wurde die fürstliche Zustimmung versagt, was wohl schon hätte vorausgesehen werden können. Als dann das Sanitätsgesetz im Jahre 187464 erneut dem Landtag zur Beschlussfassung vorgelegt wur- de, passierte es diesen zusammen mit dem Impfge- setz mit 9:4 Stimmen, allerdings mit der wichtigen Einschränkung, dass für den Landesphysikus das früher vorgesehene Wartegeld von jährlich 500 fl aus dem Gesetz gestrichen war. Im Jahre 1872 wurde von der Spielbankgesell- schaft Baden-Baden ein Ansuchen um die Erteilung einer Konzession zur Errichtung und Betreibung einer Spielbank im Lande an die liechtensteinische Regierung gestellt. Die Ereignisse um diese Kon- zessionswerbung wurden von mir in der Biogra- phie Dr. Wilhelm Schlegels65 eingehend dargestellt. Dr. Rudolf Schädler unterstützte wie alle anderen Abgeordneten den Beschluss des Landtags zur Er- teilung einer Spielbankkonzession. Er wurde auch als Mitglied der Abordnung zum Fürsten vorge- schlagen, erreichte dabei aber nur die Unterstüt- zung von 6 Abgeordneten.66 Als Landesverweser von Hausen schon in der Ses- sion des Jahres 1873 die Bedingungen zur Erneue- rung des Ende 1875 auslaufenden Zollvertrages mit Österreich vom Landtag festlegen lassen wollte, sprach sich Rudolf Schädler für die Rückweisung des Kommissionsantrages an den Landesausschuss aus, da von der Kommission nicht alle Aspekte gründlich genug gewürdigt worden seien. Der von der Regierung sehr unterstützte Antrag der Geset- zeskommission wurde vom Landtag abgewiesen und der Gegenantrag Dr. Schädlers mit 9:4 Stim- men gutgeheissen.67 Dadurch war es dann bei den späteren Beratungen möglich, die 1873 beginnen- de Silberentwertung mit in die Erwägungen einzu- beziehen. Eine wichtige Anregung machte Rudolf Schädler in der letzten Landtagssitzung des Jahres 1874 mit dem Antrag auf Einführung des öffentlichen und mündlichen Strafverfahrens.68 Damit gab er den Anstoss zur Abschaffung des obsolet gewordenen geheimen und inquisitorischen Strafverfahrens. Diese Gesetzesänderung im Strafrecht wurde dann im Jahre 1881 vom Landtag vorgenommen.69 
Im Jahre 1874 hatte der Landtag die Regierung mit der Revision des Steuergesetzes beauftragt. In der Sitzung vom 19. Oktober 1875 legte Landesverwe- ser von Hausen einen diesbezüglichen Gesetzesent- wurf vor. Doch bereits in der vorberatenden Kom- mission waren die Meinungen darüber geteilt. Dr. Schädler war der Ansicht, die knappe Zeit er- laube es dem Landtag nicht, schon ein entschei- dendes Votum über die Vorlage abgeben zu kön- nen. Es seien vorgängig statistische Erhebungen notwendig, um die Wert- und Ertragsverhältnisse der Steuerobjekte gerecht einzuschätzen. Die Re- gierung sei zu beauftragen, eine Gesetzesvorlage über die «Einführung einer öffentlichen und ämt- lichen Statistik, welche sowohl auf die Bevölke- rungs- als Wirtschaftsverhältnisse des Landes Be- zug nimmt»,70 vorzubereiten. Von Hausen wehrte sich entschieden gegen diesen Antrag, den Dr. Schädler schliesslich, zugunsten eines Antra- ges, den Gesetzesentwurf nochmals der Finanz- kommission zur weiteren Vorberatung zu überwei- sen, zurückzog. Dieser Antrag wurde dann ohne weitere Debatte mit zwei Gegenstimmen angenom- men. Das neue Steuergesetz wurde erst im Jahre 1879 vom Landtag verabschiedet. DIE MÜNZWIRREN UND DEREN FOLGEN Rudolf Schädler spielte auch im sogenannten «Währungsstreit» eine wichtige Rolle. Dieser Streit hatte das Land in zwei sich bekämpfende Lager ge- spalten - die Befürworter der Silberwährung und jene der Goldwährung.71 Der von beiden Seiten hef- tig ausgefochtene Kampf führte schliesslich zur Auflösung des Landtages und zur Teilung des Lan- des in die beiden Wahlkreise Oberland und Unter- land. Die Oberländer Landtagsabgeordneten woll- ten die Goldwährung einführen und die Unterlän- der den Silbergulden beibehalten. Der Kampf wur- de erbittert und nicht immer fair geführt. Der Grund für den Streit um Silber oder Gold war eine schleichende Silberentwertung seit dem Jahre 1873, die ein Ausmass von 8-9% erreicht hatte. Die Gläubiger, deren es im Oberland mehr gab als 168
        

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