HOCHALTAR DER EHEMALIGEN KAPELLE IN NENDELN VON IGNAZ JOSEPH BIN / NORBERT W. HASLER Vier liebliche Puttenköpfchen schmückten einst die vorspringenden Kämpferelemente zwischen dem Säulengebälk und dem Giebelarchitrav. Zwei dieser Engelsköpfchen bilden auch in der heutigen Rekon- struktion den oberen Abschluss zwischen Kämpfer und Gebälkansatz. Die drei vertieften Altarnischen werden oben durch eine ursprünglich vergoldete Muschel bekrönt, in den Seitennischen von geflügelten Halbfiguren von Engelputten gleichsam gehalten. Die Mittelnische ist von einem reich geschnitzten und vergoldeten Blatt- und stilisiertem Blütenstab umfasst. Zu Füs- sen der Madonna sowie im Bogenansatz der Mittel- nische sind zudem zwei niedliche, vollplastische Engelpaare aufgesetzt (Abb. 16). Über volutenför- migen Konsolen stehen in den Seitennischen die Pestheiligen Sebastian und Rochus, mit Märtyrer- pfeilen bzw. Pilgerstab in Händen. Zwei Engel be- gleiten die Heiligen, während der eine die Palme des Martyriums in den Händen hält, weist der an- dere - der Legende entsprechend - auf die Wunde des heiligen Rochus, eine Pestbeule, hin. Der heilige Sebastian, ein schon im 4. Jahrhundert hochverehrter römischer Märtyrer aus der diokle- tianischen Christenverfolgung, ist von Ignaz Bin in der Kleidung eines vornehmen Edelmanns darge- stellt. Auffallend ist der eigenartige, mit Federn ge- schmückte Hut des Heiligen, dem wir in ähnlicher Form bei der Figur des heiligen Erzengels Michael in der Schlosskapelle auf der Schattenburg in Feld- kirch, einem weiteren Schnitzwerk Bins, wieder begegnen (Abb. 17). Rechts in der Nische findet sich St. Rochus, ausge- stattet mit allen Attributen des Pilgers: Tasche, Wanderstab, Muschel und breitkrempigem Hut. Der Heilige wurde nach der Legende gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Montpellier als Sohn wohl- habender Eltern geboren. Nachdem er sein Vermö- gen unter die Armen verteilt hatte, machte er sich auf eine Pilgerfahrt nach Rom, auf der er sich der Pestkranken annahm. Selbst von dieser Krankheit befallen, zog sich der Heilige in einen Wald bei Pia- cenza zurück, wo ihn ein Engel pflegte und wohin ihm der Hund eines in der Nähe wohnenden Edel-Abb. 
17: St. Michael von Ignaz Joseph Bin, Heimat- museum Feldkirch, Schat- ten bürg 271
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.