LIECHTENSTEINISCHE KERAMIKFUNDE DER EISENZEIT / ARCHÄOLOGISCHE ASPEKTE / BILL Archäologische Aspekte JAKOB BILL Keramik widerspiegelt oft den Menschen, der sie geschaffen hat, und die Zeit, in welcher sie ge- macht worden ist. Die stilistische Unterscheidung von Keramik ist in der Urgeschichte wie auch in jüngeren Epochen für die Datierung ein wichtiges Indiz. Neben der äusseren Erscheinungsform birgt Keramik aber auch andere Informationsmöglich- keiten: mittels Analysen des Tonmateriales kann über ihre Herstellung, Beimengungen, Brandtem- peraturen und letztlich auch Gewinnungszonen der Grundmaterialien etwas ausgesagt werden. Die Ke- ramik ist also eine wichtige kulturhistorisch nach- vollziehbare Hinterlassenschaft. Seit mehreren Jahren hat sich das mineralogisch-petrographische Institut der Universität Freiburg der systemati- schen Analyse von prähistorischen Tongegenstän- den angenommen und vielversprechende Resultate vorlegen können. Die Untersuchungen an bronze- und eisenzeitlichen Gefässen des inneralpinen Kreises der Laugen-Melaun-Keramik (Maggetti, Waeber, Stauffer, Marro 1983) zeigten anhand von selektiv gewonnenen Proben, wie informativ eine naturwissenschaftliche Untersuchung in Zusam- menarbeit mit archäologischen Fragestellungen sein kann. Innerhalb der damals untersuchten 454 Proben stammten deren 46 von fünf Fundplätzen im Fürstentum Liechtenstein und wurden separat publiziert (Maggetti, Stauffer, Waeber 1982). Als nun 1981 am Südfuss des «Runden Büchel» bei Balzers anlässlich der Ausschreibung eines Bau- projektes ein eisenzeitliches Gräberfeld entdeckt wurde (Bill 1982 + 1985) und in der Folge eine an- sehnliche Menge an Töpfen geborgen werden konnte, war es fast selbstverständlich, auch hier eine Probenserie zu untersuchen. Unterdessen schritten die Ausgrabungen in Balzers weiter und auf der Nachbarparzelle fanden sich neben der Fortsetzung der bereits bekannten Nekropole auch Gräber der Spätbronzezeit und der Frühlatenezeit mit «Schnellerkeramik» (Plan 1 ist am Schluss der Publikation eingelegt). Rasch zeigte es sich, dass sich die älteren Bezeichnungen der Keramikstile wie «Tamins» und «Schneller» nicht optimal an- wenden Hessen und eine Unterteilung in mehrere Stufen unumgänglich war. In Zusammenarbeit mit 
M. Maggetti und W. Nungässer versuchten wir, ein über Zeit und Form möglichst weit gefächertes Spektrum der vorhandenen Töpfe zu analysieren. Ebenso entschieden wir uns zu einer Entnahme von Proben an Gefässen der namengebenden Fundstelle Eschen «Schneller». Die nun hier vorge- legten Resultate schliessen an die oben erwähnten Vorstudien an. Der grosse Unterschied liegt darin, dass eine wesentlich grössere Probenserie sich auf nur zwei Fundstellen konzentriert. Ursprünglich gingen wir davon aus, dass die eisenzeitliche Kera- mik aus Balzers möglichst umfänglich zu analysie- ren sei. Mit der Zeit mussten wir aber auch dort se- lektiv vorgehen, wobei aber darauf geachtet wurde, statistisch relevante Mengen an Einzelformen zu erhalten. Von den beiden nebeneinanderliegenden Parzellen «Areal Foser» und «Areal Kaufmann» wurden letztlich 159 Proben ausgewählt. Anfäng- lich meinten wir, Material aus drei unterscheidba- ren Zeithorizonten zu besitzen, nämlich der Spät- bronzezeit, der jüngeren Periode der Hallstattzeit sowie der Frühlatenezeit. Nach eingehender typo- logischer Untersuchung unterscheiden wir neben der spätbronzezeitlichen Belegungsphase um 1000 v. Chr. sieben Stufen der eisenzeitlichen Alpen- rheintalgruppe in der Zeit von der ersten Llälfte des 6. Jh. v. Chr. bis gegen 200 v. Chr. (Bill 1991). Die 33 Proben von Eschen «Schneller» decken in etwa die gleiche Zeitperiode ab. Der Grossteil der Proben betrifft die Stufen 2 und 3. Mangels grosser Fundmengen sind Stufen 1, 6 und 7 unterdotiert (Tabelle 1). Zur Aufteilung der Gefässe in die ein- zelnen Stufen ist anzuführen, dass diese auf hori- zontalstratigraphischen Beobachtungen beruht. In Einzelfällen wurden dann typologische Überlegun- gen zur Einordnung verwendet. Eine Anzahl analy- sierter Töpfe konnte nicht zwingend einer Stufe zu- geordnet werden und wurde deshalb als unbe- stimmbar bezeichnet. 87
        

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