DR. MED. RUDOLF SCHÄDLER 1845 BIS 1930 RUDOLF RHEINBERGER Anhand des Journals lässt sich eine gewisse Ar- beitsteilung der beiden Doktoren Schädler feststel- len, die wohl auch nach ihren persönlichen Nei- gungen ausgerichtet war. So war die Geburtshilfe zur Hauptsache die Domäne Rudolf Schädlers, während Albert häufiger die chirurgischen Verrich- tungen ausführte. Der Auszug aus dem Liber Bapti- zorum von Triesenberg, den Engelbert Bucher er- stellt hat, zeigt, dass Dr. Rudolf Schädler im Zeit- raum zwischen 1872 und 1889 in Triesenberg im ganzen 8 Nottaufen gespendet hat, davon 4 «in ute- ro matris».45 Der Geburtshelfer war unter den ungünstigen äus- seren Bedingungen der Hausgeburt stets mit vielen schwierigen Situationen konfrontiert. Zangenge- burten, Querlagen mit Wendung, manuelle Placen- talösungen, Eklampsien und andere Geburtskom- plikationen waren recht häufig. Dagegen hielt sich das Kindbettfieber in Grenzen - ein Zeichen dafür, dass sich die modernen Hygienevorstellungen der Antisepsis und Asepsis durchzusetzen begannen. Rudolf Schädler besass auch die Tugend der Ge- duld, des Zuwartenkönnens, eine unerlässliche Vor- aussetzung für jede erfolgreiche geburtshilfliche Tätigkeit. Chirurgische Eingriffe wurden sowohl in der Praxis als auch beim Patienten zu Hause vorgenommen. So operierte Dr. Albert Schädler im Jahre 1884 eine eingeklemmte Hernie im Hause eines Patien- ten in Sevelen. Sein Bruder Rudolf machte die Chlo- roformnarkose.46 Amputationen und andere nicht notfallmässige Operationen wurden in der Praxis der beiden Brüder in Vaduz vorgenommen. In den späteren Jahren nach 1890 wurde zu grösseren Eingriffen der Chirurg Dr. Beck aus Feldkirch bei- gezogen. Der Verfasser hat selbst noch einen Pati- enten betreut, bei dem von Dr. Beck und Dr. Rudolf Schädler um 1900 wegen Knochentuberkulose eine Unterschenkelamputation vorgenommen worden war. Medikamente wurden aus der eigenen Hausapo- theke abgegeben, was aus dem Praxisjournal zu er- sehen ist.47 Die Grundsubstanzen zur Herstellung von Pulvern, Pillen, Tincturen und Mixturen wur- den von den Apotheken Wyss in Zug und Haus-mann 
in St. Gallen bezogen. Es seien hier willkür- lich einige der meistgebrauchten Heilmittel heraus- gegriffen: Bei allen Arten von Fieber verordnete man Chinin mit oder ohne Antipyrin, bei Gelenk- rheumatismus gab man schon Salicylate als Pulver, beim Kropf Jodkali als Mixtur, bei der häufigen Diagnose «Hysterie» Baldriantinctur. Auf offene Wunden streute man Jodoform-Pulver. Bei Erkäl- tungen mit Husten gebrauchte man das beliebte Dover'sehe Pulver, eine Mischung von Ipecacuanha mit Opium. Bei Herzmuskelschwäche verwendete man mit bestem Erfolg Digitalisblätter als Infus. Die Epilepsie wurde mit Brom in Form von Kalium bromatum als Pulver behandelt. Das Ansetzen von Blutegeln wurde in der Schädler- schen Praxis nicht so häufig geübt wie dies bei an- deren Ärzten zu jener Zeit der Fall war. Über die in den Achtzigerjahren üblichen ärzt- lichen Honorare gibt uns das schon erwähnte Jour- nal48 Aufschluss. So berechnete der Arzt für eine 30) Im Kanton St. Gallen bestand im Gegensatz zu Liechtenstein kein Impfobligatorium. 31) LVolksblatt, 6. Feb. 1885. 32) LVolksblatt, 13. Feb. 1885. 33) RhAV, Mermine an Jos. Rheinberger, Brief vom 8. März 1885. 34) LVolksblatt, 13. Feb. 1885. 35) Dies bestand in Liechtenstein seit 1812. S. Liechtensteiner Ärzte. JBL, Bd. 89, S.37-39. 36) LVolksblatt, 1. Mai 1885. 37) Die vielen ausländischen Fabrikarbeiter waren meistens ohne Grundimpfung. 38) LVolksblatt, 2. März 1906. 39) LVolksblatt, 30. März 1906. 40) S. Liechtensteiner Ärzte. JBL, Bd. 89, S.37-39. 41) S. Liechtensteiner Ärzte. JBL, Bd. 91, S.175/76. 42) Dr. Felix Batliner: Über Tuberkulose. LVolksblatt, 17. 1. 1913. 43) ebd. 44) Entfällt. 45) S. Liechtensteiner Ärzte. JBL, Bd. 89, S. 39-41. In utero matris = «im Mutterleib». 46) FamARh, R, Sch 10, Praxisjournal, pag. 120. 47) ebd., pag. 120. 48) Die Ansätze sind in Schweizer Franken angegeben. 161
        

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