielleicht rheinische Nachah- mungen: Geiger, Hans-Ulrich: Le tresor monetaire de Rueras (Gri- sons) du XlVe siecle. In: Bulletin de la Societe Francaise de Numis- matique 36 (1981), S. 114-118, hierS. 115 und 118. 134) Sie wurden in Kutna Nora (Kuttenberg) das ganze 14. Jahrhun- dert hindurch und auch im 15. Jahrhundert in riesigen Mengen aus- gebracht; derAusstoss betrug zwischen 1300 und 1305 jährlich 1,6- 1,7 Millionen Groschen; Castelin, Karel: Grossus Pragensis. Der Prager Groschen und seine Teilstücke 1300-1547. 2. Aufl. Braun- schweig, 1973, S. 3. 
135) Bei 9 Münzen ist der Regentenname nicht oder nicht eindeutig lesbar; Krusy, Hans: Gegenstempel auf Münzen des Spätmittelalters. Frankfurt, 1974, S. 376. 136) Sie stammen mit wenigen Ausnahmen von süddeutschen Städ- ten wie Augsburg, Konstanz, Nördlingen, Nürnberg und Ulm; 6 Gro- schen tragen solche des Schwäbischen Münzbundes. Ausserdem enthält der Fund 9 Groschen mit Gegenstempeln von Feldkirch, dem einzigen Ort im Untersuchungsgebiet, von dem die Gegenstempelung von Groschen mit Sicherheit belegt ist. Vgl. auch die Karte der ge- genstempelnden Städte bei Castelin (wie Anm. 134), Anhang. 137) Zum Beispiel Bischofskopf oder Kreuz für Konstanz, Pyr (= Zirbelnuss) für Augsburg, Montforter Wappen für Feldkirch. 138) Auch andere Münzsorten konnten so markiert werden: Unter den Münzen des Schellenberger Fundes befindet sich ein gegenge- stempelter Pegione von Mailand; Kittelberger, Karl: Der Schellenber- ger Münzfund. In: JBL 31 (1931), S. 113-145, hier S. 142 Nr. 81 a. 139) Die mit Gegenstempeln gezeichneten Prager Groschen stam- men fast ausnahmslos aus der Zeit Wenzels III.; Krusy, Hans: Gegen- gestempelte Prager Groschen, die nicht den Namen Wenzels III. tra- gen. In: HBN 20 (1966), S. 525-530. 140) Von den 12 insgesamt bekannten Groschen mit Feldkircher Gegenstompel beispielsweise stammen 9 allein aus dem Schellenber- ger Münzfund; Krusy, Gegenstempel (wie Anm. 135), S. 88. 141) Etschkreuzer und Vierer (dessen Halbstück) aus dem 15. Jahr- hundert finden sich ausserdem in Bendern 9 und 10, Gretschins 16, Schellenberg 21 und Vaduz 26. 142) Vor allem durch den Riedlinger Münzbund von 1423 fand diese Machart Nachahmung bis in das Bodenseegebiet; sie wurde auch von Ravensburg, das nicht Mitglied war, ab 1426, sowie von Überlin- gen, das 1436 aus dem Bund austrat, aufgenommen; dazu Nau, Eli- sabeth: Die Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte. Freiburg i.Br., 1964, S. 47 (Überlingen) und S. 95 (Ravensburg). 143) Aus Chur (Rabengasse 3-7) sind ferner vier(?) Pfennige des Erzbistums Köln aus der Zeit von 1520/32 bekannt; Gredig, Arthur, in: Archäologie Graubünden (1992), S. 389 Abb. 7.5. 144) Zu diesen Münzverträgen Nau, Oberschwäbische Städte (wie Anm. 142), S. 19 f. (1417) und Schwarz, Dietrich W.H.: Münz- und Geldgeschichte Zürichs im Mittelalter, Diss. Zürich. Aarau, 1940, S. 102-104 (1417), 108 f. (1424) und 113 f. (1425). 145) Zum Münzvertrag, der nach Cahn (1911), S. 245 «mit grosser Gründlichkeit» und «offenbar von wirklich Sachverständigen mit aller Sorgfalt ausgearbeitet worden» ist, vgl. die ausführlichen Dar- legungen dort, S. 244-254 und S. 401-409 Nr. 9 (Vertragsurkunde) sowie Günter, Heinrich: Das Münzwesen in der Grafschaft Württem- berg. Stuttgart, 1897, S. 24-26. 146) Konstanz: Eschen 12, Feldkirch 13; Grafschaft Württemberg: Bendern 9; Ravensburg: Eschen 11, Bendern 9; Überlingen: Senn- wald 23. 147) 1351 werden in einer Zürcher Münzordnung erstmals Plappar- te mit 11 neuen Pfennigen bewertet; Schnyder, Quellen (wie Anm. 52), S. 114 Nr. 220. 148) Schärli (wie Anm. 71), bes. S. 283-290. Die Arbeit untersucht allerdings ausschliesslich schweizerische Schatzfnnde mit mailändi- schen Münzen. 229
        

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