DR. MED. WILHELM SCHLEGEL - ARZT UND POLITIKER RUDOLF RHEINBERGER Philosophie des Altertums und des Mittelalters so- wie für Anthropologie- und Psychologie Prof. Sen- gler, für Arithmetik und Algebra Prof. Oettinger, für Logik Privatdozent Dr. Steingass, für Zoologie Prof. Siebold und für Botanik Prof. Braun. Vom dritten Semester an waren dann nur mehr rein naturwissenschaftliche Fächer in seinem Lehrplan: Experimentalphysik hörte er bei Dr. Mül- ler, Mineralogie und «unorganische» Chemie bei Prof. Fromherz, Anatomie bei Prof. Kobelt, Physio- logie und vergleichende Anatomie bei Prof. Siebold. Allgemeine Pathologie bei Prof. Baumgärtner und Encyclopädie der Natur- und Heilwissenschaften bei Prof. Siebold. Schlegel besuchte in Freiburg auch praktische Kur- se, so einen Kurs über «Augenoperationslehre», ein Praktikum über «Geburtshilfliche Operationen am Leichnam» und schliesslich einen Kurs über «Allgemeine medizinische Chemie». In den Zeugnissen wird der «ausgezeichnete Fleiss» des Studenten Schlegel in allen Fächern je- weils hervorgehoben. Unter den Professoren ge- nossen einige europäischen Ruf. Der Direktor der Freiburger medizinischen Klinik, Karl Heinrich Baumgärtner (1798-1880)8 war berühmt gewor- den durch die von ihm begründete Lehre von der Krankenphysiognomik.9 Der Anatom Georg Ludwig Kobelt (1804-1857)10 hatte durch wichtige mikro- skopische Forschungsergebnisse Bedeutung er- langt. Weiteres über Wilhelm Schlegels Aufenthalt in Freiburg ist nicht bekannt, ausser dass er einer Studentenverbindung angehörte. Auf einem noch vorhandenen Profilbild11 ist er mit einem Couleur- band, das er schräg über die Brust trägt, darge- stellt.12 Die Beschriftung an der Unterseite des Por- traits lautet: «Wilh. Schlegel Stud. medic. S/m 1. Jehly lith. zur frdsch. Erg. 1850. 10. X.»13 Wilhelm Schlegel hat die Revolution von 1848 in Freiburg miterlebt, und er dürfte als Farbentragen- der auch vom Strudel der Begeisterung für ein ge- eintes Reich erfasst worden sein. Im Grossherzog- tum Baden traten sich 1849 republikanische Auf- ständische unter der Führung Friedrich Heckers und die vereinten preussischen und deutschen 
Bundestruppen in kriegerischen Auseinanderset- zungen gegenüber. Auch Liechtenstein musste sei- ner Bundespflicht genügen und sein Militärkontin- gent gegen die Freischärler ins Feld schicken.14 Der «Ausmarsch gegen die Badischen Insurgenten» be- gann am 18. Mai 1849 und dauerte bis Anfang Sep- tember. In dem Gefecht bei Oos am 30. Juni 1849 erhielten die beiden Liechtensteiner Halbzüge un- ter den Leutnants Moriz Menzinger und Peter Rheinberger die Feuertaufe, und es gab sogar Ver- wundete.15 Doch von da an gab es für die Liechten- steiner keine direkte Feindberührung mehr. Die Aufständischen wurden in mehreren Treffen von den mit Preussen vereinigten Bundestruppen be- siegt. 1) Über die Herkunft der Familie Schlegel siehe Rheinberger. Rudolf: Liecht. Ärzte des 19. Jahrhunderts (Liecht. Ärzte). In: JBL 89, S. 99-100, und Bucher, Engelbert: Familienchronik der Walserge- meinde Triesenberg (Familienchronik) Bd. 7 2) Ebenda 3) Diese wurden zur Taufe nach Schmitten im Oberhalbstein ge- bracht, da Klosters reformiert war und keinen katholischen Pfarrer hatte. (Liber Baptiz. PfAS). Daher auch die irrige Annahme von Tschugmell, die Farn. Dr. Schlegel habe sich zeitweise im Ober- halbstein niedergelassen. 4) Liber Baptizorum, PfAS 5) Matrikel der Universität Freiburg/Br., Universitätsarchiv 6) Wilhelm erhielt als Vormund seinen Onkel Johann Ferdinand Schlegel (1805-1881) in Schaan. 7) Vorlesungsverzeichnisse, Universitäts-Archiv Freiburg, und Studienzeugnisse. LLA 102/72 8) Bei ihm hatte schon 30 Jahre zuvor Vater llannibal Schlegel Vorlesungen gehört. 9) Siehe auch Diepgen, Paul: Geschichte der Medizin, Bd. II, S. 37 10) Siehe auch P. Diepgen. S. 171 11) Lithographie 121 Die Farben sind grün-rot-schwarz 13) Johann Jehly (1820-1852) stammte aus Planken. Er war Litho- graph bei Orell Füssli in Zürich. 14) Siehe auch Liecht. Ärzte, JBL 89, S. 63 15) Tagebuch Peter Rheinbergers 1848-1850, FamARh H2a, und Menzinger, Moriz: Die Menzinger in Liechtenstein. In: JBL 14, sowie Quaderer, Rupert: Militärgeschichte 1814-1849, in: JBL 90, S. 233-255. 171
        

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