BAUGESCHICHTLICHES ZUM HAUS NR. 12 IN SCHELLENBERG / PETER ALBERTIN Die dendrochronologische Untersuchung Zur Fälldatenbestimmung von Bauhölzern sind 54 Bohrkerne gefasst und ausgewertet.14 Die Ergeb- nisse mit Datierung und Holzarten sind in nachste- hender Tafel zusammengefasst, die gemessenen Hölzer in den Plänen mit umkreisten Nummern be- zeichnet und in die Beschreibung der Baustruktu- ren miteinbezogen.15 DIE VERWENDETEN HOLZARTEN fallen nicht aussergewöhnlich auf. Nur für den Schwellenkranz wurden wegen ihrer besonderen Beanspruchung Eichenhölzer ausgewählt. Im übri- gen scheint die Holzwahl beliebig. Zur Verzimmerung der Wände und des Dachstuh- les sind Hölzer der Tanne und Fichte in scheinbar freier Durchmischung verwendet. Auch kann den verschiedenen Bauetappen keine Bevorzugung be- stimmter Holzarten angelastet werden. In den ausgewerteten Proben fehlt die Lärche, ein hierzulande ansonsten oft anzutreffendes, seiner langen geraden Stämme wegen für den Blockbau gut geeignetes Bauholz. Die aus dem Schindelschirm der Nordwestfassade gefassten 11 Schindeln mit den Probenummern 71 bis 95 entstammen allesamt der Fichte - und hal- ten nun schon beinahe 150 Jahre! Andernorts wird für Fassadenschindeln oft auch das harzreichere und damit wetterresistentere Lärchenholz verwen- det. 
14) Probenbohrungen und Auswertungen durch Christian Orcel, Alain Orcel und Jean-Pierre Hurni des Laboratoire Romand de Den- drochronologie, Saint-Michel 4. 1510 Moudon; Untersuchungsproto- koll N. Ref. LRD 90/R 2700 15) Zur dendrochronologischen Untersuchung: Baumhölzer unserer Breitengrade zeigen in ihrem Querschnitt soge- nannte Jahrringe, ihr jährlicher Holzzuwachs. Die Breite dieser Jahrringe ist stark vom jeweiligen Klima beeinflusst. Ein klimatisch warmfeuchtes Jahr ergibt einen breiten Zuwachs, ein kühl-trockenes einen schmalen. So widerspiegeln Jahrringbreiten die jährlichen kli- matischen Verhältnisse. Diese Tatsache, seit den 1920er Jahren in Amerika bekannt, wird bei uns seit etwa 20 Jahren genutzt, um bei Bauhölzern ihr Fälljahr zu ermitteln - und damit von Holzbauteilen das Erstellungsjahr zu erhalten. Aus einem Holzquerschnitt, oft ein 5 mm dicker Bohrkern, werden die Jahrringbreiten mittels Mikrometer gemessen und zu einer Mess- Kurve aufgezeichnet. Optisch oder meist elektronisch wird nun diese Messkurve auf einer bekannten Basiskurve geschoben, bis optimale Deckungsgleichheit besteht. Haben wir nun den Holzquerschnitt bis zur Rinde - der Waldkante - erhalten, so können wir aus der Basis- kurve das Fälljahr des Baumes herauslesen. Bauholz wurde früher meist frisch verbaut, so dass das Fälldatum auch Bauzeit bedeutet. Einige Voraussetzungen müssen jedoch zum Erfolg solcher Analysen erfüllt sein. Aus einem zu untersuchenden Baukomplex sind mehrere (ca. 5 bis 7) Hölzer aus bautechnisch und bauchronologisch verstan- dener Situation notwendig. Besonders geeignet sind die Hölzer von Eiche. Tanne, Fichte, Lärche und Föhre, für andere Holzarten fehlen noch Basiskurven. Vereinzelte Proben sollen eine grössere Anzahl (30 bis 50) Jahrringe, womöglich samt Waldkante, aufweisen. Legende zur Tafel der den- drochronologischen Er- gebnisse auf der folgenden Seite: Fichte, oft als Rottanne bezeichnet Tanne, oft als Weisstanne bezeichnet F = Frühling S = Sommer He = Herbst Wi = Winter (?) = Datierung mit Vorbe- halt, da Bohrprobe wegen Insektenfrass und anderer Ver- derbnisse unbefriedi- gend messbar E = Ost NE = Nordost NW= Nordwest SE = Südost SW= Südwest 73
        

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