LIECHTENSTEINISCHE KERAMIKFUNDE DER EISENZEIT ANALYSE / NUNGÄSSER / MAGGETTI / GALETTI Diese Thermoschock-Behandlung ist von uns an verschiedenen Flussgeröllen des Rheines (Brücke Trübbach-Balzers) und der Plessur ( unterhalb Aro- sa) durchgeführt worden. Eine Gruppe von ca. 20 gneisartigen (Gruppe G) und eine kleinere Gruppe von serpentinitartigen Gerollen (Gruppe S), die meisten etwa faustgross, wurden halbiert und von einer Hälfte Material zur Dünnschliff-Analyse abge- trennt. Die andere Hälfte haben wir in der Glut eines Holz- feuers ca. 40 min auf Rotglut gehalten und an- schliessend auf den Stahlstäben eines Grillrostes mit Wasser abgeschreckt. Ein untergelegtes starkes Brett aus Eiche war Depot-Fläche für sich ablösen- de Gesteins-Fragmente. Die vier Abbildungen (Tafel 22) zeugen von den z.T. eindrucksvollen Ergebnissen, die im wesentlichen auf folgenden Vorgängen beruhen-. a) Die thermisch bedingte Volumen-Vergrösserung der Gesteinsmasse wird in den vom Kühlmittel ge- troffenen Oberflächenbereichen durch Schrump- fung rückgängig gemacht. Hohe Scherspannungen erzeugen dabei Scharen feinster Risse. Mit der ins Geröllinnere vordringenden Abkühlungsfront durchläuft das Rissbildungs-Phänomen den gesam- ten Gesteinskörper. b) Die für den Abkühlungs-Effekt notwendige Über- führung flüssigen Wassers in den gasförmigen Zu- stand kann die Bildung der Risse durch den entste- henden Gasdruck unterstützen. c) Mechanische Schwächezonen, wie ± ausgeheilte Risse oder planare Lagen des Schicht-Minerals Glimmer in paralleltexturierten Gesteinen, werden vom hochgespannten Wasserdampf infiltriert und erfahren eine Verminderung der lokalen Kohäsion. d) Chemische Reaktionen bewirken selektive De- struktionen des Gesteinsverbandes. Die letztgenannten Reaktionen sind bei calcithalti- gen Gesteinen recht wirksam (Taf. 22b und d): Bei stärkerer Erwärmung (etwa ab 700 °C) beginnt der Calcit zu zerfallen: CaCO:j CaO + COz. Das CaO (gebrannter Kalk) reagiert mit dem Kühl- wasser zu Portlandit: CaO + H20 -> Ca(OH)2. 
Dieser neugebildete Portlandit (gelöschter Kalk) entsteht unter einer Volumenzunahme von 70 %. Der Zermürbungs-Effekt muss also in Abhängigkeit vom Gefüge der beteiligten Mineralien und der che- mischen Reaktions-Bereitschaft während der Ther- moschock-Phase sicher zu Rissbildungen, je nach Gestein aber zu unterschiedlichen Zerbröselungs- Effekten führen. Das eigentliche Zerreiben und / oder Zerstampfen auf die benötigte Kornfraktion wird jedenfalls erheblich vereinfacht. Das ebenso elementare wie wirksame Ther- moschock-Verfahren dürfte die Geröll-Auswahl der Siedler nach den unter a) bis d) genannten Wirkun- gen am Gestein bestimmt haben: so ist nach unse- ren Versuchen die Hauptgruppe unserer Proben (Gg + Gf) mit 56,8 % Anteil nicht auf das riesige An- gebot gneisartiger Gerolle (mit metamorpher oder sedimentärer Paralleltextur) z.B. im Rheintal zurückzuführen, sondern auf ihre durch die Paral- leltextur gegebene Eignung zum Thermoschock- Aufschliessen. In den spätbronzezeitlichen Proben dominiert die Serpentinit-Magerung. Nach unseren Versuchen gehören Serpentinite und verwandte, karbonatführende Gesteine der Ophiolit-Gruppe zu den «zermürbungsfreundlichsten». Im Geröll- Spektrum des Rheines bei Balzers treten diese Ul- trabasite jedoch mit weniger als 1 % Anteil auf. Für die Zeit vor ca. 2500 Jahren, eine geologisch recht kurze Spanne, kann angenommen werden, dass die Erosions- und Gerölltransport-Situation im Al- penrheintal von der heutigen nur unwesentlich verschieden gewesen sein dürfte. Sollte nun eine Herstellung von serpentinitgemagerter Keramik, z.B. bei Balzers, jemals nachgewiesen werden, so könnte für die Wahl des im lokalen Geröll-Spek- trum seltenen Ultrabasites vor allem seine Eignung für bequemes und dabei gründliches Zermürben ausschlaggebend gewesen sein. 139
        

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