und seit der Mitte des 7. Jahrhunderts nur noch Sil- bermünzen (Denar) geschlagen wurden.30 Das Alpenrheintal lag allerdings zu weit von den mero- wingischen Kerngebieten entfernt, um an dieser Entwicklung noch teilzuhaben.31 Erst den Karolingern als Nachfolgern der merowin- gischen Herrscher gelang es im Verlaufe des 8. Jahrhunderts, die Münzprägung wieder an die zentrale Gewalt zu ziehen. In mehreren Schritten reformierten sie das Gewichts- sowie das Münz- und Masssystem; am Ende der Münzreformen stand um 793/94 der karolingische Denar (Pfen- nig), der mit gleichem Feingehalt, gleichem Ge- wicht und gleichem Münzbild in einigen wenigen königlichen Prägestätten ausgegeben wurde.32 Der neue Denar bildete auch die Grundeinheit des ka- rolingischen Münzsystems, das zur Grundlage der mittelalterlichen Währungen im Abendland wer- den sollte. Ansätze einer mit Geld arbeitenden Wirtschaft werden nun sichtbar.33 Die von Karl dem Grossen vollendete Vereinheit- lichung des Münzwesens begann sich jedoch be- reits nach seinem Tod 814 im Zuge der verschiede- nen Reichsteilungen wieder allmählich aufzulösen. Hinzu kam eine grosszügige Förderung der Bistü- mer und grossen Reichsklöster durch die ottoni- schen und salischen Kaiser im 10. und 11. Jahr- hundert, die sich auch in Münzrechtsverleihungen ausdrückte. Eine Reihe neuer Prägestätten ent- stand,34 und die Münzprägung entzog sich mehr und mehr dem Einfluss des Königs. DIE PERIODE DES SOG. FERNHANDELSDENARS: 10. BIS MITTE 12. JAHRHUNDERT In der deutschen Münz- und Geldgeschichte des Mittelalters unterscheidet man seit einigen Jahr- zehnten drei grosse Epochen, die mit inzwischen allgemein verwendeten Bezeichnungen versehen werden: die Periode des sogenannten Fernhandels- denars (10. bis Anfang 12. Jh.), die Periode des Re- gionalen Pfennigs (Mitte 12. bis Anfang 14. Jh.) und - mehr auf den mittel- und norddeutschen Raum bezogen - die Periode des Groschens (14./15. Jh.).35 
Für das süddeutsch-nordschweizerische Gebiet gelten diese Bezeichnungen nur mit Einschränkun- gen: Von einer «Groschenzeit» etwa kann nicht ge- sprochen werden, denn Groschen wurden hier kei- ne geprägt und Plapparte bzw. Schillinge einheimi- scher Münzstätten, die ungefähr als Halbgroschen galten, kamen erst in der Zeit um und nach 1400 auf. Die Periode des sogenannten Fernhandelsdenars leitet ihren Namen von der Tatsache ab, dass Mün- zen des 10. und 11. Jahrhunderts weniger in ein- heimischen Funden (Inlandfunden) vorkommen, dafür aber in riesigen Mengen in den wikingerzeit- lichen Schatzfunden Südskandinaviens und der Ostsee bzw. des Baltikums.36 In den letzten Jahren aber treten, vor allem bei Grabungen in Kirchen und auf Burgen, immer häu- figer Pfennige des 11. und 12. Jahrhunderts auf, die andeuten, dass der inländische Geldumlauf vor al- lem gegen Ende der Periode des Fernhandelsde- nars wohl bedeutender war, als es bislang schien. Sie differenzieren ein allzu einseitiges Bild von praktisch nur für den Fernhandel geprägten Mün- zen.37 Gleichzeitig sind sie Ausdruck einer ver- stärkten Regionalisierung des Geldumlaufs, die schliesslich zur Herausbildung von eigentlichen Währungsgebieten führte.38 DER REGIONALE PFENNIG: MITTE 12. BIS ANFANG 14. JAHRHUNDERT Der Übergang vom sog. Fernhandelsdenar zum regional zirkulierenden Pfennig ist zunächst vor allem münztechnisch fassbar. Der im 9. und 10. Jahrhundert zweiseitig und im Gewicht von ca. 1,7 bis 1,0 g geschlagene Denar (Pfennig) wurde immer dünner und leichter. Am Ende dieser Ent- wicklung stand der sehr dünne und blechartige, aber noch zweiseitige Pfennig (Dünnpfennig oder Halbbrakteat) des 11. und 12. Jahrhunderts, der noch 0,6 bis 0,4 g wog. Um 1160 ging man dann im süddeutsch-nordschweizerischen Gebiet zur ein- seitigen Prägung über: dem sogenannten Braktea- ten.39 208
        

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