VERWALTUNGSSTRUKTUR UND VERWALTUNGSREFORMEN ZUSAMMENFASSUNG / PAUL VOGT wurde. Die Zahl der Beamten wurde auf ein Mini- mum beschränkt. Im Schul- und Armenwesen übte die Kirche wichtige Funktionen aus. Die Geistlichen führten die Zivilstandsmatrikel und ersetzten in den Gemeinden die staatliche Polizeiaufsicht. Die Rheinwuhrbauten und die Entwässerung der Tal- ebene als wichtigste Aufgaben der Landeskultur wurden den Gemeinden überlassen. Die Obrigkeit begnügte sich damit, entsprechende Vorschriften zu erlassen. Wenn einerseits der patrimoniale Charakter der Verwaltung betont wird, so dürfen doch auch ande- rerseits Entwicklungen nicht übersehen werden, die eine zunehmende Bürokratisierung beinhalte- ten: Durch die Einrichtung einer Kanzlei wurde für die Beamten eine Trennung von Privat- und Amt- sphäre vorgenommen. Die Beamten erhielten zu- nehmend genauere Dienstanleitungen und genauer umschriebene Aufgabenbereiche. Auf Schriftlich- keit und Aktenmässigkeit der Verwaltung legte die Hofkanzlei grössten Wert. Weiter ist festzuhalten, dass das Verwaltungsrecht zunehmend durch Ver- ordnungen und Gesetze geregelt wurde, die das freie Ermessen und das Zweckmässigkeitsempfin- den der Beamten einschränkten. Die Legitimation der Stellung des Landesfürsten beruhte weitgehend auf dem Glauben, dass in der Welt eine natürliche Ordnung vorgegeben war. Die Versuche, die Macht des Fürsten mit der «landes- väterlichen Fürsorge für das Wohl der Untertanen» zu begründen, stellten zwar einen Versuch zu einer vernunftmässigen Begründung der Vorrechte des Fürsten dar, doch erreichten diese Versuche nie den gewünschten Erfolg. Die Unruhen von 1831 und 1848 zeigten, dass die Untertanen zwar nicht am «landesväterlichen Wohlwollen» zweifelten, wohl aber an der Aufrichtigkeit der Beamten. Als entscheidender Faktor für die politische Ent- wicklung im Fürstentum Liechtenstein stellte sich schliesslich die politische Entwicklung in Öster- reich heraus. Die Fürsten gingen bei ihren Ent- scheidungen stets von den österreichischen Ver- fassungs- und Verwaltungsgrundsätzen aus. Der Übergang zu einer konstitutionellen Verfassung 
wurde 1862 erst möglich, als in Österreich die Ent- scheidung zu diesem Schritt grundsätzlich gefallen war. 125
        

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