VERWALTUNGSSTRUKTUR UND VERWALTUNGSREFORMEN SCHULWESEN / PAUL VOGT Hofkanzlei in Wien gar keine Impulse zur Verbes- serung des Schulwesens aus. In der Dienstinstruk- tion von 1808 fehlt jeder Hinweis auf dieses Pro- blem. Hauer beschränkte sich in seinem ausführ- lichen Bericht von 1808 auf die Bemerkung, dass die Schulen sehr schlecht seien und dass die Obrig- keit den Gemeinden bei Schulhausbauten vielleicht einen unentgeltlichen Ziegelbeitrag aus der herr- schaftlichen Ziegelhütte gewähren könnte. Auch in späteren Jahren gingen Anregungen für Verbesse- rungen im Schulwesen nie von der Hofkanzlei aus. Die erste obrigkeitliche Verordnung im Unterrichts- wesen stammt aus dem Jahre 1805 und geht auf ei- nen gemeinsamen Vorschlag der Pfarrherren der obern Landschaft zurück.6 Die Verordnung von 1805 war insofern grundlegend, als sie den Ge- meinden die Kompetenz zur Anstellung und Ent- lassung von Lehrern entzog und den Ortspfarrern und der Landesobrigkeit übertrug. Die Gemeinden wurden verpflichtet, ihren Lehrer zu besolden und ein Schulhaus zu bauen. Durch diese Verordnung wurde auch zum ersten Mal die allgemeine Schul- pflicht (vom 6. bis zum 13. Lebensjahr) eingeführt. Der Unterricht fand nur im Winter statt, im Som- mer wurde lediglich an Sonn- und Feiertagen un- terrichtet.7 1810 wurden die Sommerschulen eingeführt.4' 1812 wurde ein Schulfonds geschaffen, aus dessen Zin- sen die Lehrer besoldet werden sollten. Trotz die- ser staatlichen Verordnungen behielten die Geist- lichen ihren grossen Einfluss im Schulwesen. Wie weit dieser Einfluss reichte, wird deutlich, wenn man die Entstehung des Schulgesetzes von 18229 betrachtet. Landvogt Schuppler arbeitete einen Entwurf für ein Schulgesetz aus und sandte diesen den Pfarrern zu. In einer gemeinsamen Versamm- lung berieten darauf der Landvogt und die Geist- lichen diesen Entwurf und setzten ihn darauf durch ihre Unterschriften in Kraft.10 Der Fürst und die Hofkanzlei bekamen dieses erste Schulgesetz offen- bar nie zu sehen. Diese Entstehungsgeschichte macht verständlich, dass das Schulgesetz von 1822 den staatlichen Ein- fluss im Unterrichtswesen auf ein Minimum be- schränkte und das Schulwesen weitgehend zu ei-ner 
Aufgabe des Klerus machte. Nach diesem Ge- setz handhabten die Ortspfarrer in ihrer Gemeinde als Lokalinspektoren die «Schulpolizei» und beauf- sichtigten die Lehrer. Die Pfarrer wählten aus ih- rem Kreis einen «Schul(ober)inspektor», der für die Vereinheitlichung des Unterrichts in den verschie- denen Gemeinden sorgen sollte und als Organ der «obern Schulbehörde» wirkte. Die «obere Schulbe- hörde» bestand aus der Versammlung von Land- vogt, Schulinspektor und Lokalinspektoren. Diese Behörde erliess Bestimmungen für den Unterricht und nahm die Anstellungen von Lehrern vor. Der Fürst und die Hofkanzlei werden in diesem Gesetz nicht erwähnt. Landvogt Pokorny empfand das Schulgesetz von 1822 offenbar als eine schwere Verletzung der fürstlichen Hoheitsrechte. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt erschien das neue Schulgesetz von 1827,11 das durch die Unterschrift des Fürsten in Kraft gesetzt wurde. Dieses Gesetz verkürzte die Schulpflicht von 7 auf 6 Jahre, brachte sonst aber bezüglich der Schulfächer, der Lehrmethoden und der Lehrbücher keine wesentlichen Änderungen.12 Grundsätzlich neu war jedoch die Verteilung der Kompetenzen in der Schulverwaltung. Die obere Schulbehörde war nun mit dem Oberamt identisch. Über Vorschriften im Unterrichtswesen und die An- 1) Malin, S. 71 ff. 2) Quaderer, S. 138ff. 3) ebda., S. 143. 4) Menzinger an Ignaz Wenzel am 30. September 1858. LLA RC 107/136. 5) Bericht Schupplers über die landständische Verfassung vom 12. März 1818. LLA RB Fasz. L 6. 6) Malin, S. 83. 7) Verordnung vom 18. September 1805. LLA NS 1805. 8) OA an Pfarrer am 23. 5. 1810. LLA NS 1810. 9) Schulgesetz und Schulplan vom 31. 7. 1822. LLA RB Fasz. S 1. 10) Circular des OA an die Geistlichkeit vom 1. August 1822. LLA RB Fasz. S 1. 11) Schulgesetz vom 5. Oktober 1827. LLA NS 1820-29. 12) Quaderer, S. 149. 107
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.