HOCHALTAR DER EHEMALIGEN KAPELLE IN NENDELN VON IGNAZ JOSEPH BIN / NORBERT W. HASLER Die Bildhauerkunst erlernte er wahrscheinlich bei seinem Vater. Zu den bisher bekannten Werken des Vaters zählen der gekreuzigte Christus in der Lieb- frauenkirche zu Feldkirch, eine gefasste Schnitzar- beit von 1673 (Abb. 22), sowie die in rötlichen Run- gelinger Marmor gehauenen Sitzfiguren der vier Evangelisten am oberen Turmabsatz der St. Lau- rentius-Kirche in Bludenz.21 Von beiden stammt ge- mäss einer Inschrift die Kreuzigungsgruppe von Domat Ems/GR aus dem Jahre 167422 (Abb. 23 und 24). 1684 heiratete Ignaz Joseph Bin Margarethe Bertsch aus Feldkirch, die ihm drei Kinder schenk- te. 1686 schuf Ignaz Bin im Alter von 27 Jahren zu- sammen mit dem Maler Johann Jakob Has und dem Schreiner Johann Jakob Nasal den Hochaltar für die Kapelle in Nendeln. Sein Lohn war beschei- den, er betrug 36 fl. Der Maler erhielt 80 fl, der Schreiner 45 fl. für diese Arbeit.23 Obwohl noch jung an Jahren, hat Ignaz Joseph Bin mit diesem Altar wohl sein Hauptwerk geschaffen. Krankheit und Armut scheinen ihn fortan begleitet zu ha- ben.24 Erst zu Beginn der 90er Jahre des 17. Jahrhun- derts hören wir von einem weiteren künstlerischen Auftrag an Ignaz Joseph Bin, und zwar im Zusam- menhang mit dem Wiederaufbau der Klosteranlage 
von Pfäfers unter Abt Bonifatius I. (1677-1706) nach dem verheerenden Brand von 1665. Die Grundsteinlegung der neuen Klosterkirche er- folgte am 27. Mai 1688. Die Steinmetzarbeiten la- gen in den Händen des Meisters «Peter Brun, Stein- metz auss dem Pregentzer wald gebürtig, ietzt sesshaft zu Ragatz . . ,»25 In den Bauamtsrechnun- gen aus Pfäfers heisst es weiter: «Zu oberst ist von Ignatius Bin von Feldkirch 1 Unser lieben Frouwen 13) Braun, Joseph: Tracht und Attribut der Heiligen in der deutschen Kunst. Stuttgart, 1943, Sp. 632 14) Das Dokument von 1686 (s. Anm. 3). das die Namen der Künst- ler nennt, wurde in diesem Podest gefunden. 15) Die betenden Putten befinden sich in der Studiensammlung des Liechtensteinischen Landesmuseums. Hin Vergleich mit Arbeiten aus der Werkstatt oder dem Umkreis des Johannes Georg Dirr (Wellheim 1723-1779 Mimmenhausen bei Salem), etwa den musizierenden Putten an der Orgelempore des Münsters von Salem, drängt sich auf. Die rokokohaften Rundungen, vor allem aber die eigenwillig strähni- ge Haartracht und der Gesichtsausdruck deuten auf eine geistige Verwandtschaft hin. 16) Somweber, Erich: Die Bildhauer Bin in Vorarlberg und Liechten- stein. In: JBL 80 (1980), S. 61 (Somweber A) 17) Stadtarchiv Eeldkirch. Original-Pergamenturkunde Nr. 855, Graz, 21. Mai 1645 18) Somweber A, S. 61 19) Stadtarchiv Feldkirch, Ratsprotokoll Hds. 5, fol. 349, 24. Novem- ber 1684. «Entagässele» am Entenbach hinter den Neustadthäusern beim Bathaus 20) Stadtarchiv Feldkirch, Hds. 190. fol. 72. 1. Juli 1691 21) Vgl. Somweber, Erich: Das Hauptwerk des Feldkircher Bildhau- ers Johannes Bin in Bludenz. In: JBL 83 (1983), S. 219-221. Somwe- ber, Erich: Die Evangelisten des Feldkircher Bildhauers Johannes Bin am Turm der St. Laurentius-Kirche in Bludenz. In: Kulturinfor- mationen, Rheticus-Gesellschaft, 1984, Heft 4, S. 76-83. 22) Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Feldkirch. Hrsg. Dagobert Frey. Wien, 1958 (= ÖKT Bd. XXXII), S. 72-73 23) Vgl. Anm. 3 24) Somweber A, S. 65 f. 25) Bauamtsrechnungen. «Verzeichnuss wass die Neuve Kirchen zu Pfeffers von dem hochwürdigsten Fürsten vnd Herren Bonifacio I. erbauvet, gekostet habe.» Pfäferser Archiv (Heute Stiftsarchiv St. Gallen) PIA V. 27. J., Nr. 33. 7-8 Rothenhäuser, Erwin: Die Kunstdenkmäler des Kantons St. Gallen. Basel, 1951, Bd. 1, S. 164. Gubler, Hans Martin: Die barocke Klosterkirche von Pfäfers. In: Die Abtei Pfäfers in Geschichte und Kultur. Hrsg. Werner Vogler. 2. Aufl. St. Gallen, 1985, S. 68-77. 273
        

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