nosgroschen im Fund, grössere Silbermünzen, die nach französischem Vorbild in vielen westeuropäi- schen Münzorten, besonders in den Niederlanden und am Mittelrhein, geprägt wurden; sie erschei- nen bei uns in Schriftquellen häufiger als in Fun- den.133 Den Hauptteil der Groschen machen aber Prager Groschen (zeitgenössig als «Behemsch» be- zeichnet, d.h. «Böhmische») aus.134 Es sind, soweit feststellbar, alles Prägungen auf den Namen König Wenzels III. (1378-1419),135 die in seiner Regie- rungszeit, aber auch danach noch während einiger Zeit geprägt wurden. Fast alle Prager Groschen (67 von 72 Ex.) sind mit Gegenstempeln von rund 25 Städten und Münz- bünden versehen (Abb. 11 d-f).136 Mit den Gegen- stempeln, die oft aus Wappenelementen oder städ- tischen Symbolen137 bestehen, wurden die gutge- wichtigen Prager Groschen gezeichnet,138 um ihnen die lokale Kursfähigkeit zu sichern. Oft sind nach- einander zwei oder drei Gegenstempel angebracht. Diese Art der Tarifierung von fremden Münzen war im süddeutschen Raum von etwa 1410/20 bis etwa 1430/40 in Gebrauch.139 Der Schellenberger Münz- schatz bietet ausserordentlich reiches Material für die Klassifizierung und Zuordnung dieser Gegen- stempel.140 Zu den grösseren Nominalen gesellen sich kleinere Silbermünzen unterschiedlicher Wertstufen aus Oberitalien (Mailand, Genua und Pavia) und dem Tirol. Besondere Erwähnung verdienen die insge- samt 95 Etschkreuzer aus der Münzstätte Meran in Tirol mit Prägedaten nach 1439, denn es sind die Folgetypen der Zwanziger des 13. und 14. Jahr- hunderts im Münzschatz von 
Vaduz 7. Die Etsch- kreuzer gehören zu den jüngsten Münzen im Fund von 
Schellenberg 6.141 Am vielfältigsten in bezug auf ihre Herkunft prä- sentieren sich jedoch die Pfennige. Zum allergröss- ten Teil einseitig geprägt und mit einem groben Perlkreis versehen, sind sie in einer Machart her- gestellt, die in ganz Süddeutschland, im Elsass und am Mittel- und Oberrhein verbreitet war.142 Nahezu das ganze Herkunftsgebiet dieser Pfennige ist durch die im Fund vertretenen Typen abgedeckt: Oberschwäbische Münzstätten wie Konstanz 
(Abb. 13 d), Überlingen, Ravensburg (Abb. 13 e) und Ulm; elsässische wie Strassburg; badisch-pfäl- zisch-rheinische wie Pforzheim (Abb. 13 f), Heil- bronn, Speyer (Abb. 13 g), Miltenberg (Abb. 13 h), Neckarsulm, Simmern (Abb. 13 i); sogar fränkische und thüringische Pfennige aus Nürnberg, Regens- burg und Altenburg finden sich. Möglicherweise bildete das einheitlich wirkende Ensemble der Pfennige mit Perlkreis im Schellenberger Münz- schatz ursprünglich Teil einer einzigen Zahlung in dieser Münzsorte. Ungewöhnlich scheinen diese Pfennige im Alpenrheintal aber nicht gewesen zu sein; an übrigen Funden sind - neben einem böhmischen Heller auf Gutenberg bei 
Balzers 8 - ein Pfennig aus der mainzischen Münzstätte Mil- tenberg in 
Feldkirch 13 und ein Pforzheimer Pfen- nig der badischen Markgrafen von der Unteren Burg in 
Schellenberg 22 zu verzeichnen.143 Verschiedene süddeutsch-schweizerische Münz- konventionen des 15. Jahrhunderts sind mit ihren Prägungen im Schellenberger Fund belegt; so fin- den sich ein Konstanzer Schilling des Münzver- trags von 1417, drei Zürcher Plapparte des Ver- trags von 1424 sowie 15 Zürcher Plapparte des Vertrags von 1425.144 Lediglich die Münzprägung im Umkreis des Riedlinger Münzbundes von 1423, des wichtigsten Münzvertrags im Raum zwischen Bodensee und Neckar,145 ist aber nahezu vollstän- dig mit allen Münzsorten (Schilling = s., Pfennig = d. für denarius und Heller = h.) vertreten: s. d. h. Konstanz 2 11 Ulm 2 7- Württemberg 2 3 Überlingen (ab 1436) 2 21 Ravensburg (ab 1426) 10 36 2 Aufschlussreich ist das Fehlen der Heller; nur gera- de Ravensburg, das ab 1426 nach Riedlinger Schlag prägte, ohne selbst Mitglied zu sein, er- scheint im Fund mit dieser Münzsorte. Ob daraus geschlossen werden darf, dass der Heller als klein- stes Nominal in viel geringerer Stückzahl ausge- prägt wurde als der Pfennig, ist offen. Für diese 228
        

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