DR. MED. RUDOLF SCHÄDLER 1845 BIS 1930 RUDOLF RHEINBERGER rung einer Gewerbe- und Einkommenssteuer. Die Kapitalrentensteuer sollte erhöht werden. Eine steuerliche Entlastung der Gemeinden sollte damit ermöglicht werden.121 Es war sicher etwas Ungewöhnliches, dass der «Landwirtschaftliche Verein» so weittragende Veränderungen anstrebte. Aber das Recht, in der Landwirtschaftspolitik von der Basis her mitzube- stimmen, war legitim und wurde hier unzweideutig angemeldet. Was dann Landesverweser von In der Maur im Landtag nicht zu sagen wagte, sprach er in seinem Rechenschaftsbericht nach Wien vom Dezember 1890 aus. In der Maur schreibt in sei- nem Bericht wörtlich: «Ein in Liechtenstein seit 1886 (!)122 bestehender, vom Lande mit jährlichen 300 fl subventionierter landwirtschaftlicher Verein hat die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, indem er sich im letzten Jahre, um die Zeit der Landtagswahlen, statt mit landwirtschaftlichen Ge- genständen unliebsamer Weise mit Wahlagitatio- nen befasste, welche in die Form landwirtschaft- licher Fragen gekleidet waren und ihre Spitze ge- gen den früheren Landtag kehrten».123 Die durch Anregungen und Massnahmen des «Landwirth- schaftlichen Vereins» schon erreichten Erfolge in der Verbesserung der Viehzucht schreibt der Lan- desverweser in seinem Bericht allein sich selbst zu, mit einem kräftigen Seitenhieb auf Landestierarzt Christoph Wanger, welcher durch lange Jahre dem Ausschuss für Viehzucht als Obmann angehörte und später auf Grund seiner Verdienste um die Förderung der Viehveredelung zum Ehrenmitglied des «Landwirthschaftlichen Vereins» ernannt wur- de. In späteren Jahren änderte von In der Maur seine Haltung gegenüber dem «Landwirthschaft- lichen Verein» und anerkannte dessen Leistungen. Zuvorderst stand für Rudolf Schädler immer die Hebung und Förderung der Viehzucht, weil hoch- wertiges Vieh zu jeder Zeit zu guten Preisen abzu- setzen war. Daher auch die Gründung des liechten- steinischen Herdebuches, welches die Schaffung und Erhaltung eines rassenreinen Braunviehschla- ges zum Ziele hatte. Dagegen war für ihn die Ackerwirtschaft zwar ebenfalls förderungswürdig, 
rangierte aber deutlich nach der Viehzucht. Diese zu einseitige Ausrichtung machte sich dann im Er- sten Weltkrieg bemerkbar, als das Brot knapp wur- de. Dr. Schädler und der «Landwirthschaftliche Verein» mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, dem Getreideanbau zu wenig Beachtung geschenkt zu haben.124 Es wurde daher in den Kriegs- und Nachkriegsjahren der Anbau von Getreide, Mais und Kartoffeln vermehrt gefördert, doch liess die Rückkehr zur alten Priorität der Viehzucht nach dem Kriege nicht lange auf sich warten. Ein besonderes Augenmerk schenkte Rudolf Schädler innerhalb des «Landwirthschaftlichen Vereins» auch dem Weinbau. Schädler war selbst Weinbergbesitzer und kannte daher die Sorgen und Nöte der Winzer sehr genau. Eine der Sorgen war der Mangel an geschulten Arbeitskräften, der sich gegen das Ende des Jahrhunderts immer mehr bemerkbar machte. Um diesem Mangel abzuhel- fen, organisierte der «Landwirthschaftliche Ver- ein» über mehrere Jahre im ganzen Land Rebbau- kurse, zu deren Leitung Reallehrer Fidel Ospelt, selbst Winzer, gewonnen werden konnte. Diesen Kursen war ein voller Erfolg beschieden, konnten doch auf diese Weise im Verlaufe von 10 Jahren 132 jüngere Arbeitskräfte in der Weinbergarbeit ausgebildet werden.125 Aber auch der finanziellen Seite des Weinbaues musste Beachtung geschenkt werden. Dafür war 117) Hugo Gassner: Festschrift zur Hundertjahrfeier 1885-1985. Vaduz, 1985 und FamARh, Notizen, R Sch, 12. 118) Alois Ospelt: Wirtschaftsgeschichte des FL im 19. Jh. JBL, Bd. 72, S. 160/161. 119) S. Rheinberger: Dr. W. Schlegel. JBL, Bd. 91, S. 199 und LLA, Protokoll der Landtagssitzung vom 23. Juli 1890. 120) LVolksblatt, 16. Mai 1890. 121) ebd. 122) Die Gründung des Landwirtschaftlichen Vereins fand am 19. Juli 1885 statt. 123) Der Rechenschaftsbericht des Landesverwesers Carl von In der Maur über die Verwaltungsperiode 1884-1890. Hrsg. von Paul Vogt. JBL Bd. 88, S. 37-80. 124) LVolksblatt, 6. Febr. 1915 und LVolksblatt, 20. März 1915. 125) Bericht über die 25jährige Tätigkeit des liecht. landwirtsch. Vereins. LVolksblatt, 28. Juli 1911. 181
        

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