MÜNZFUNDE UND GELDUMLAUF IM MITTEL- ALTERLICHEN ALPENRHEINTAL / BENEDIKT ZÄCH Während der Wechsel vom Halbbrakteaten zum Brakteaten zeitlich eingrenzbar ist,40 verlief die währungsgeographische Entwicklung fliessend. Er- ste Erwähnungen regionaler Pfennigsorten finden sich zwar im südwestdeutschen Raum bereits im 11. Jahrhundert, erst um die Mitte des 12. Jahr- hunderts jedoch verdichten sich mit der grösseren Zahl schriftlicher Quellen die urkundlichen Hinwei- se in einem Masse, dass man von sich ausbilden- den Währungsgebieten sprechen kann. Die Entste- hung von Münzkreisen mit einer Hauptmünzstätte und Nebenmünzstätten, die nach dem Vorbild («nach dem Schlag») des Vorortes prägten,41 aber auch von sehr kleinräumigen Währungsgebieten, die nur gerade das Umland der Münzstätte umfass- ten,42 ist eng verknüpft mit einer starken Zunahme der Münzstätten im 12. und 13. Jahrhundert. Für die nordalpinen Teile des mittelalterlichen Reiches zählt man zwischen 1140 und 1197 gegen 215 Münzstätten, deren Anzahl sich bis um 1270 auf 450 erhöhte.43 Im weiteren Bodenseegebiet waren zeitweise - vor allem zwischen etwa 1230 und 1270 - bis zu 27 Münzstätten tätig,44 viele nur während kurzer Zeit. Zwei Münzkreise bestimmten den Geldumlauf in unserem Raum: der des Konstanzer und der des Zürcher Pfennigs. Während der Zürcher Pfennig nur am Rande eine Rolle spielte,45 wurde der Kon- stanzer Pfennig für eine ganze Reihe von Münzstät- ten des Bodenseegebiets im 13. Jahrhundert zur 30) Geiger, Hans-Ulrich: Münzwesen, Wirtschaft und Handel. In: Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie der Schweiz. Bd. 6: Das Früh- mittelalter. Basel, 1979, S. 185-202. hier S. 187. 31) Auf dem Gebiet der heutigen Schweiz befanden sich sieben sicher belegbare Münzstätten der Merowingerzeit, die alle in der Westschweiz liegen: Genf, Lausanne. Avenches, St. Maurice, Sitten, Basel und Windisch; Geiger, Münzwesen (wie Anm. 30), S. 187-191. 32) Geiger, Hans-Ulrich: Der Münzschatz von Ilanz und die Entste- hung des mittelalterlichen Münzsystems. In: Schweizerische Zeit- schrift für Geschichte 36 (1986), S. 395-412, hier S. 397 und S. 408-411. 33) In den Beginn des 9. Jahrhunderts fallen die frühesten Erwäh- nungen von Geldzinsen und Zahlungen mit Denaren im Bodenseege- biet; Cahn (1911), S. 39-41. 34) Im Bodenseegebiet z.B. Allensbach (Abtei Reichenau). Konstanz, St. Gallen, Zürich, Chur, Villingen; siehe oben Anm. 29. 
35) Hävernick, Walter: Epochen der deutschen Geldgeschichte im frühen Mittelalter. In; HBN 9/10, 1955/56 (1956), S. 5-10, bes. S. 7 f. Anm. 7. 36) Für Skandinavien rechnet man mit etwa 100 000 Münzen (da- von allein auf der Insel Gotiand etwa 48 000), aus dem ostslawi- schen Raum (Russland, Baltikum) mit ca. 42 000 und aus dem wes- tslawischen Raum (Polen, Polabien) mit ca. 94 000 Münzen; vgl. da- zu Kluge, Bernd: Deutsche Münzgeschichte von der späten Karolin- gerzeit bis zum Ende der Salier (ca. 900 bis 1125). Sigmaringen, 1991. (Publikationen zur Ausstellung «Die Salier und ihr Reich»; Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Monographien. 29), S. 9. 37) Bereits Hätz (1979), S. 185 f. relativiert die Vorstellung von der reinen Exportprägung, hält aber am Begriff «Fernhandelsdenar» fest. Vgl. die Zusammenstellung der Funde von Zürcher Pfennigen (Halbbrakteaten) bei Geiger (1984), S. 68-74, wo im 11. und 12. Jahrhundert 21 Inlandfunden nur noch 13 Auslandfunde gegenüber- stehen. 38) Nau, Elisabeth; Wielandt, Friedrich: Umlaufgebiete der regiona- len Pfennige (ca. 1150-1330). In: Historischer Atlas von Baden- Württemberg. Erläuterungen: Beiwort zur Karte XI, 1. Stuttgart, 1976, S. 1-10. 39) Die Entwicklung vom Halbbrakteaten zum Brakteaten ist bisher nur für Konstanz deutlich herausgearbeitet worden, obschon sie in Zürich und Basel gleichermassen festzustellen ist; vgl. Klein, Ulrich: Die Konstanzer Münzprägung vom Ende des 9. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts. In: Freiburger Diözesan-Archiv 109 (1989), S. 213- 266, bes. Tafel 15 und 16. 40) Die beiden Begriffe «Halbbrakteat» und «Brakteat» sind gelehr- te Neuschöpfungen des 17. Jahrhunderts, keine zeitgenössischen Münznamen; dazu Kluge, Bernd: Probleme der Brakteatenforschung. In: Forschungen und Berichte 19 (1979), S. 127-138. 41) Zum Beispiel der Basler Münzkreis mit den Nebenmünzstätten Breisach, Colmar, Laufenburg, Rappoltstein, Tiengen (und Solo- thurn?); Nau/Wielandt (wie Anm. 38), S. 5. 42) Ein gutes Beispiel ist Zofingen, das im Zürcher Währungsgebiet lag und dessen Münze deshalb Zürcher Gepräge imitierte; dazu Ammann, Hektor: Die Zofinger Münze. In: Festschrift Eugen Tatari- noff. Solothurn. 1938, S. 92-109, bes. S. 99 (Karte: Verbreitung der Zofinger Münze im 14. Jahrhundert). 43) Klein (1983), S. 43. Vgl. die Zusammenstellung von Klein. Ulrich: Münzstätten der Stauferzeit (etwa 1140-1270) in Deutschland und Italien. In: SNR 56 (1977), S. 171-278. 44) Klein (1983), S. 44. 45) Die Grenze zwischen Zürcher und Konstanzer Pfennig verlief am Walensee auf der Höhe von Quarten; vgl. etwa Urkundenbuch der südlichen Teile des Kantons St. Gallen, Bearb. Franz Perret, Bd. 2. Rorschach, 1982, S. 555 und 559 Nr. 1427 (Quarten/Unter- terzen, ca. 1300) und S. 130 Nr. 945 sowie S. 132 Nr. 946 (Flums, 1303). 209
        

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