westwand scheint im Verband gesetzt mit dem Fundament der Kellergeschoss-Erweiterung (vgl. Kellergeschoss, Pos. e). Im Erdgeschoss umfängt das Mauerwerk der Wohnhauserweiterung den Ständer der Stallwand (Abb. 47).17 Die Tenne steht nordwestseits torlos offen. Ihr Bo- den ist in etwa 10 cm dicken, mit Nut und Feder ge- stossenen Bohlen verlegt; beide Saumbohlen sind je mit hochgezogenem Rand aus einem Stück gear- beitet. Diese dichte Bodenausführung trägt dazu bei, dass beim Dreschen möglichst wenig Getreide- körner verloren gehen, und mag uns so ein Hin- weis sein, wie dem Bauherrn Getreideanbau wich- tig war (Abb. 48). Unter dem Tennboden hindurch führt ein kleines Bachbett das Meteorwasser von Hofplatz und Hausdach hangabwärts. Die Nord- westwand der Tenne fehlt seit 1890, als der Anbau der Stallscheune zu Hintergasse 37 erfolgte. Der Scheunenaufbau zeigt eine Ständerkonstruk- tion, versteift mit langen, um etwa 42° schräg an- geblatteten Streben und Kopfbändern. Diese Ab- bundart, hier mit 1697 dendrodatiert, darf als zeit- typisch für das 17. Jh. und beginnende 18. Jh. be- zeichnet werden.18 Beide freiliegenden Aussen- wände tragen Brettschirme. Der Dachstuhl ist in ortsüblicher stehender Kon- struktion gezimmert mit einem Mittelpfetten-Paar, aber ohne Firstpfette. Um etwa 42° geneigte, ange- blattete Kopfbänder dienen der Versteifung. Das ursprünglich nur um 18° geneigte Rafenwerk weist auf eine seinerzeitige Legschindeldeckung.19 Die Bohrproben Nr. 41 bis 45 ergeben für das Bauholz dieses Scheunendachstuhles dendrochronologisch ermittelt das einheitliche Fälljahr Sommer 1697. Anlässlich einer späteren Erweiterung der Scheu- ne, fluchtbündig zur Wohnhaus-Südwestfassade, wird das Rafenwerk etwas geschiftet, ausgerichtet und mit Biberschwanzziegeln eingedeckt. Diese Bauzäsur fällt in die Jahre nach 1869 (vgl. Zeich- nung P. Rheinberger). 
DIE STALLSCHEUNE ZU HINTERGASSE 37 Über einem in Rüfesteinen massiv erbauten Stall und aufgesetzten Eckpfeilern steht die in ortsübli- cher Manier gezimmerte Scheune mit liegendem Dachstuhl und um 31° geneigtem, ziegelgedecktem Rafenwerk. Die Aussenwände tragen einfachste Brettschirme. Die Bewirtschaftung von Stall und Heuraum erfolgt von der Tenne Hintergasse 35 aus und vermittelt uns so einen Eindruck von den bis vor kurzem vorgelegenen, nicht nur oft verwandt- schaftlichen, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich engsten Verknüpfungen der Fami- lien. Mit ihrem dendrochronologisch ermittelten Bau- jahr 1890 repräsentiert die geräumige Stallscheune eindrücklich die Intensivierung der Landwirtschaft mit Konzentration in der Viehzucht, wie sie hierzu- lande im ausgehenden 19. Jh. Landbau und Sied- lungen prägte, nachdem Getreide- und Weinbau ihre Vorrangstellung nicht zuletzt wegen der durch Bahntransporte ermöglichten billigen Importe ein- gebüsst hatten.20 17) Diese scheinbar klare Chronologie Stallbau-Wohnhauserweite- rung hinterlässt offene Fragen. Der Scheunenanbau stammt von 1697, der undatierte Stallbau in Kantholzausfachung mag stilistisch nicht älter sein. Dies würde bedeuten, dass die Erweiterung des Wohnhauses nicht vor 1697 stattgefunden hätte, was verständliche Zusammenhänge ergibt: die Hofstätte wird in zwei Erben geteilt. Da das Rebgelände nur der einen Familie Existenz gewährt, weicht die andere auf Ackerbau aus und errichtet sich die Stallscheune. Die Erweiterung des Wohnhauses wiederum zeigt eine zu dessen Südostfassade verständliche Chronologie. Danach wäre nun der Ersatz der einstigen Bohlenständerwand des Stubenteiles durch das heutige Mauerwerk (vgl. Südostfassade, Mauerscheibe D) der Scheu- nendatierung entsprechend nach 1697 erfolgt. Die zu dieser Bauzä- sur erhaltenen Fensterchen Nr. 4b, 6c und 7b wären für die Bauzeit ab 1697 noch sehr klein (?). 18) Und findet in der nachbarlichen Scheune zu Fürst-Franz-Josef- Strasse 98, dendrodatiert mit 1705, grosse Ähnlichkeit. 19) vgl. Anm. 15 und 18 20) Ospelt, Alois: Wirtschaftsgeschichte des Fürstentums Liechten- stein im 19. Jh. In: JBL 72 (1972) 36
        

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