DR. MED. WILHELM SCHLEGEL - ARZT UND POLITIKER RUDOLF RHEINBERGER andererseits bestanden haben. Worin diese Diffe- renzen bestanden, ist leider nicht zu erfahren. Man darf aber annehmen, dass diese Unstimmigkeiten - «längst geschlummerte» - ältere Ursachen hatten und auf Dr. Karl Schädler, vielleicht sogar dessen Vater Gebhard sowie Dr. Hannibal Schlegel und dessen Vater Franz Josef Schlegel zurückreichten. So finden wir denn schon in einem Brief aus dem Jahre 1815 den Hinweis, dass Franz Josef Schlegel (1742-1844) dem Landesphysikus Gebhard Schäd- ler (1776-1842) nicht gut gesonnen war.128 Und als dann nach dem Tode Gebhard Schädlers das Phy- sikat neu besetzt werden musste, wurde nicht Dr. Hannibal Schlegel entsprechend dem Ancienni- tätsprinzip berücksichtigt, sondern der um 2 Jahre jüngere Dr. Karl Schädler. Könnten da nicht auch Ressentiments auf die folgenden Generationen wei- tergewirkt haben? Dr. Rudolf Schädler wurde von dem Vorstoss Dr. Schlegel/Christoph Wanger im Landtag inso- fern mitbetroffen, als er ein begeisterter Jäger und Unterpächter einer fürstlichen Jagd war. Ich habe versucht, diese ganzen Zusammenhänge etwas eingehender darzustellen, weil sie nicht nur in der Wildereraffäre eine Rolle spielten, sondern weil auch im weiteren politischen Geschehen die alten Animositäten gelegentlich wieder durchschlu- gen. Das für uns oft unverständliche Verhalten Dr. Schlegels im Landtag mag dadurch wenigstens teilweise eine Erklärung finden. Übrigens muss man Hauptmann Rheinberger in dieser Sache als zuverlässigen und unverdächtigen Zeugen anse- hen, war er doch Freund und Patient Dr. Schlegels und ausserdem noch mit ihm verschwägert. Der Forstbeamte, der den Wilderer erschossen hat- te, wurde wegen fahrlässiger Tötung zu 10 Mona- ten Gefängnis verurteilt, die Pressepolemik ging aber noch einige Zeit weiter. Dass der ganze Wirbel um die Wildereraffäre dem Ansehen Dr. Schlegels eher geschadet als genützt hatte, zeigte sich in der Eröffnungssitzung des Landtags am 24. Mai 1875. Bei der Wahl des Landtagspräsidenten waren 4 Wahlgänge notwendig, bis Dr. Schlegel das abso- lute Mehr von 8 Stimmen erreichte.129 
DIE MÜNZWIRREN 1875/78 Seit dem Jahre 1873 sank der Silberwert auf dem Weltmarkt zusehends. Dies war vor allem eine Fol- ge der erhöhten Silbergewinnung in Nordamerika, die durch Verbesserungen im Silberbergbau mög- lich geworden war. Davon betroffen waren vor al- lem die Länder, deren Währung noch auf dem Sil- berwert fusste. Dazu gehörte insbesondere Öster- reich mit seinem Silbergulden, der auch in Liech- tenstein das gesetzliche Zahlungsmittel war. Dage- gen war der Schweizer Franken durch Gold- deckung gesichert, was ihm eine hohe Stabilität verlieh. In kurzer Zeit fiel der Wert des Silbergul- dens um gegen 10 %, was in Liechtenstein beson- ders augenfällig wurde, da es an die Schweiz grenzte, mit der es ein reger Verkehr verband. Spürbar wurde dies vor allem im täglichen Verkehr für die Oberländer, die gewisse Waren gerne etwa in Sevelen einkauften. So lesen wir in einem Brief3(1 aus dieser Zeit die typische Klage: «... jetzt verlie- ren wir auf den Gulden schon 15 bis 16 Kreuzer . . . Wir können kaum mehr in die Schweiz gehen . . .» Aber auch in der benachbarten Schweiz sah man die Guldenentwertung nicht gerne. Das Geschäft im kleinen Grenzverkehr ging zurück, schweizerische Kapitalgeber hatten Zinsverluste zu verzeichnen. So auch das Churer Domkapitel. In einem Brief vom März 1877 heisst es: «. . . denn das Domkapi- tel hat viele Kapitalien in Liechtenstein angelegt, die in österreichischen Silbergulden verzinst wer- den, welche es dann in Graubünden kaum an den Mann bringt. Weil Onkel (Domdekan J. Ca- 124) IAA Landtagsakten, Session 1872 und 1874 125) LLA Landtagsakten, Protokoll v. 22. Dez. 1874 126) LLA Landtagsakten. Protokoll v. 22. Dez. 1874 127) P. Rheinberger an seinen Bruder Josef und Schwägerin Fanny. Brief v. 20. 11. 1874, RhAV, IX/1 128) FamARh F 33, Joh. Peter Rheinberger an Landesphysikus Gebh. Schädler, Brief v. 26. Okt. 1815. Siehe auch Liecht. Ärzte, JBL 89, S. 38 und S. 99/100 129) LLA Landtagsakten, Protokoll v. 24. Mai 1875 130) David Rheinberger an Schwägerin Fanny, Brief v. 13. 5. 1876, RhAV VII 193
        

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