1806 das Verbot der Güterzerstückelung108. Die Aufteilung des Gemeindebodens folgte ab 1808 un- ter Landvogt Josef Schuppler. Damit war der Grund für eine Weiterentwicklung der Landwirtschaft ge- legt. Wichtige Impulse zur Hebung der Viehzucht gaben danach die Gesetze der Jahre 1845 und 1865, die vor allem auf die Viehveredlung gerichtet waren, und es waren dabei durchaus schon Erfolge erzielt worden. Doch es fehlte eine Organisation, welche den Bauern mit klaren Richtlinien an die Hand ging, sie anleitete und praktisch unterstützte. Zu diesem Zwecke wurde im Februar 1862 ein «Landwirtschaftlicher Verein»109 gegründet, der aber über die Organisierung einer landwirtschaft- lichen Ausstellung nicht hinauskam. Zwar fehlte es nicht an Begeisterung der 133 im Gründungsjahr beigetretenen Mitglieder, sogar Regierungschef von Hausen wurde von dieser Begeisterung erfasst und ging mit dem guten Beispiel voran. «Herr Landes- verweser von Hausen machte den Versuch mit ei- ner kleinen Seidenraupenzucht von 300 Stück. Die- selben wurden mit inländischem Laube von Herrn Landesverweser eigenhändig gepflegt... »110 Aber man wollte zuviel und alles auf einmal. Schon der (Shtlrt&mtß* 2)ie uon ber I. ©eneiafoerfammhmg be§ (iedj-- tenfteimfdjen (aitbroirtr)(d)QftIid)cn S3crein§ in beu §(it§fd)iij3 gewnijlteii ÜUcitgjieber werben auf ©amftag ben 25. Sutt, SlbeubS 5 Ulvr, in baS ©a[U)au$ jum „ÜSierfcfler" in ©djoan jjn einet 3l|railI|Ileit= fünft befjuf§ 33ornal)mc ber bem S(u§[cf)uf|"c }ufbm* menben SBodjfen eunjelaben unb erjndjt, ntögtidjft boffcäfjUg p crfcfjeincn. SBabuj, ben 22. Suti 1BS5. $cr 58crciHßborftm.b. Einladung an die Aus- schussmitglieder des «Landwirthschaftlichen Vereins» zur Wahlver- sammlung. Anzeige im Liechtensteiner Volksblatt 
Umstand, dass Landesverweser von Hausen zum Vereinspräsidenten gewählt wurde, war wohl ein Fehler, da dieser unmöglich die erforderliche Zeit für das ihm übertragene Amt aufbringen konnte. Dass man den landwirtschaftlichen Sektionen auch noch Abteilungen für das Gewerbe und die Indu- strie zugesellte, war einfach zuviel. Eine im Früh- jahr 1862 auf den Herbst beschlossene grosse «Landwirtschafts-, Gewerbe- und Industrieausstel- lung» musste auf das Jahr 1863 verschoben wer- den, da die Zeit für die Vorbereitung nicht aus- reichte. Immerhin war die gut besuchte und gut be- stückte Ausstellung dann ein voller Erfolg. Im März 1864 legte von Hausen die Präsidentschaft über den landwirtschaftlichen Verein nieder111 - von da an hört man nichts mehr über den Verein. Rudolf Schädler schreibt dazu: «Der Todeskeim lag in zu grosser Vielseitigkeit. Man wollte auf ein- mal alles erreichen und schnell glänzende Resul- tate aufweisen; man liess sich auf tausend Kleinig- keiten ein und kam auf ebensoviele Hindernisse, welche schliesslich die Vereinslähmung herbei- führten ... »112 In dem eben erwähnten Artikel im «Liechtenstei- ner Volksblatt» vom 8. Mai 1885 lancierte Dr. Ru- dolf Schädler den Gedanken der «Wiedergründung eines landwirthschaftlichen Vereins in Liechten- stein». Schon in der nächsten Nummer des «Liech- tensteiner Volksblatt» vom 15. Mai wartete Schäd- ler mit einer Skizze der Organisation des zu grün- denden Vereins auf. Die Idee hatte er gründlich durchdacht. Nachdem er sich im Jahre 1878 gänz- lich von der Politik abgewandt hatte, sah er es als eine Verpflichtung an, dem Lande in anderer Weise seine Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Er sah, dass die liechtensteinische Landwirtschaft in eine Stagnation geraten war und dass ihre Konkurrenz- fähigkeit langsam aber sicher schwand. Durch die Eröffnung der Arlbergbahn im Jahre 1884 hatten sich auf dem landwirtschaftlichen Markt grosse Veränderungen angebahnt. Billige landwirtschaft- liche Produkte und wohlfeiles Vieh, das meist auch noch minderwertig war, wurden aus dem Inneren Österreichs und aus Osteuropa importiert und drückten die Preise.113 Dem konnte nur mit einer 178
        

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