BAUGESCHICHTLICHES ZUM HAUS NR. 12 IN SCHELLENBERG / PETER ALBERTIN Abb. 4: Der Gemeindeteil Vorderer Schellenberg von Osten gesehen, in der Bild- mitte unscheinbar und von Obstbäumen umgeben das Haus Nr. 12 Das Objekt steht geschützt am Rande einer Gelän- desenke im Gemeindeteil Vorderer Schellenberg, in der Flur «Under Platta», Landeskoordinaten 759.050/233.080 (Abb. 3). Es liegt von der Haupt- strasse zurückversetzt und durch Nachbarbauten verdeckt; sein Standort scheint nicht von geschicht- licher Bedeutung (Abb. 4). Die Liegenschaft ist für gemischtwirtschaftliche Viehhaltung konzipiert, begründet aber keine Fa- milienexistenz mehr. Die Stallscheune, die westlich des Wohnhauses freigestanden hatte, ist 1970 der Strassenverbreiterung gewichen. Das Wohnhaus stellt einen reinen Holzbau dar mit zwei Vollge- schossen und steilem Satteldach. Es steht seit 1964 unbewohnt. Einzig der Mostkeller und die Rauch- kammer werden noch sachgemäss genutzt, letztere veranlasst einen regelmässigen Betrieb der intak- ten Ofenanlage, sowie Lüften und Schliessen des Hauses, wodurch dieses seine lange Leerstehzeit gut erträgt. 1948 ist westseits an Stelle eines Wa- gen- und Holzschopfes mit Abtritt eine Waschküche angebaut worden, 1952 nordseits ein Schweine- stall. Stallscheune, Waschküche und Schweinestall schliessen wir aus unserer Arbeit aus. Das Wohn- haus erheischt in verschiedener Hinsicht besonde- re Beachtung. Eine dendrochronologische Datie-rung 
hat ergeben, dass es 1518 erstellt worden und weitgehend in seiner originalen spätmittelalter- lichen Raum- und Baustruktur erhalten geblieben ist; seine baugeschichtliche Entstehung und Ent- wicklung ist für jedermann erkennbar und erleb- bar - es bietet in offener Art und Weise Anschau- ungsunterricht. Das Haus ist nachweislich öfters, 1687 und 1793/94 abgebaut, transportiert und wieder aufgebaut worden, was das mittelalterliche Recht bezeugt, wonach Holzbauten von Schuble- hennehmern (Pächtern) als Fahrnis galten. Die Lie- genschaft gehört seit nunmehr fünf Generationen demselben Familienstamme der Biedermann. Der heutige Eigentümer Ernst Biedermann ist in die- sem Wohnhaus mit nur Stube, Nebenstube und zwei Kammern zusammen mit seinen Eltern und elf Geschwistern aufgewachsen! Im Haus haben sich gegen zweihundert Schriften, Kaufverträge und Quittungen von 1781 bis 1955 angesammelt, die Familien Biedermann, die Liegenschaft und die Gemeinde Schellenberg betreffend. So darf das Ob- jekt als erstrangiges liechtensteinisches Kulturgut bezeichnet werden. Zur Liegenschaft hat im 19. Jh. auch das südliche Nachbarhaus Nr. 11 gehört, des- sen Eigentümer - Familie Goop - mütterlicherseits der Familie Biedermann entstammen. 55
        

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