EISENZEITLICHE ALPENRHEINTALGRUPPE, STUFEN 4-7 Dieses Kapitel umfasst die Keramik, welche ge- meinhin als «Schneller-Keramik» bekannt gewor- den ist. Die Bezeichnung hatte unbestritten for- schungsgeschichtlich grossen Wert, wofür wir B. Frei (1956) sehr dankbar sind. Anhand der Fun- de und Befunde in Balzers lässt sich aber die konti- nuierliche Stil- und Formentwicklung der Keramik aus bronzezeitlicher Tradition verfolgen und mit der neuen Bezeichnung «Eisenzeitliche Alpen- rheintalgruppe» besser benennen. Auch die jünge- ren, latenezeitlichen Stufen lassen sich anhand der Befunde von Balzers besser definieren (Bill 1991). Nur Stufen 4 und 5 sind in der Nekropole durch Gräber vertreten. Die beiden jüngsten sind ledig- lich durch Streufunde inner- und ausserhalb des Gräberfeldes bekannt. Insgesamt wurden 11 Proben der Stufe 4 analy- siert. Es handelt sich dabei um Schüsseln. Charak- teristisch ist eine stark ausgeprägte Schulter, wel- che mit Zick-Zack-Ornamenten verziert sein kann. Am Hals entsteht durch plastische Verzierung (Rip- pe oder Kannelur) oder einer Einstichreihe eine Gliederung. Der Fuss erhält durch die noch weiter ausladende Fläche eine markante Fussplatte. Lei- der befindet sich die Gräberzone der Stufe 4 in ei- ner durch die Landwirtschaft in Mitleidenschaft ge- zogenen Fläche, so dass nur zwei Fundkomplexe als Gräber bezeichnet werden können. Von den 11 Schüsseln sind deren drei verziert. Zwei weitere gehören zur etwas niederen Variante (FL 123 und FL 124). Die Gneis-Magerung dominiert klar bei acht Töpfen. Auffällig ist bei zwei Schüsseln die Prasinit-Magerung, während die Serpentinit-Mage- rung nichts Aussergewöhnliches darstellt. Somit kann man von der Keramikherstellung eine Konti- nuität auch in der Tonauswahl, analog zur Form- und Stilkontinuität, feststellen. Die mit acht Proben belegte Stufe 5 ist einheitlich innerhalb des Gneis-Magerungsspektrums geschaf- fen worden. Bei den Schüsseln FL 153 und FL 163 konnte ein geringer Schamotteanteil festgestellt werden. Die jüngeren Stufen 6 und 7 sind für eine 
generelle Betrachtung über die Bevorzugung von Tonmaterialien durch die geringe Anzahl nicht mehr geeignet. Betrachten wir das Verteilungsbild der analysierten Töpfe auf den Arealen «Foser» und «Kaufmann» (Plan 1), so zeichnen sich gewisse Schwerpunkte ab, welche ursprünglich auch zur Möglichkeit der Stufenbildung Anlass gegeben haben. Selbstver- ständlich betrifft dies vor allem die genau erfassten Gräber und Grabgruppen. Es wird aber auch klar, dass sich verschiedentlich «jüngere» Töpfe und Topffragmente scheinbar willkürlich inmitten von bereits mit «älteren» Funden belegten Flächen be- finden. Dies ist bei der langen Belegungsdauer der Nekropole sehr verständlich. Über mehrere Jahr- hunderte wurden an verschiedenen Stellen immer wieder neue Gräber erstellt, wobei ältere Gräber zum Teil mehrfach gestört worden sind. Dass da- durch sowohl eine grössere Fragmentierung ein- zelner Gefässe wie auch deren weitläufigere Zer- streuung erfolgt ist, entspricht genau dem oben festgestellten Verteilungsbild. 92
        

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