Der Dachstuhl Dachstühle unterliegen einer markanten Entwick- lung der Abbundtechnik im Zimmereihandwerk und stellen damit primäre baugeschichtliche Zeug- nisse dar. Hierzulande kennen wir für ländliche Bauten vorerst hauptsächlich flachgeneigte, stein- beschwerte Legschindeldächer, sogenannte Tätsch- dächer, im 18. und 19. Jh. abgelöst durch die stei- leren Biberschwanz-Ziegeldächer.4 Das aktuelle Wohnhaus trägt einen stehenden Dachstuhl mit Sparrendach, gänzlich in Nadelholz, handgehauen; seine Erstellung gehört der Bauetap- pe III 1793/94 an, dendrodatiert mit den Proben Nr. 1 bis 6. Zwei Rähmkränze stellen die Verbindung zwischen dem Blockbau und dem Stuhl her, wobei der unte- re, bestehend aus zwei traufseitigen Wandpfetten und drei Spannbäumen, von einem früheren Dach i jAnkerbalken/Binder! 1 i ! i ! i ! ! ! i jAnkerbalken/Binder i 
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der Bauetappe II stammt, dendrodatiert mit den Proben Nr. 21 bis 25 auf 1687. Er nimmt zugleich die eingenuteten Kammerdecken auf, woraus ge- schlossen werden darf, dass der oberste Balken- kranz des ursprünglichen Blockbaues fehlt! Der zum heutigen Stuhl gehörige Rähmkranz schwebt über dem Geschossbodenniveau, deshalb sind seine Ankerbalken herausgetrennt und nur noch als Stichbalken präsent, ähnlich einer Knie- stock-Konstruktion eingezäpft in zwei eingerückte Längsrähm-Balken (Abb. 20). Drei Stuhlsäulenpaa- re bilden die Binder und tragen die Mittelpfetten; die Konstruktion ist mittels Kopfbändern längs ver- steift, im Winkel von 42° bis 51° oben angeblattet und unten eingezapft5 und mit Streben querver- steift (Abb. 21 und 22). Dem klassischen Sparren- dach entsprechend fehlt eine Firstpfette, die Spar- renpaare treffen sich in Scherzapfen und werden traufseits mit Aufschiebungen über Laube und Ökonomieanbauten abgeschleppt. Zur südöstlichen Giebelfassade trägt ein Flugsparrenpaar das breit vorkragende Dach, ihr Ankerbalken reicht über seine volle Länge.6 Beide Dachflächen sind mit in Spitzschnitt handge- strichenen Biberschwänzen doppelt eingedeckt, die Lattung ist mit Holznägeln geheftet, eine Unterlat- tung dient der Maistrocknung. Der den Blockbau oben abschliessende Rähm- kranz von 1687 trägt diverse Zapfenlöcher und Blattsassen vom zugehörigen, 1793/94 abgetrage- nen Dachstuhl. Sie erlauben zusammen mit den Blattsassen an den wiederverwendeten heutigen Stuhlsäulen eine Rekonstruktion des Dachstuhles der Bauetappe II von 1687 in stehender, flachge- neigter Abzimmerung (Abb. 23). Abb. 20: Dachstuhlfuss, schematischer Grundriss 1.150 
4) Für Legschindeldächer messen wir Neigungen um 22° bis 24°, für Ziegeldächer um 36" bis 45°; oft sind bei der Umdeckung von Holz auf Ton die einstigen Dachstühle lediglich etwas angehoben und ge- schiftet worden, woraus Neigungen von um 22° bis 27° resultieren. 5) Die mittelalterlichen Anblattungen werden hierzulande im 18. Jh. nach und nach durch Verzäpfungen abgelöst. 6) Eine eher seltene Abzimmerung, denn an Stelle eines durchge- henden Ankerbalkens finden wir oft die in barocker Zeit so typi- schen und dekorativen Flugsparrendreiecke. 64
        

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