Leitwährung.46 Deutlichster Ausdruck hierfür ist das am 19. April 1240 vom Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne erlassene Münzedikt, das für die Münzstätten Konstanz, St. Gallen, Radolfzell, Überlingen, Ravensburg sowie Lindau gleiches Ge- wicht und gleichen Feingehalt der Prägungen fest- schrieb und auch gemeinsame Vorschriften bezüg- lich Geldwechsel und Silberhandel formulierte.47 Das ganze Alpenrheintal gehörte zum Konstanzer Währungsgebiet, das weite Teile der Ostschweiz umfasste und nördlich des Bodensees bis an Iiier und Donau reichte.48 Prägungen der anderen Münz- stätten nach Konstanzer Schlag wurden beispiels- weise nicht als Lindauer oder St. Galler Pfennige bezeichnet, sondern unter dem gemeinsamen Na- men Constantienses zusammengefasst, ähnlich wie man die Pfennige nach Augsburger 
Schlag Augu- stenses nannte. Auch das ist ein Ausdruck der Ent- stehung grossräumiger «Münzlandschaften». Zum letzten Mal betont die nach 1295 geprägte, in Münzbild und Gewicht eng zusammenhängende Gruppe der sogenannten «Ewigen Pfennige» die Gemeinsamkeit der Constantienses, denn ihre bis um 1335 laufende Prägung markiert zugleich das Ende der Periode des Regionalen Pfennigs.49 SPÄTMITTELALTERLICHES WÄHRUNGSGEFLECHT Mit der allmählichen Auflösung klar umrissener Münzkreise, in denen lokale Prägungen unter weit- gehendem Ausschluss von Nachbarwährungen zir- kulierten, werden auch die Währungsverhältnisse komplexer; man hat schon vom «Währungsge- flecht» (Hans-Ulrich Geiger) des 14. und 15. Jahr- hunderts gesprochen. Wie sich der Geldumlauf ver- änderte, zeigen mit besonderer Deutlichkeit zwei grosse Münzschatzfunde - zwar nicht aus unserem Untersuchungsgebiet, aber doch aus der Nordost- schweiz -, deren Vergrabungszeit etwa sechzig Jahre auseinanderliegt und von denen jeder exem- plarisch den Geldumlauf seiner Epoche charakte- risiert. 
Der Schatzfund von Winterthur-Holderplatz (1970) wurde kurz nach 1260 vergraben; er zählt 2284 Pfennige des 13. Jahrhunderts. Bis auf sieben Ein- zelstücke enthält der Fund nur zwei Typen eines Zürcher Pfennigs in verschiedenen Varianten und führt damit musterhaft die Regionalität des Pfen- nigs in der Mitte des 13. Jahrhunderts vor.50 Der Fund von Winterthur-Haldengut (1930), um 1310/20 vergraben, zeigt dagegen ein ganz anderes Bild. Die ursprünglich ca. 2325 Pfennige verteilen sich auf 21 Typen aus 7 Münzstätten. Neben Pfen- nigen aus den beiden nächstliegenden Münzorten Zürich und Schaffhausen erscheinen nun auch Prä- gungen aus Basel, Zofingen und Laufenburg, ja so- gar aus Freiburg i. Br.51 Der Fund von Haldengut steht damit ebenso typisch für die intensive Durch- mischung des Geldumlaufs wie der Fund vom Hol- derplatz für dessen regionale Begrenztheit. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts erscheinen im Geldumlauf neue, grössere Münzsorten,52 nachdem bisher nur die Grundeinheit des Münzsystems, der Pfennig, geprägt worden war und den Geldumlauf allein bestritten hatte. Es sind Gold- und Silber- münzen aus Münzstätten vornehmlich Oberitaliens und des lothringisch-rheinischen Gebiets. Mit dem Fund von 
Vaduz 7 schlägt sich diese Entwicklung im Alpenrheintal schon sehr früh nieder; davon wird noch zu sprechen sein. Im Aufkommen grösserer Gold- und Silbermünzen artikuliert sich das Bedürfnis einer in weite Le- bensbereiche vordringenden Geldwirtschaft nach handlichen Zahlungsmitteln, mit denen auch grös- sere Beträge ohne Schwierigkeiten ausgelegt wer- den konnten. Zuvor war es üblich gewesen, grosse Beträge in abgezählten oder abgewogenen Pfenni- gen - mitunter mehreren hunderttausend Stück53 - oder aber mit Silberbarren in festgelegtem Gewicht und Feingehalt zu bezahlen; verwendet wurde meist die Mark im Gewicht von etwa 233-238 Gramm.54 Der süddeutsch-nordschweizerische Raum nahm die neuen Nominale dabei wesentlich später auf als wirtschaftlich höher entwickelte Gebiete wie das Rheinland oder gar Italien und Flandern. 210
        

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