FÜRSTLICHER RAT DR. H.C. ALEXANDER FRICK t Traueransprache DES VORSITZENDEN DES HISTORISCHEN VER- EINS FÜR DAS FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN DR. ALOIS OSPELT BEIM BEERDIGUNGSGOTTES- DIENST AM 4. NOVEMBER 1991 IN DER PFARR- KIRCHE SCHAAN «Von Trauer erfüllt geleiten wir heute Fürstlichen Rat alt Regierungschef Dr. Alexander Frick, eine aussergewöhnliche und entscheidende Persönlich- keit der Geschichte unseres Landes, zur letzten ir- dischen Ruhestätte. Der Historische Verein für das Fürstentum Liech- tenstein hat mit dem lieben Verstorbenen ein Mit- glied verloren, das sich für die Ziele des Vereins in hervorragender Weise eingesetzt hat. Ich darf im Namen des Vereins einige Worte des Gedenkens an Sie richten und die Verdienste unseres Ehrenmit- gliedes in Erinnerung rufen. Von früher Jugend an hat Alexander Frick zeitle- bens seine Heimat geliebt und verehrt. Für sie wollte er etwas tun und seine Kräfte einsetzen. Das war sein Programm als Pfadfinderführer, als Regie- rungschef, als Landtagsabgeordneter und bei sei- nen landeskundlichen Forschungen. Mit dieser Einstellung ist er 1935 dem Historischen Verein beigetreten, dessen Ziele auch die seinen waren, nämlich Geschichtsforschung sowie Erhaltung und Pflege der natürlichen und geschichtlich geworde- nen liechtensteinischen Eigenart. 1945 - er hatte eben erst das Amt des Regierungschefs übernom- men - wurde er in den Vereinsvorstand gewählt, dem er bis 1981 ununterbrochen angehörte. Was ihn in seiner politischen Tätigkeit auszeichnete: zähe Arbeitskraft, Pflichttreue und Idealismus, ge- legentlich auch ein guter Schuss Humor und etwas Nachsicht für menschliche Unzulänglichkeiten, das vertrat er auch im Vorstand. Massgeblich prägte er das Vereinsleben mit. Über so manche Probleme half er hinweg, mit klugem, weitsichtigem Rat, vor allem aber mit einer Eigenschaft, für die er rühm- lich bekannt war: nämlich Beschlüsse zu fassen und auch durchzuführen. Schon in den Jahren seiner anstrengenden berufli- chen Tätigkeit, besonders aber später war Alexan- der Frick als Forscher mit verschiedenen Themen unseres Landes befasst. Viele Abhandlungen, wis- senschaftliche Studien und volkstümliche Beiträge stammen aus seiner Feder. Allein für die «Berghei- mat», die Jahresschrift des Liechtensteiner Alpen- vereins, und das Jahrbuch des Historischen Ver- eins hat er mehr als 60 Beiträge verfasst. Eigene 
Erwähnung verdienen seine ergötzlichen und viel- gelesenen Aufsätze zur Mundartforschung in der einheimischen Presse, über 130 an der Zahl. Be- achtlich ist die Vielzahl seiner Arbeiten, noch mehr erstaunt die Vielseitigkeit seines Forscherinteres- ses. Es galt Geschichte und Kunst, Sprache und Mundart, Volkskunde und Brauchtum, Geographie und Geologie, kurzum der Landeskunde in weite- rem Sinne. Das wissenschaftliche Schaffen Alexander Fricks fand verdiente Anerkennung und Auszeichnung. Die Universität Freiburg verlieh ihm 1961 den Eh- rendoktortitel der naturwissenschaftlichen Fakul- tät. Die Beschäftigung mit Landeskunde war für Alex- ander Frick nicht wissenschaftlicher Selbstzweck und Liebhaberei. Sie entsprang seiner Begeiste- rung für jenen winzig kleinen Flecken auf dem Glo- bus namens Liechtenstein, seiner Liebe zu seiner wirklichen, einzigen Heimat, wie er noch gegen Ende seiner politischen Laufbahn bekannt hat. Was man liebt, will man verstehen und kennen. Und so mass denn der Verstorbene den Ergebnis- sen landeskundlicher Forschung eine unverzicht- bare Bedeutung für das Selbstverständnis des Staa- tes, für seine politischen Entscheidungen und seine Zukunftsplanung zu. Landeskunde im Sinne einer möglichst umfassenden Kenntnis von Land und Leuten eines Staates war für ihn zeitlebens Grund- lage und Voraussetzung seines politischen Wir- kens. Gerade in Zeiten der Veränderung, des Über- gangs und der unsicheren Zukunftserwartungen erachtete er diesen Blick zurück, auf den eigenen Ursprung, die Geschichte, das kulturelle Erbe und die gegenwärtige Eigenart als besonders wichtig. Die landeskundliche Blickrichtung hiess für ihn aber nicht Nostalgie und Bewahren um des Bewah- rens willen, er sah sie vielmehr als Entscheidungs- grundlage. Neue Wege für künftige Entwicklungen sollten nur eingeschlagen werden, wenn man weiss, was alles zugunsten der Neuerungen verlorengeht - auch an historischer Kontinuität und kultureller Substanz. In diesem Lichte ist auch die in den Satzungen des Historischen Vereins geforderte Pflege und Erhal- 5
        

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