DR. MED. RUDOLF SCHÄDLER 1845 BIS 1930 RUDOLF RHEINBERGER Türkenmus machen, liess es gut auskühlen und «pflasterte» dann seinen Magen damit aus. Und die Blutung stand! Das hatte er sicher nicht auf der Universität gelernt. Rudolf Schädler war sehr musikliebend. Er sang mit seiner tiefen Bassstimme gerne Studenten- und Volkslieder und begleitete sich dabei mit der Gi- tarre. Später, als die Kinder heranwuchsen, wurde im Hause Schädler viel Musik betrieben, besonders Klavierspiel und Gesang. Im Jahre 1876 verlobte sich Dr. Rudolf Schädler mit der erst 17jährigen Maria Marxer. Es muss in Vaduz eine kleine Sensation gewesen sein. David Rheinberger berichtet darüber nach München: «Noch etwas vom Klatsch. Dr. Rudolf Schädler ist mit der 17jährigen Marie Marxer, Tochter des Alt- lehrers, Altbürgermeisters und Landrats Marxer verlobt. Marxer ist darüber so beglückt, dass er das Maul vor Lachen nicht mehr zubringt. Jetzt hat der Herr erst mit 50 Jahren geheirathet und kann noch Grosspapa werden. Viele Neider und Neiderinnen hat diese Marie gefunden. Sie sollen aber erst künf- tiges Jahr heirathen.»101 Die beiden Brautleute brauchten eine Ehedispens wegen Verwandtschaft, da die Grossmutter der Braut eine Schwester des Grossvaters Dr. Rudolf Schädlers gewesen war. Marie war eine tüchtige Frau. Sie hatte ihre 5 Kin- der, die vier Töchter Emma, Adele, Marie und Ger- trud102 sowie den Sohn Rudolf fest im Zügel, an Autorität fehlte es ihr nicht. Der Haushalt war mustergültig geführt. Ihr ganzer Stolz aber war der Garten. Dies zu einer Zeit, als bei uns noch kaum Gemüse gepflanzt wurde. Viele der heutigen Gemüsearten kannte man noch gar nicht! Da entwickelte sich unter den Frauen der «Gesellschaft» so eine Art edler Wettstreit; jede wollte den schöneren Gemüsegarten haben und jede wollte als erste wieder ein neues Gemüse prä- sentieren können. Die Frau Landrichter, die Frau Verwalter und die Frau Doktor eiferten um die Wet- te, wer die ersten und die schönsten Setzlinge hatte. Da war es z.B. wichtig zu berichten: «Frau Dr. Schädler soll schon grosse Setzlinge im Zimmer gezogen haben...»103 Neues wurde ausprobiert, 
man pflanzte sogar die in Vaduz bisher unbekann- ten Tomaten und es wurden Spargelbeete angelegt. Frau Schädler war auch in ihrem höheren Alter noch oft im Garten anzutreffen. Nach dem Tode Ing. Karl Schädlers beteiligte sie sich auch an der Aufsicht über den Hotelbetrieb auf Gaflei. Maria Schädler starb 1945 im Alter von 86 Jahren. DER «LANDWIRTSCHAFTLICHE VEREIN» «Wenn der Schöpfer erst voriges Jahr sein Schöp- fungswerk vollendet und die ersten Menschen zur Cultur des Bodens angesetzt hätte, so könnte man nicht weiter zurückseyn.»104 So beurteilte der fürst- liche Hofrat Georg Hauer aus Wien im Jahre 1808 die liechtensteinische Landwirtschaft. Hauer sah die Liechtensteiner noch als Hirtenvolk. Die Einstu- fung der hiesigen Verhältnisse durch Hauer er- folgte bewusst um einige Grade niedriger als es der Wirklichkeit entsprach, um damit dann seine weit- reichenden Reformvorschläge rechtfertigen zu kön- nen. Liechtenstein war ein reines Bauernland. Ge- gen 90% der Hausnummern umfassten landwirt- schaftliche Betriebe.105 Wichtige Reformschritte waren allerdings schon unter dem von Hauer so geschmähten Landvogt Franz Xaver Menzinger ge- tan worden: 1790 die Einführung des Kartoffelan- baues,106 1805 die allgemeine Schulpflicht107 und 99) LVolksblatt, 28. Dez. 1888. 100) Im Jahre 1869 war das Fahrrad mit Hinterradantrieb erfunden worden. 101) RhAV, David Rheinberger an Fanny. Brief vom 26. Okt. 1876. 102) Von den Töchtern waren später verheiratet: Emma mit Haupt- lehrer Nikolaus Röder in Nürnberg, Adele mit Ing. Julius Bertolini in Dornbirn, Marie mit Egon Rheinberger auf Gutenberg und Gertrud mit Regierungsbaurat Fritz Riedl in Innsbruck. 103) RhAV, Hermine Rheinberger an ihre Schwester Olga. Frühjahr 1893. 104) Paul Vogt (Hrsg.): Lokalisierungsbericht von Hofrat Georg Hauer aus dem Jahre 1808. JBL, Bd. 83, S. 71-149. 105) Alois Ospelt: Wirtschaftsgesch. d. FL. JBL, Bd. 72, S. 83. 106) ebd., S. 165. 107) Graham Martin: Das Bildungswesen des FL. S. 39. 177
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.