währen. Dafür sprach der Landtag dem Physikus ein jährliches Wartegeld von 500 fl zu.92 Dr. Schle- gel sah damit seine Anregungen erfüllt. Dass er die verlangten kostenlosen Ordinationen dann auch er- teilte, zeigt die folgende Anzeige in der Zeitung: «Kundmachung. Der Unterzeichnete gibt hiemit bekannt, dass er im Grunde des Landtagsbeschlus- ses vom 6. Juli 1889 jeden Montag, Mittwoch und Samstag, von 9 bis halb 11 Uhr, minderbemittelten Parteien in seiner Wohnung unentgeltlichen Rath ertheilt. Vaduz, am 2. November 1889. Dr. Schle- gel, Landesphysikus.»93 Als Gerichtsarzt hatte Dr. Schlegel auch Obduktio- nen94 durchzuführen und Gutachten zu erstellen. Über weitere Details seiner Tätigkeit als Physikus sind wir leider nicht unterrichtet, da das Amts- buch, das er ja nach dem Sanitätsgesetz zu führen verpflichtet war, nicht mehr vorhanden ist. Die Mandatsdauer von 6 Jahren wurde vom Für- sten jeweils erneuert. Dr. Schlegel amtete bis zu seinem Tode als Landesphysikus, im ganzen 25 Jahre. Stmtbmmfjmuj. Der Unterzeichnete gibt Ijiemit befannt, bafj er im ©runbe be3 SanbtagSbefrhluffeS bom 6. $ult 1889 jeben ÜDfontag, 3fthtrood) unb ©amftag, Vormittags oon 9 Uf)r bis fyalb 11 lUjr, minber* bemittelten Parteien in feiner SBorjmtng unent= geltlicben ältlichen Stafb, ertfjeilt. SSabUj, am 2. ^ooember 1889. Dr. 
^djlegct, 8anbe<§pfjtoftfu3. Liechtensteiner Volksblatt, 8. November 1889 
DR. SCHLEGEL IN DER POLITIK Soweit heute noch feststellbar, betrieb Dr. Wilhelm Schlegel ausserhalb seines Berufes keine Liebhabe- reien, so dass ihm noch genügend Zeit für die Poli- tik blieb. Im Jahre 1862, nach Inkrafttreten der neuen Verfassung, war er als stellvertretender Landtagsabgeordneter gewählt worden, doch hatte ein Stellvertreter damals keine direkte politische Funktion. Erst wenn ein Abgeordneter definitiv ausfiel, wurde der Ersatzabgeordnete einberufen und vereidigt. Auf diese Art folgte Dr. Schlegel dem Abgeordneten Pfarrer Anton Gmelch von Balzers, der von 1862 bis 1867 als vom Fürsten bestimmter Abgeordneter dem Landtag angehört hatte. Er hat- te eine Berufung als Leiter der katholischen Kan- tonsschule in St. Gallen angenommen, und an sei- ner Stelle wurde Dr. Schlegel vom Fürsten zum Ab- geordneten ernannt.95 Er wurde in der ersten Sit- zung, die der Landtag am 18. Mai 1868 im Saale des neuerbauten  hielt, vom Präsi- denten Dr. Karl Schädler willkommen geheissen und «auf das Staatsgrundgesetz in vorgeschriebe- ner Weise beeidigt».96 In der selben Sitzung wurde Dr. Schlegel an Stelle des durch das Los ausge- schiedenen Pfarrers Josef Erni zum Vicepräsiden- ten und als Mitglied der Finanzkommission ge- wählt. Ein Jahr darauf wurde er Mitglied des Lan- desschulrates.97 Ein weiteres Jahr später legte Dr. Karl Schädler wegen Erkrankung sein Mandat als Abgeordneter und damit auch als Präsident des Landtages nieder.98 Dr. Wilhelm Schlegel wurde in der Sitzung vom 30. Mai 1871 mit 9 Stimmen zu dessen Nachfolger als Landtagspräsident gewählt. Nur in wenigen Worten würdigte er die Verdienste seines Vorgängers.99 Damit war Dr. Schlegel fast mühelos an die Spitze der liechtensteinischen Poli- tik gelangt. Er bekleidete das Amt des Landtags- präsidenten von 1871-1876, von 1878-1881 und von 1886-1889. Als Vicepräsident fungierte er von 1868-1871 und 1890/91. Abgeordneter blieb er bis zu seinem Tode im Jahre 1900.100 Es ist hier nicht der Ort, Schlegels Position in allen politischen Fragen dieser 30 Jahre darzustellen. Es sollen lediglich einige exemplarische Fälle im poli- 184
        

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