HOCHALTAR DER EHEMALIGEN KAPELLE IN NENDELN VON IGNAZ .JOSEPH BIN / NORBERT W. HASLER mal und im Jahre 1855 ein weiteresmal renoviert. Bei dieser letzteren Renovation kamen auch die heute sich noch in ihr befindlichen Stühle in die Kapelle und die Empore wurde neu gemacht. Schade war es wohl auch um die altertümlichen Butzenscheiben, die den neuen Fenstern im Jahre 1905 weichen mussten. - Aber das Alte sinkt. Nun ist es Nendeln vielleicht viel zugemutet, die alle Kapelle in Stand zu halten, damit dadurch das Bauwerk erhallen werden kann. Auch der histori- sche Verein verfügt nicht über die Mittel, das Alter- tum zu erhallen. Aber wenigstens die prächtigen, altertümlichen Altäre sollten gerettet werden kön- nen. Um diese stilgerechten Altertümer wäre es wirklich schade, wenn sie dem Zerfall preisgege- ben werden müsslen. Am 15. Juli 1941 trafen sich Vertreter der Fürstli- chen Regierung, der Gemeinde und Pfarrei Eschen sowie des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein vor Ort. In dem dazu verfassten Pro- tokoll heisst es: «Der Lokalaugenschein ergab, dass mit dem Abbruch der Kapelle bereits begonnen war. Der Hauptaltar wurde in einem solchen Zu- stande gefunden, der die Abtragung und Zerlegung in mehrere Teile unbedenklich zuzulassen scheint. Es wurde daher beschlossen: Der Altar solle von zwei Nendler Schreinern unter Aufsicht des Lan- destechnikers Vogt am 16. Juli 1941 abgetragen, mit Terpentin behandelt und vorläufig - womöglich in Kisten verpackt - im oberen Südostzimmer des Nendler Schulhauses aufbewahrt werden. Der von Herrn Gemeindevorsteher Meier mündlich mitge- teilte Gemeinderatsbeschluss, wonach von der Ge- meinde Eschen dieser Altar dem Historischen Ver- ein geschenkweise zur Verfügung gestellt wurde, wird von diesem Vereine mit Dank zur Kenntnis genommen.»7 Der Historische Verein verfügte je- doch damals über keine eigenen und geeigneten Räumlichkeiten zur Aufbewahrung dieses Altar- werkes, das - in seine Teile zerlegt - im Nendler Schulhaus magaziniert wurde. Bereits in der Ausgabe Nr. 82 vom 26. Juli 1941 be- richtet das Liechtensteiner Volksblatt: «Nendeln (Eingesandt). Die alte Kapelle wird derzeit abge- brochen. Eine vielhundertjährige Beistätte ver-schwindet. 
Der hl. Sebastian hat sich sein Patronal in ein modernes Gotteshaus verlegt. Die Nendeler freuen sich insbesonders, dass nun jeden Sonntag Gottesdienst gehalten wird.» Als Nekrolog für die alte Kapelle kann ein bemer- kenswerter Beitrag im Liechtensteiner Volksblatt vom 13. September 1941 verstanden werden. EIN BAUDENKMAL VERSCHWINDET K. Noch geben einige Mauerüberreste Kunde von der altehrwürdigen Kapelle in Nendeln. Nach der Erstellung des neuen Kirchleins im «Grund» war die an sich schon etwas baufällig gewordene Ka- pelle des hl. Sebastian dem Mittelpunkt religiösen Interesses entrückt. Es wurde im heurigen Früh- jahr auf Abbruch vergeben. Der Hauptaltar wurde als historisches Baudenkmal in Verwahrung ge- nommen, auch die am linken Seitenaltar, am ei- gentlichen Altar des hl. Sebastian, angebrachte Gedenktafel wurde vom Historischen Verein für die Allerlumssammlung ausgeschlossen. Diese Tafel war eigentlich von altersher der Zeuge vom Stifts- akt im Jahre 1639, ihr Text hat erst später unter P. Gyr Eingang in die Annalen der Pfarrei Eschen gefunden. Die Kapelle erstand in den Jahren, als noch unsere ganze Talschaft unter dem Eindrucke einer gras- sierenden Pestseuche stand. Als das schrecklichste Jahr muss wohl 1629 bezeichnet werden. In der Pfarrei. Bendern starben in kurzer Zeil 60 Perso- nen. Noch ärger grassierte die Seuche im oberen Landesteil und im Werdenbergischen. Es heisst da, in Triesen seien 70 Personen in ein Grab gelegt worden, im Wartauischen starben in diesem Jahr über 700 Personen und in Sargans soll die Bevöl- 6) 100 Jahn; Männerchor Nendeln (1891-1991). lied. Walter Kranz. Mauren. 1991. S. 18-20 7) Eine Abschrift dieses Protokolls befindet sich in den Akten (1941) des Archivs des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechten- stein. 263
        

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