sprechen und auf Erledigung zu dringen. Wie Du siehst, sind wir bis jetzt überall über Erwarten rasch vorgekommen. Auf einen Erfolg unserer Mis- sion hoffen wir noch immer - nur mit der Spielbank wird es nichts werden. - Abends, auch mittags tref- fen wir gewöhnlich mit Hr. Hauptmann Menzin- ger"9 zusammen. Bis jetzt haben wir uns noch we- nig in Wien umsehen können, doch gedenken wir, noch etwa zwei Tage dazu zu verwenden und Frei- tag oder Samstag wieder in Vaduz zu sein. Bitte mich Herrn Landesverweser bestens zu em- pfehlen. Da ihm Dr. Schlegel schreibt, so unterlasse ich es. Herentgegen ersuche ich Dich, diesen Brief Herrn Landrichter mitzuteilen, damit ich nicht ei- nen zweiten Brief von gleichem Inhalte zu schrei- ben brauche. Wir haben Nebel - kein Schnee - gelinde Witte- rung. Auf baldiges Wiedersehen! Dein Bruder Peter Rheinberger. Inzwischen war die Regierung in Vaduz schon un- terrichtet worden, dass der Fürst eine weitere An- leihe in der Höhe von 125 000 fl an das Land bewil- ligt habe. Diese sollte mit dem bereits vorher ge- währten Betrag von 50 000 fl zu einem unverzins- lichen Darlehen von 175 000 fl verschmolzen wer- den. Das Darlehen sollte, beginnend nach 5 Jah- ren, in 20 jährlichen Raten von je 8750 fl zurückbe- zahlt werden. Angesichts des weit höher geschätz- ten Bedarfs für die Rheinverbauung - etwa 200 000 fl kurzfristig und gegen 1 Million fl langfri- stig - wurde das fürstliche Angebot als ein Mini- mum angesehen, und Landesverweser von Hausen war sich gar nicht so sicher, ob der Landtag das Angebot annehmen oder zurückweisen würde. Dazu kam noch, dass von Hausen den Bedarf an Mitteln für die Rheinverbauung in Wien immer ge- ringer angegeben hatte, als er in Wirklichkeit war, was man ihm jetzt auch in den Beraterkreisen des Fürsten verübelte. Die von Dr. Schlegel angeführte Delegation hatte offenbar dort die wahren Aus- masse der Not und des Bedarfs an Mitteln glaub- haft zu machen gewusst. Jetzt scheint von Hausen ernsthaft um seine Stellung besorgt gewesen zu 
sein. Eine ablehnende Haltung des Landtags ge- genüber dem Angebot des Fürsten hätte von Hau- sen das Amt des Regierungschefs kosten können. Aus dieser Sicht ist der Brief120 zu verstehen, den von Hausen am 2. Januar 1873 von Wien aus, wo- hin er beordert worden war, an seinen Regierungs- sekretär David Rheinberger in Vaduz schrieb: Wien am 2. Jaenner 1873. Sehr geehrter Herr Sekretär! Ich danke Ihnen und Ihrem Bruder Hauptmann Rheinberger recht sehr für Ihre Glückwünsche zum Jahreswechsel u. erwidere dieselben in gleicher Weise. Möge sich das neue Jahr besser anlassen als das alte geendet! Ich finde es begreiflich, dass man bei Ihnen über allfällig eingelaufene Nach- richten aus Wien Nachfrage hält. Dr. Schlegl (!) wird mittlerweile in den Besitz meines Briefes ge- kommen sein. Es wird viele Zeit, viel Geduld und grosse Nachgiebigkeit erforderlich werden, um nur einigermassen das dermalige Verhältnis wieder zu bessern. Wirken Sie doch ja allerorts darauf ein, dass die Landtagsmitglieder für die Annahme der bereits bewilligten 125 000 Gulden sich erklären; würde dieser Antrag zurückgewiesen, dann weiss ich nicht, was geschehen möchte. Ich sprach dem Fürsten gegenüber die Zuversicht der Annahme aus, um ihn nur etwas zu beruhigen, denn durch die jüngste Landtagspolitik fühlt sich derselbe sehr verletzt. Ich habe von den Akten Einsicht genom- men, welche auf die preussischen und österreichi- schen bereits abgegebenen Äusserungen rücksicht- lich der Spielbank Bezug haben. Der Fürst hätte nie die Zustimmung erteilen können, nachdem Preussen oder vielmehr der Minister des deut- schen Reiches mit aller Entschiedenheit dagegen protestierte. Allgemein sieht man ein, dass das eingeschlagene Vorgehen hier in Wien nicht ganz korrekt war und dass, wenn man mich früher nach Wien berufen, und mir die eben erwähnte Amtskorrespondenz mitgeteilt hätte, manches Vorgefallene vermieden worden wäre. Von der Haltung des Landtages wird es nun abhängen, ob ich noch in meiner bisherigen ämtlichen Stellung nach Vaduz zurückkehre, und 190
        

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