östlichen Prägestätten Italiens (Venedig, Aquileia und Görz, aber auch Verona) fehlen im Untersu- chungsgebiet ganz. Stets handelt es sich um Gra- bungs- oder Einzelfunde, d. h. Zufallsverluste. Dass diese oberitalienischen Münzen in 12 von ins- gesamt 34 Funden mit Münzen des 12.-14. Jahr- hunderts vorkommen, zeigt, dass deren Rolle im Kleingeldumlauf nicht unbedeutend gewesen sein kann. Offensichtlich gelangten sie im Zuge des Ver- kehrs über die Bündner Pässe ins Alpenrheintal. Das wird eindrücklich bestätigt, wenn man Ver- gleichsfunde aus Graubünden heranzieht; die Fund- punkte liegen vorwiegend an der Lukmanier-, der Splügen- und der Julier/Maloja-Route: - Chur, Sennhof: Mantua, Denaro scodellato (1150-1256)96 - Chur, Rabengasse: Piacenza, Mezzano (1140-1313)97 - Churwalden: Mailand, Denaro (1125-1197)98 - Trun, Darvella, Nekropole: Cremona, Mezzanino (1220-1254)99 - Disentis, Klosterkirche: Mailand, Denaro (1152-1190); Bergamo, Denaro (1236-1310)100 - Sevgein, St. Thomas: Mailand, Denaro (1218-1250); Piacenza, Mezzano (1140-1313)101 - Lumbrein, St. Martin: Mailand, Denaro (1125-1197)102 - Nieder-Realta bei Cazis: Cremona, Mezzanino (1155-1330); Mailand, Denaro (1218-1250)103 - Lantsch/Lenz, S. Cassian: Schatzfund, Mailand, Denari (24 Ex.) und Obolo (1125-1197); Mai- land, Denaro (1218-1250); Bergamo, Denaro (1218-1250); Bergamo, Mezzo Denaro (14. Jh.)104 - Mistail (Gde. Alvaschein), St. Peter: Mailand, Denaro (1125-1197)105 Wann fliessen diese Kleinmünzen in den Geldum- lauf des Alpenrheintals ein, und was sind mögliche Gründe dafür? Da die Prägedaten der Denari und Mezzani, um die es hier geht, meist nicht genau eingrenzbar sind106 - mit Ausnahme von Mailand107 fehlen bislang detaillierte Untersuchungen -, kann man beim gegenwärtigen Wissensstand lediglich sagen, dass der grösste Teil dieser Münzen in der zweiten Hälfte des 12. und vor allem während des 
13. Jahrhunderts geprägt wurde. Sie dürften im 13. oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts ins Alpen- rheintal gelangt sein. Über die Gründe für ihr Aufkommen lassen sich vorderhand nur Vermutungen anstellen. In jedem Fall sind sie ein Resultat der Verbindungen über die Bündner Alpen, denn auch ihr Vorkommen nördlich und westlich des Alpenrheintals be- schränkt sich weitgehend auf die noch von den Ausläufern des Passverkehrs berührten Gebiete.108 Dass sie sich überhaupt ausserhalb des Alpen- rheintals - bis weit nördlich des Bodensees109 - fin- den und im Untersuchungsgebiet in breiter Vertei- lung auftreten, spricht gegen die Annahme, es handle sich lediglich um Reste oberitalienischen Geldes, das nördlich der Pässe von den Reisenden nicht mehr verwendet werden konnte und deshalb auf dem Wege des Kirchenopfers oder anderweitig «entsorgt» wurde. Vielmehr ist anzunehmen, dass die Münzen im 13. und wohl auch zu Beginn des 14. Jahrhunderts Bestandteil des lokalen Geldum- laufs waren und eine gewisse Bedeutung hatten, die vorläufig nicht genauer bestimmt werden kann.110 GELDUMLAUF IM 14. UND 15. JAHRHUNDERT: EINFLÜSSE VON AUSSEN DER MÜNZSCHATZ VON VADUZ (1957), VERGRABEN UM 1360/65: TRANSALPINE VERBINDUNGEN Der Vaduzer Münzschatzfund, 1957 zufällig ent- deckt und mit insgesamt 2432 Münzen der grösste Münzfund im Alpenrheintal, wurde kürzlich in be- zug auf seinen geldgeschichtlichen Aussagewert gewürdigt."1 Er soll deshalb hier nur unter dem Aspekt der verschiedenen monetären Einflüsse, die an ihm ablesbar sind, kurz behandelt werden. Das hervorstechendste Merkmal des Fundes ist sei- ne inhaltliche Vielfalt: Er enthält sowohl Gold- wie auch grössere Silbermünzen, zur Hauptsache aber Bodenseepfennige: 220
        

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