DR. MED. RUDOLF SCHÄDLER 1845 BIS 1930 RUDOLF RHEINBERGER Trotzdem musste sich Schädler gegen persönliche Angriffe und Verleumdungen zur Wehr setzen, wel- che Martin Josef Öhri, der Anführer der Demon- stration vom 13. Januar gegen ihn in der «Feldkir- cher Zeitung» erhoben hatte.81 Öhri hatte Rudolf Schädler die Worte in den Mund gelegt: «das Volk gilt nichts»; doch bestätigten als Zeugen die Abge- ordneten Dr. Schlegel, Wendelin Erni, Christoph Wanger und Peter Rheinberger, dass Dr. Rudolf Schädler den Abgeordneten Michael Kaiser nur aufgeklärt habe, dass «eine Abstimmung über das neue Münzgesetz durch das Volk nach unserer Ver- fassung unzulässig» sei.82 Einen breiten Raum nimmt in der «Liechtensteiner Wochenzeitung» der Vorwahlzeit eine Artikelserie Dr. Albert Schädlers, des jüngeren Bruders Ru- dolfs, mit der Überschrift «Streiflichter» ein. Albert Schädler war in seiner Meinungsäusserung völlig frei, da er in keiner offiziellen Funktion am Zustan- dekommen des Münzgesetzes beteiligt gewesen war. Seine Erörterungen, die in 6 Folgen in der «Liechtensteiner Wochenzeitung» erschienen, be- fassen sich mit politischen und volkswirtschaft- lichen Aspekten des Geldes und der Währung im allgemeinen, wie auch deren Anwendung auf die Verhältnisse in Liechtenstein im besonderen. Al- bert Schädler ist ein absoluter Verfechter einer «Münzregelung» im Sinne eines Wechsels vom Sil- ber zum Gold. Er bezeichnet aber die zu rasche Be- schlussfassung über das Münzgesetz im Landtag vom 23. Dezember 1876 als einen politischen Feh- ler. Ferner hält er die Fristen für das Inkrafttreten der Währungsumstellung und für die Rückzahlung von Darlehen mit alter Münze für zu kurz. Er plä- diert dafür, dass der kommende Landtag die Bera- tungen über ein neues Münzgesetz wieder auf- nehme, dass jedoch die Härten, die das sistierte Gesetz kennzeichneten, darin ausgemerzt werden sollten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt schloss sich auch der Bruder Rudolf dieser moderateren Meinung an. Dies bedeutete aber für Dr. Wilhelm Schlegel und seine engeren Anhänger einen Verrat an der von ihnen verfochtenen Sache. In einem Brief vom 24. April 1877,83 also etwa eine Woche vor den 
Landtagswahlen, werden Dr. Rudolf und Dr. Albert Schädler daher als «Fahnenflüchtige» bezeichnet. Übrigens ist es nicht verwunderlich, dass auch Landesverweser von Hausen dem gemässigten Kurs der Brüder Schädler den Vorzug gab. Daher war auch von Hausens Ansehen im Oberland auf einen Tiefpunkt gesunken: «Das einzig Bedauer- liche an der Sache ist die Schwäche, welche Hr. v. Hausen den gegen Gesetz und Ordnung sich auf- lehnenden Unterländern zeigt»84 und: «Landesver- weser spielt eine zweideutige, traurige Rolle und macht sich immer missliebiger - sein Ansehen hat sehr gelitten, er kann sich kaum mehr halten. Wir wünschen ihm alle ein baldiges Fortkommen von hier - eher wirds nicht besser».85 Es kamen die Wahlen vom 30. April, durch die der Landtag neu bestellt werden sollte. Dafür hatten sich die Oberländer Wahlmänner etwas Besonde- res einfallen lassen. Es war bei ihnen die Parole ausgegeben worden, im ersten Wahlgang «haupt- sächlich auf Oberländer zu halten»,85a um sich gleich schon eine satte Mehrheit zu sichern. Die Pa- role wurde überraschend einmütig befolgt, sodass aus dem ersten Wahlgang 8 Oberländer Abgeord- nete hervorgingen.86 Die Überraschung bei den Wahlmännern des Un- terlandes war vollkommen. Was sollten sie davon 75) LLA, Landtagsakten. Protokoll d. Sitzung vom 20. Dez. 1876. 76) Nach einem Bericht von Hausens nach Wien waren es sogar gegen 600 Manifestanten. Siehe auch Paul Vogt: Brücken zur Ver- gangenheit. S. 188. 77) Liechtensteinische Wochenzeitung vom 9. Febr. 1877. 78) Liecht. Wochenzeitung vom 26. Jan. 1877. 79) Liecht. Wochenzeitung vom 19. Jan. 1877. 80) ebd. 81) Liecht. Wochenzeitung vom 9. Febr. und vom 16. Febr. 1877. 82) ebd. 83) FamARh, David Rheinberger an Schwägerin Fanny. Brief vom 24. April 1977. 84) RhAV, Peter Rheinberger an Fanny. Brief vom 7. Febr. 1877. 85) RhAV, Peter Rheinberger an Fanny. Brief vom 13. Mai 1877. 85a) Liecht. Wochenzeitung vom 4. Mai 1877. 86) Paul Vogt: 125 Jahre Landtag. S. 191. 171
        

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