MÜNZFUNDE UND GELDUMLAUF IM MITTEL- ALTERLICHEN ALPENRHEINTAL / BENEDIKT ZÄCH Stätten - wie Konstanz, Ulm, St. Gallen, Radolfzell, Lindau, Überlingen, Biberach, Ravensburg, Schaff- hausen, aber auch süddeutsche Dynasten wie die Grafen von Pfullendorf - stellten um 1200 Münzen her, die sich durch dieselbe Machart als einheit- liche Gruppe zu erkennen geben. Solche Pfennige finden sich verschiedentlich im Al- penrheintal, und zwar in Schatz- wie Grabungsfun- den, aber auch als Einzelfunde; das relativ breite Vorkommen ist als Ausdruck eines Geldumlaufs zu sehen, der sich um 1200 im weiteren Bodensee- gebiet gleichermassen regionalisiert wie intensi- viert. In den Schatzfunden von 
Klaus 3 und Lau- terach 4 sind es Prägungen aus Konstanz, Ulm, Ra- vensburg, Lindau und St. Gallen der Zeit um 1180/1190 sowie etwas spätere Pfennige der Abtei Reichenau, von Ravensburg, Lindau (jeweils 1190/1200) und Rottweil (1200/1220). Aus den Grabungen in und bei der Pfarrkirche 
Bendern 9 stammt ein recht häufiger Pfennig der Münzstätte Konstanz (1180/1190),84 der vor allem aus den Fun- den von Niederhelfenschwil SG (1910, vergraben nach 1240) und Eichenreute, Kr. Ravensburg (D) (1895, vergraben um 1280/90) bekannt ist,85 während von 
Götzis 41 ein Einzelfund eines St. Galler Pfennigs (1180/1190) vorliegt (Abb. 4 a). DIE ZEIT DER CONSTANTIENSES: 13. JAHRHUNDERT Funde: 2, 3, 4, 7, 9,10, 15, 17, 28, 36, 38, 43 Insgesamt 12 Funde belegen die weite Verbreitung des Pfennigs nach Konstanzer Schlag aus dem 73) Der 1842 entdeckte Fund, heute zwischen dem SLM Zürich (5 Ex.) und dem Thurgauischen Historischen Museum Frauenfeld (2 Ex., freundliche Mitteilung H. Brem) aufgeteilt, wurde nach 900 vergraben; Jecklin/Hahn (wie Anm. 71), S. 55 f. Nr. 72-76 (Mailand zugewiesen; nur Ex. im SLM Zürich). - Vgl. auch Grierson, Philip; Blackburn, Mark: Medieval European Coinage. With a Catalogue of the Coins in the Fitzwilliam Museum, Cambridge. Bd. 1: The Early Middle Ages (5th-10th centuries). Cambridge, 1986, S. 256 (Verona zugewiesen; dass, wie dort vermutet wird, die Münzen über den Brennerpass (!) nach Wiesendangen gelangt sein sollen, ist wohl ein geographischer Irrtum). 
74) Hätz (1979), S. 199-202. 75) GR: Hätz (1979), S. 199 f. Nr. 1, 2, 6-9, 11; ZH/SG/TG/SH, FL: Hätz (1979), S. 199f. Nr. 3, 12. - Zu den Einschränkungen (keine Erfassung der karolingerzeitlichen Funde, selbst wenn sie noch ins 10. Jh. hineinreichen) vgl. ebd., S. 199 Anm. 92. 76) GR: Hätz (1979), S. 200 Nr. 15, 17, S. 202 Nr. 37; ZH/SG/TG/SH. FL: Hätz (1979), S. 201 f. Nr. 21, 23, 24, 28-31, 33-35, 40; zusätzlich Geiger (1984), S. 68 Nr. 1, S. 69 Nr. 4, S. 70 Nr. 14 (= Bendern 9). 77) Einzige Ausnahme ist der Fund einer byzantinischen Münze bei Aathal-Seegräben ZH; Hätz (1979), S. 201 Nr. 21. 78) Bendern 9. Geiger (1984), Typ 3 (2. Hälfte 11. Jh.); Flums 14: Geiger (1984), Typ 7 (2. Viertel 12. Jh.). 79) Geiger (1984), S. 74. 80) Nach Geiger (1984), S. 80 beträgt die Zahl der Zürcher Pfennige in schweizerischen Funden nach 1050 91 (+ ca. 400 Ex.? gegenüber 27 Ex. aus Basel. - Vgl. auch Hess, Wolfgang: Münzstätten. Geldver- kehr und Märkte am Rhein in ottonischer und salischer Zeit. In: Bei- träge zum hochmittelalterlichen Städtewesen. Hrsg. Bernhard Die- stelkamp. Köln/Wien, 1982. (Städteforschung, Reihe A: Darstellun- gen, 11), S. 111-133, bes. S. 119 f., der die Fundverbreitung des Zür- cher Pfennigs in ein weiteres Umfeld stellt. 81) Er umfasste rund 600 Münzen, vgl. dazu Geiger, Hans-Ulrich: Zum Münzschatz von Steckborn. Paradigma numismatischer Arbeit und ihrer Stellung im Museum. In: Zeitschrift für Schweizerische Ar- chäologie und Kunstgeschichte 38 (1981), S. 260-265. Ferner ders.: Schweizerische Münzprägung im 12. Jahrhundert. In: Sigtuna Pa- pers. Proceedings of the Sigtuna Symposium on Viking-Age Coinage 1-4 June 1989. Hrsg. Kenneth Jonsson und Brita Malmer. London, 1990. (Commentationes de nummis saeculorum IX-XI in Suecia repertis. Nova Series, 6), S. 77-82, bes. S. 78 und 81. 82) Sehr ähnliche, wohl etwas ältere Typen desselben Pfennigs wur- den bei Grabungen in der Altstadt von Freiburg i. Br. in archäologi- schen Zusammenhängen des ersten Drittels des 12. Jahrhunderts gefunden; vgl. Untermann, Mathias: Ausgrabungen auf dem «Har- monie»-Gelände in der Freiburger Altstadt. In: Archäologische Aus- grabungen in Baden-Württemberg 1990. Stuttgart, 1991, S. 243- 246. - Bisher wurden diese Pfennige an das Ende des 12. Jahrhun- derts gelegt; Wielandt, Friedrich: Der Breisgauer Pfennig und seine Münzstätten. 2. neubearb. Aufl. Karlsruhe, 1976, Nr. 3-10. 83) Weiterführende Hinweise zu diesen Münztypen verdanke ich Ulrich Klein und Matthias Untermann. 84) Die Datierung dieses Typs sowie der Typen von St. Gallen, Lin- dau und Ravensburg von 1180/90 ist neuerdings durch einen kurz nach 1190 vergrabenen, grossen Münzfund aus der Südosttürkei, den sog. «Barbarossa-Fund», überzeugend gesichert worden; vgl. Klein, Ulrich: Die süddeutschen Münzen des «Barbarossa-Funds». In: Der Münzen- und Medaillensammler. Berichte 28 (1988), Nr. 161, S. 416-425, bes. S. 417 Nr. 7 (St. Gallen), Nr. 8 (Lindau) und S. 418 Nr. 23 Variante (Ravensburg) sowie ders.: Die deutsche Münzprä- gung gegen Ende des 12. Jahrhunderts und der «Barbarossa-Fund». In: SNR 65 (1986), S. 205-218, bes. S. 211 Nr. 21 (Konstanz). 85) Hahn, Emil: Der Brakteatenfund von Niederhelfenswil (30. Sep- tember 1910). In: SNR 16 (1910), S. 302-314. - Nau, Elisabeth: Der Brakteatenfund von Eichenreute. In: HBN 18/19 (1964/65), S. 55-94. 215
        

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