QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DIE GESETZLICHEN GRUNDLAGEN Die Losung war künftig in zwei Klassen durchzu- führen. Die erste Klasse bildeten die 20 bis 24jähri- gen, die zweite Klasse die 19jährigen und diejeni- gen aus der ersten Klasse, welche bereits einmal gelost hatten, aber nicht dienstpflichtig waren. Auf die zweite Klasse wurde aber nur zurückgegriffen, wenn die erste nicht genügend Soldaten stellen konnte. Als Mass wurde wieder die Mindestgrösse von fünf Wiener Schuh festgesetzt. Was die immer wieder umstrittene Vorgangsweise bei der Ermittlung der zeitlich Befreiten und der Untauglichen anbelangte, entschied Fürst Alois, dass diese Entscheidung vor der Losung stattfinden müsse. Dadurch war nach seiner Ansicht der üble Einfluss von Bewerbungen, Gunst, persönlichen Rücksichten geringer, da die Gefahr, durch das Los getroffen zu werden nur eine entfernte sei.234 Le- diglich die Entscheidung über körperliche Untaug- lichkeit sei nach der Losung zu treffen, weil die Betroffenen diese Mängel oft aus Scham verbergen und erst aufdecken würden, wenn sie eine ungün- stige Losnummer treffe. Ausserdem wurde aber dem körperlich Behinderten die Möglichkeit gebo- ten, sich vor der Losung freiwillig beim Rekrutie- rungsrat zu melden und sich untersuchen zu lassen, um nicht bei der Losung zu „öffentlichem Gespött zu werden",235 wie dies z.B. bei einem „Höckeri- gen", Einäugigen, Stummen etc. der Fall sein könn- te. Die Entscheidungen über die zeitliche Befreiung sowie über Tauglichkeit oder Untauglichkeit der Konskribierten hatte der Rekrutierungsrat zu fäl- len. Gegen einen einstimmigen Beschluss war kein Rekurs möglich. Mehrheitliche Entscheidungen konnten bei der Hofkanzlei angefochten werden, die endgültig entschied oder die Angelegenheit dem Fürsten vorlegte. Gnadengesuche blieben dem Für- sten in allen Fällen unbenommen. Zu der gestellten Mannschaft war zukünftig noch 'A als Ersatzmannschaft zu zählen, die einberufen werden konnte, wenn dies durch Abgänge notwen- dig werden sollte. Abschliessend erliess Fürst Alois II. noch Über- gangsbestimmungen, da infolge der verlängerten Dienstzeit für die Kompletierung des Kontingentes für das Jahr 1843 mehr Leute benötigt wurden. Als 
Zeichen seines guten Willens bewilligte er, aus sei- nen Renten Handgelder zu bezahlen, und zwar 24 Gulden für jeden austretenden Reservemann und 50 Gulden für jeden austretenden Soldaten des akti- ven Korps, falls sie sich noch für ein weiteres Jahr verpflichteten. Aufgrund dieser Modifikationen von Fürst Alois IL wurde das Oberamt beauftragt, einen neuen Ent- wurf zu erarbeiten und bis Ende April 1843 in Wien vorzulegen. Die von Fürst Alois II. getroffenen Entscheidungen hatten das Ziel, den Entwurf von 1841 zu straffen und auf das Wesentliche zu beschränken. Entschei- dungsfragen wurden klarer definiert und damit de- ren Beantwortung erleichtert. DER ENTWURF VON 1844 Das Oberamt klagte zwar, dass die Konskribierung von Jahr zu Jahr schwieriger werde, da ein umfas- sendes Gesetz, dessen Erlass eines der dringend- sten Bedürfnisse sei, fehle.236 Trotzdem bedurfte es 218) Ebenda. § 118. 219) Ebenda. 220) Ebenda, g 119. 221) Ebenda. 222) Ebenda, § 120. 223) Ebenda. 224) Ebenda, g 121, Abs. 1. 225) Ebenda, § 121c. 226) Ebenda, g 123. 227) LLA SF Militärakten 1832-1849. Nr. 2594, HKW an OA, 9. März 1843. 228) Ebenda. 229) Ebenda. 230) Ebenda. 231) Ebenda. 232) Ebenda; die folgenden Bestimmungen stammen aus diesen Ent- schliessungen. 233) Ebenda. 234) Ebenda. 235) Ebenda. 236) LLA RC 27, C2, Nr. 215. OA an Fürst. 5. April 1842. 95
        

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