VERWALTUNGSSTRUKTUR UND VERWALTUNGSREFORMEN LANDESPOLIZEI / PAUL VOGT ren Sicherheit, Ruhe und Ordnung einer wesent- lichen Verbesserung» bedürften. Der Polizeidienst werde von den Gemeinden gewöhnlich «armen Leuthen und Invaliden verliehen, bei welchen nichts weniger als auf die phisischen und morali- schen Eigenschaften gesehen wurde und welche die jährlichen 36 fl bis 40 fl, die sie von denen Ge- meinden empfangen, mehr für eine Unterstützung als für einen Lohn halten.»12 Die wiederholten Auf- forderungen an die Ortsgerichte, den herumzie- henden Vagabunden vermehrt Beachtung zu schenken, hätten keine entscheidende Verbesse- rung gebracht. Pokorny schlug deshalb vor, «dass zwey ordentliche und verlässliche Polizeimänner aufgenommen, gehörig besoldet, für ihren Dienst redlich strenge verpflichtet und unter die unmittel- bare Leitung des gehors(amst) gefertigten) Amtes gestellt werden»13 sollten. Diese Polizeimänner soll- ten, um auf den gemeinen Mann Eindruck zu ma- chen, Uniformen in den Landesfarben, Tschako, Seitengewehr, Patronentasche und Muskete erhal- ten. Wie stark auch bei dieser vorgeschlagenen Re- form der Zwang zur Sparsamkeit bestand, geht daraus hervor, dass Pokorny nur unverheiratete Männer in den Polizeidienst nehmen wollte, für die ein Taglohn von 30 Kreuzern (182 Gulden 30 Kreu- zer im Jahr) zum Lebensunterhalt ausreichte. Wei- ter wollte er zwei fürstliche Diener, den Kanzleidie- ner und den Rentamtsexequenten (der die fürst- lichen Renten eintrieb) entlassen und diese Aufga- ben den beiden Polizisten übertragen. Die 150 Gul- den, die die beiden Diener aus den fürstlichen Ren- ten erhielten, sollten dafür als ein Anteil des Lan- desfürsten an die Besoldung eines Polizeimannes weiterhin ausbezahlt werden. Die restlichen Besol- dungskosten waren aus der Landeskasse zu decken. Die Dorfpolizei sollte nicht ganz aufgeho- ben, aber doch wesentlich eingeschränkt werden: Die besoldeten Polizeisoldaten sollten durch unbe- soldete Polizeigeschworene ersetzt werden. Damit die neu bestellten Polizeimänner nicht unnötig durch Botengänge belastet würden, sollte in Bal- zers und Ruggell, der südlichsten und der nördlich- sten Gemeinde, je ein Gemeindsbote bestimmt wer- den, der wöchentlich die oberamtlichen Aufträge in 
Vaduz abholte und diese allen Gemeinden mit- teilte.14 Nachdem die Hofkanzlei die Ansichten Schupplers eingeholt hatte, der einige Änderungs- vorschläge machte, die Pokorny aber nicht gelten lassen wollte, stimmte sie Pokornys Vorschlägen in allen Punkten zu.15 Die beiden Polizeimänner in Vaduz und die beiden Gemeindsboten in Balzers und Ruggell wurden be- reits auf den 1. Februar 1828 eingestellt. 1830 kam ein dritter Polizeimann dazu. Dieser dritte Polizei- mann hatte den Polizeidienst in der untern Herr- schaft zu besorgen. Er wohnte in Nendeln oder Eschen und erhielt ein Jahresgehalt von 100 Gul- den vom Land."' Die Vermehrung der Besoldungskosten durch das Aufstellen von Polizisten stiess auf den Unmut der Untertanen. So baten sie während der Unruhen von 1831 in einer Petition auch um die Entlassung D In der Beschreibung des Fürstentums Liechtenstein von 1784 heisst es, dass Liechtenstein ständig 7 Soldaten halten sollte, tat- sächlich aber nur 3 Soldaten unterhielt. In der obern Landschaft gab es zwei Soldaten, in der untern einen. Ein Soldat erhielt jährlich 76 Gulden und alle 5 oder 6 Jahre eine Montur, was aus den Steuergel- dern bezahlt wurde. LLA Kopie o. S. 2) ebda. 3) ebda. 4) Schuppler an HK am 6. Mai 1816. LLA RB Fasz. R 1. 5) Circular des Oberamtes an die Gemeinden vom 7. Juni 1817. LLA RB Fasz. P 1. 6) Bericht Pokornys an Fürst am 20. September 1827. LLA RC 3/18. 7) Gerichtsinstruktion vom 1. 1. 1810, LLA Sammlung Matt. 8) Schuppler an HK am 6. Mai 1816. LLA RB Fasz. R 1. 9) Pokorny an Fürst am 20. September 1827. LLA RC 3/18. 10) Landtagsprotokoll 1828. LLA RC 7/22. 11) Das Gehalt betrug jährlich zwischen 39 und 69 Gulden, das Monturgeld 33 Gulden. LIA Rentamtliche Rechnungsbücher. 12) Bericht Pokornys an HK am 20. September 1827. LLA RC 3/18. 13) ebda. 14) Pokorny an HK am 24. November 1827. LLA RC 3/18. - Die Ge- meindsboten erhielten eine jährliche Entschädigung von 30 Gulden aus den Landeseinnahmen. LLA Landtagsprotokolle. 15) HK an OA am 21. Dezember 1827. LLA RC 3/18. 16) LLA Rentamtliche Rechnungsbücher. 101
        

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