Die Vieh-, Pferde- und Schweinezucht-Ausstellung fand am 15. Oktober statt und wurde im Rahmen eines grossen Prämienmarktes abgewickelt. Das «Liechtensteiner Volksblatt» schrieb dazu: «Die ge- stern festlich abgehaltene Viehausstellung war mit vieler schöner Ware bestellt. Es war ein Genuss für Kenner, all die schönen Stücke zu sehen und den Fortschritt, der in der Verbesserung der Viehzucht in den letzten Jahren geschehen, konstatieren zu können.»127 Die Preisübergabe erfolgte unter Vor- führung der prämierten Tiere ihrer Reihenfolge nach. Ein vom Fürsten gespendeter Preis von 100 Kronen war als erster Preis für eine Zuchtfamilie bestimmt worden. Als Anerkennung wurden Di- plome (höchste Auszeichnung), Medaillen (zweit- höchste Auszeichnung) und schliesslich Geldpreise in allen Sparten verabfolgt. Die Preisrichter für Vieh und Pferde wurden von der Regierung be- stellt, während die Preisgerichte für die übrigen Ausstellungsgruppen vom Ausschuss des «Land- wirthschaftlichen Vereins» gewählt wurden. Die Schau der landwirtschaftlichen Produkte ura- fasste in bunter Folge Acker- und Gartenfrüchte, Erzeugnisse des Obstbaus, Erzeugnisse des Wein- baus, Geräte und Maschinen für die Milchwirt- schaft und schliesslich alles, was man für die Bie- nenzucht und die Honiggewinnung braucht. Die gewerblichen Produkte waren in jene des Grossgewerbes (Spinnerei, Weberei, Stickerei etc.) und jene des Kleingewerbes (Handwerk) unterteilt. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit wurde einer Milchzentrifuge zuteil; sie war als erste ihrer Art von der Vaduzer Sennereigenossenschaft ange- kauft worden. Die Landesausstellung 1895 war ein voller Erfolg. Über 10 000 Besucher wurden von der Eröffnung bis zur Schliessung ihrer Tore gezählt, ein Men- schenstrom, wie ihn Vaduz noch nie gesehen hatte. An den Sonntagen entwickelten sich in den Fest- hallen eigentliche Volksfeste, zu deren Hochstim- mung verschiedene Harmoniemusiken und Orche- ster noch wesentlich beitrugen. Auch der finanzielle Abschluss konnte sich sehen lassen, waren doch die Ausgaben durch einen Bei-trag 
des Landtages von 3000 fl, durch die Eintritte und durch eine Lotterie mit 5000 Losen bis auf ei- nen Restbetrag von 350 fl gedeckt.128 Die Landesausstellung 1895 war aber auch für Dr. Rudolf Schädler ein grosser persönlicher Erfolg. Seine organisatorische Leistung und sein uneigen- nütziger Einsatz wurden von allen Seiten aner- kannt. Von einem der vielen Redner wurde er als «die Seele des Zustandekommens unserer Ausstel- lung» bezeichnet.129 GESELLSCHAFT UND KULTUR Über das gesellschaftliche und kulturelle Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Liechten- stein ist uns nicht allzuviel überliefert. Den Grund dafür bildet wohl das weitgehende Fehlen überlie- fernswerter Ereignisse aus jener Zeit und der Um- stand, dass es keine Zeitung gab. Immerhin erfährt man aus der Biographie Josef Rheinbergers vom Auftreten einer Feldkircher Kammermusikgruppe, welche im Jahre 1848 in Vaduz gastierte und Streichquartette von Mozart spielte.130 Wir erfahren aber auch von dem Konzert eines falschen Franz Liszt, auf welchen die Vaduzer etwa zur selben Zeit hereingefallen waren.131 Eine feste Institution im gesellschaftlichen Leben war der Stammtisch, an dem sich regelmässig Männer aus sozial vergleichbaren Kreisen zum Meinungsaustausch über alle das politische, gesell- schaftliche und kulturelle Leben betreffenden Fra- gen trafen.132 Ab 12. April 1863 schalteten sich die «Liechtenstei- nische Landeszeitung», später dann die «Liechten- steinische Wochenzeitung» und das «Liechtenstei- ner Volksblatt» als wichtige Mittler und Bericht- erstatter des Vereinslebens und der kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen ein. Ein echtes Vereinsleben hatte in der Zeit des Abso- lutismus bis 1848 nicht aufkommen können. Nach 1848/49 gab es dann aber eine spürbare Wandlung der Atmosphäre im Volke. Die Menschen hatten durch den Erlass der provisorischen Verfassung durch Fürst Alois IL vom 7. März 1849133 Hoffnung 184
        

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