gründet wurde, wurden Dr. Rudolf Schädler und Dr. Wilhelm Beck als erste Liechtensteiner in den Verwaltungsrat berufen.188 Rudolf Schädler gehörte auch dem ersten Aufsichtsrat an.189 DER ERSTE LIECHTENSTEINISCHE KATHOLIKENTAG Dr. Rudolf Schädler stand im 76. Lebensjahr, als ihm noch eine besondere Ehre zuteil wurde. Er wurde zum Präsidenten des ersten liechtensteini- schen Katholikentages, der am 8. September 1921 in Schaan abgehalten wurde, berufen. Etwa 2000 Personen nahmen an dieser Veranstaltung unter freiem Himmel teil.190 Die Aufgabe Rudolf Schäd- lers erforderte Geschick und Autorität zugleich. Es war eine politisch gespannte Zeit in Liechtenstein. Nach hartem Ringen war am 24. August, also nur 2 Wochen zuvor, die neue Verfassung im Landtag einstimmig verabschiedet worden. Sie sollte am 9. Oktober in Kraft treten. Es hatte mancher Aus- einandersetzung bedurft, bis dieser Konsens er- reicht war. Die Gemüter hatten sich noch nicht ganz beruhigt und man fürchtete, es könnte das eine oder andere Votum den politischen Streit wie- der von neuem entfachen. Einer solchen Entwick- lung wollte Rudolf Schädler von vorneherein entge- genwirken, indem er in seiner Eröffnungsrede das Thema direkt ansprach: «Man wolle nicht etwa, wie vielfach befürchtet wurde, unsere innenpoliti- schen Verhältnisse besprechen. Ziel der Tagung sei Friede und Eintracht. Er spreche daher im Sinne des vorbereitenden Ausschusses, wenn er erkläre, dass er verhüten werde, dass hier politisiert werde, und er wende sich in diesem Sinne an die einzel- nen Redner...»191 Es schien dann auch alles fried- lich zu verlaufen, doch hatte der Präsident Dr. Ru- dolf Schädler die Rechnung ohne den Bischof ge- macht. In seiner ausführlichen Ansprache, die den Höhepunkt der Tagung bilden sollte, wandte sich Bischof Georgius von Grüneck ohne Umschweife der neuen liechtensteinischen Verfassung zu: «Ist es nicht Mangel an Takt und schuldiger Rücksicht, wenn man in einem katholischen Lande sich ent-scheidet, 
einseitig die kirchenrechtlichen Artikel zu entwerfen, ohne die zuständige bischöfliche Be- hörde zu begrüssen?»192 Das sei unkatholisch: «Wer dieser Anschauung huldige, sei von den Irr- lehren des Liberalismus oder Idealismus angekrän- kelt ... »193 Besonders anstössig war für den Bischof der Art. 16 der neuen Verfassung, der das gesamte Erziehungs- und Unterrichtswesen unter staatliche Aufsicht stellt. Dazu der Bischof in seiner Rede: «Die oberste Leitung des Erziehungswesens kann nach katholischer Lehre niemals dem Staate zuge- sprochen werden, weil Christus zu den Aposteln seiner Kirche das entscheidende Wort gesprochen hat, nicht zum Staat... »194 Diese bischöflichen Äusserungen waren nun ge- rade das Gegenteil von dem, was Dr. Rudolf Schäd- ler in seinen Eingangsworten von den Rednern ge- fordert hatte, und er zog daraus auch die Konse- quenz, indem er sich noch während der Ansprache des Bischofs ostentativ von seinem Ehrenplatz er- hob und unter den Augen der 2000 Teilnehmer den Versammlungsplatz verliess.195 VEREINSWESEN Nach seinem Ausscheiden aus der Landespolitik im Jahre 1878 suchte Dr. Rudolf Schädler nach ande- ren Möglichkeiten, seine Fähigkeiten nutzbringend in den Dienst seiner Heimat zu stellen. Er sah, dass auf kulturellem und gesellschaftlichem Felde noch manches brach lag, dass aber besonders eine He- bung und Modernisierung der Landwirtschaft von- nöten war. Schliesslich war auch das Fremdenver- kehrswesen weit im Rückstand geblieben. In allen diesen Bereichen war durch gründliche organisato- rische Arbeit eine Verbesserung zu erzielen. Dr. Schädler glaubte, die Verwirklichung seiner weitgesteckten Vorhaben am ehesten über neue Vereinsgründungen erreichen zu können. Durch persönliche Kontaktnahme und durch Aufklärung über die Zeitung gewann er viele Freunde für seine Anliegen. Eine Übersicht zeigt, in welchen Vereini- gungen Rudolf Schädler einen bestimmenden Ein- fluss ausübte: 196
        

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