DR. MED. RUDOLF SCHÄDLER 1845 BIS 1930 RUDOLF RHEINBERGER im Unterland, erhielten ihren Zins in zum Teil ab- gewerteten Silbergulden und die Beamten- und Lehrergehälter hatten ihre Kaufkraft gegenüber früher in demselben Masse eingebüsst. Dies wirkte sich im Oberland, das einen lebhaften Handelsver- kehr mit der Schweiz hatte, viel deutlicher aus als im Unterland, denn der Schweizer Franken hatte infolge der Golddeckung keinen Kursverlust erlit- ten. Die Unterländer setzten ihre Naturalprodukte hauptsächlich auf dem Markt in Feldkirch ab, er- hielten dafür Silber- bzw. Papiergulden, mit denen sie ohne sichtbaren Verlust dort wiederum ihren Bedarf einkaufen konnten. Sie sollten aber ihre Schulden in Goldwährung bezahlen. Seit den Jahren 1874/75 drehten sich die Debatten im Landtag immer wieder um die Regulierung des Münzwesens durch die Einführung der Goldwäh- rung. Als in der Landtagssitzung vom 19. Oktober 1875 eine entsprechende Absichtserklärung zur Abstimmung vorlag, wurden die Voten für und ge- gen die Goldwährung zum ersten Mal auch nach aussen deutlich. Das Abstimmungsverhältnis be- trug 8:4 Stimmen für eine die Goldwährung befür- wortende Adresse des Landtags an den Fürsten. Alle 4 Abgeordneten des Unterlandes stimmten da- gegen. Dr. Wilhelm Schlegel als Landtagspräsident machte sich zum Sachwalter der Goldbefürworter. In der Sitzung vom 10. Jan. 1876 hielt Schlegel eine Ansprache,72 in der er das Vorgehen der Unterlän- der scharf verurteilte. Diese hatten sich in einer Versammlung der Gemeindevorsteher für eine Peti- tion an den Fürsten gegen den Majoritätsbeschluss des Landtages vom 19. Oktober 1875 ausgespro- chen. In der gleichen Sitzung vom 10. Januar 1876 wandte sich auch Dr. Rudolf Schädler gegen das Verhalten der Unterländer Vorsteher und Abgeord- neten.73 Im Auftrag von 10 Oberländer Abgeordne- ten stellte Rudolf Schädler 3 Fragen an den Regie- rungsvertreter, deren Hauptziel es war, dem Land- rat Franz Josef Kind74 durch den Landtag das Miss- trauen auszusprechen und so seinen Rücktritt aus der Regierung herbeizuführen. Doch Landesverwe- ser von Hausen blockte diese Entwicklung ab, in- dem er sogleich bekanntgab, dass er den fürst- lichen Auftrag habe, mit dieser Sitzung den Land-tag 
zu schliessen und jetzt nicht in der Lage sei, alle Fragen der Interpellation Dr. Schädlers zu beant- worten. Damit wendete von Hausen für den Augen- blick eine weitere Verschärfung der Lage ab. Land- rat Kind hatte an der Versammlung der Gemeinde- vorsteher des Unterlandes auf Rofenberg teilge- nommen, an welcher die schon erwähnte Petition an den Fürsten gegen den Majoritätsbeschluss des Landtages vom 19. Oktober 1875 beschlossen wor- den war. Die nächste Session des Landtags wurde erst am 15. Dezember 1876 eröffnet. Die Verzögerung war eingetreten, weil sich die Zollvertragsverhandlun- gen wider Erwarten lange hingezogen hatten. In der zweiten Sitzung am 20. Dezember 1876 hatten die Unterländer Gemeinden nochmals ohne Erfolg die Beibehaltung des alten Münzgesetzes gefordert. Welche gespannte Stimmung dabei im Landtag herrschte, zeigt eine kleine Episode aus dieser Sit- zung. Nachdem der Gemeinde Vaduz auf Ansuchen ein Betrag von 200 fl aus dem Armenfonds mit den Stimmen der Oberländer Abgeordneten bewilligt worden war, bemerkte der Abgeordnete Michael Kaiser aus Mauren, «man sehe dass die Vaduzer eben näher bei der Regierung seien als die Mau- rer». Diese an sich harmlose Bemerkung trug Kai- ser auf Antrag des Landesverwesers einen Ord- 64) Landtagssitzung vom 27. Juli 1874. 65) Siehe auch: Liechtensteiner Ärzte des 19. Jh. JBL, Bd. 91. S. 186-191. 66) LLA, Landtagsakten, Protokoll vom 16. Nov. 1872. 67) LLA, Landtagsakten 1873. Siehe auch Albert Schädler: Landtag. JBL, Bd. 3, S. 10/11. 68) LLA, Landtagsakten, Protokoll vom 22. Dez. 1874. 69) LLA, Landtagsakten. Protokoll vom 16. Juli 1881. 70) LLA, Landtagsakten, Protokoll vom 19. Okt. 1875 und Liecht. Wochenzeitung vom 5. Nov. 1875. 71) S. Liechtensteiner Ärzte. JBL, Bd. 91, S. 193-197. 72) S. Liechtensteiner Ärzte. JBL, Bd. 91, S. 194. 73) LLA, Protokoll der Landtagssitzung vom 10. Januar 1876. 74) Franz Josef Kind (1821-1890) aus Gamprin war Vorsteher, Landtagsabgeordneter und Landrat. 169
        

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