Erstmals erfahren wir von einem Herzanfall von Hausens im Jahre 1878, und es ist interessant zu lesen, wie Dr. Schlegel ihn behandelte. Wir können es aus einem Brief46 des Regierungssekretärs David Rheinberger 
entnehmen: Seit ca. 14 Tagen sind auch Banko's47 wieder hier und die Mutter des Landesverwesers. Letzterer (von Hausen) hätte vor 8 Tagen bald in den Himmel müssen. Er bekam so starke Herzkongestionen, dass der Doktor 24 Stun- den lang jeden Augenblick einen Herzschlag be- fürchtete. Der Blutandrang kam von der Leber und Pfortader her. Doktor Schlegel applizierte ihm zu- erst 24 Blutegel, und, da diese noch keine Erleich- terung verschafften, einen Aderlass am linken Arm. Jetzt scheint er ausser Gefahr zu sein, ist aber durch den grossen Blutverlust noch äusserst schwach und kann noch nicht das Zimmer verlas- sen. Von Hausen nahm zwar die Arbeit wieder auf, die Herzattacken wiederholten sich aber immer häufi- ger und seine frühere Energie und Arbeitskraft liessen nach, «... hauptsächlich wegen der schwe- ren und langen Erkrankung», heisst es am 28. Au- gust 188248. «Er ist seit 5. Juli nicht mehr in der Kanzlei gewesen.» Im Herbst und Winter 1882/83 machte von Hausen auf Veranlassung Dr. Schlegels einen fast halbjährigen Genesungsurlaub, den er in Lugano, Nervi und Meran verbrachte. Während dieser Zeit musste sein Regierungssekretär David Rheinberger die gesamten Geschäfte führen. Im Jahr 1884 sah sich Landesverweser von Hausen dann aber gezwungen, seinen Posten endgültig aufzugeben. Er übersiedelte nach Innsbruck. «Der Herr Landesverweser ist gestern mit seiner Frau abgereist und zwar sehr schwer. Onkel David44, Papa50 und einige Beamte haben sich zu seinem Abschied eingefunden.51 Bis Bludenz wurde er von Landtagspräsident Dr. Albert Schädler begleitet.» In den Jahren 1870/74 herrschte im ganzen Liech- tensteiner Oberland eine schwere Typhusepidemie. «Gegenwärtig grassiert auch in Balzers und auf dem Triesenberg eine böse Krankheit, an der ganze Familien aussterben, besonders ansteckend für junge, kräftige Leute; soeben liegt auch in Vaduz 
ein Fall und zwar der erste vor - hoffentlich bleibts dabei. Das Volk nennt diese Krankheit Cholera, es soll aber der höchste Grad von Typhus sein».52 Die Ärzte waren kaum imstande, allen Anforderungen gerecht zu werden und waren Tag und Nacht un- terwegs. Da nahmen es die Leute Dr. Schlegel übel, dass er gerade zu dieser Zeit in der «Spielbankan- gelegenheit»53 an der Spitze einer Landtagsdelega- tion zum Fürsten nach Wien reiste. «Schlegel hat durch seine Abwesenheit sehr an Patienten verlo- ren,»54 schreibt Amalie Rheinberger, die noch drei Wochen vorher gemeint hatte: «Dr. Schlegel hat ein gesegnetes Jahr, auch auf Triesenberg, in Triesen, Balzers und überall mehr oder weniger Typhus.» PRIVATES LEBEN Nach der Schilderung einer Zeitgenossin55 war Dr. Wilhelm Schlegel «klein, korpulent und lebhaft». Dieser Schilderung seiner Statur entsprechen auch die von ihm noch vorhandenen Photographien.56 Auf diesen trägt er in seinen mittleren Jahren einen Vollbart und später einen Spitzbart. Man sah ihn selten ohne eine Zigarre im Munde. Eine treffende ironische Darstellung Schlegels finden wir in einem Brief57 aus dem Jahre 1885. Die Briefschreiberin war zu dieser Zeit etwa 20 Jahre alt. . . 
. Eines Ta- ges holte mich Herr Dr. Schlegel zu einer Schlitten- parthie auf Triesenberg ab. Da wollte er mir seine Kunst im Schlittenfahren zeigen und fuhr voran. Es war köstlich zu sehen, wie er auf dem Schlitten sass, die brennende Cigarre im Munde, den Berg- stock in der Hand; nun fing er an zu zappeln, zu stapfen und zu arbeiten, als ob eine ungeheure Lo- komotive in Bewegung gebracht werden müsse. Der Rauch der unvermeidlichen Cigarre machte die Scene noch täuschender. Aber oh weh - bei der Schranke fiel er plötzlich um, da lag er; den Arm um die Planke geschlungen, zwischen die Latten geklemmt, die Füsse in den Schlitten verwickelt, bot er ein komisches Bild. . . Am 13. Juni 1864 hatte sich Dr. Schlegel mit der um zehn Jahre jüngeren Rosa Gohm aus Feldkirch verheiratet.58 Aus dieser Ehe gingen ein Sohn Wil- 178
        

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