Als Unterlagen wurden diesmal nicht nur das baye- rische, sondern auch das badische und württem- bergische Konskriptionsgesetz verwendet.1-''1 Dazu kamen noch gesetzliche Vorschriften aus Öster- reich sowie das liechtensteinische Konskriptionsge- setz von 1832.152 Zudem war das Oberamt bestrebt, die seit 1837 gemachten Erfahrungen in den neuen Entwurf einfliessen zu lassen, die lokalen Verhält- nisse besser zu berücksichtigen und das Gesetz so zu verfassen, dass „jeder Conskriptionspflichtige selbst.. . daraus ersehen konnte, ob der Betreffen- de dienstpflichtig sei oder nicht".153 Der Entwurf von 1841 war mit 125 Paragraphen um einiges umfangreicher als der derjenige von 1837. Er war in vier „Titel" gegliedert, die z.T. wieder in „Abschnitte" unterteilt waren. In Titel I, 
den „Allgemeinen Bestimmungen" wurde als wesentliche Neuerung das militärpflichti- ge Alter vom 18. bis zum 28. Lebensjahr festge- setzt.155 Für die Aushebung wurden drei Altersklas- sen geschaffen, nämlich vom 18. bis zum 20., vom 20. bis zum 25. und vom 25. bis zum 28. Lebens- jahr.156 Zur jährlichen Ergänzung des Kontingents wurden in erster Linie die 20jährigen verpflichtet. Erst wenn diese den Bedarf nicht zu decken ver- mochten, griff man auf die älteren Jahrgänge zu- rück. Ein Ausweichen auf die jüngeren Altersklas- sen war nur gestattet, wenn die 20- bis 28jährigen zahlenmässig nicht ausreichten.157 Die bisherige Erfahrung hatte gezeigt, dass die 18 und 19jähri- gen, „wenige ausgenommen, zum Militärdienst noch zu unkräftig und untauglich waren".158 Als Begründung dieser Neueinteilung führt das Ober- amt an, dass „mit Ende der Zwanziger Jahre . . . die junge Mannschaft [sich] gewöhnlich zu vereheli- chen" pflegte.159 Im weiteren hatte die Praxis die Erkenntnis gebracht, dass bei gewöhnlichen Kon- skriptionen nicht über die Altersklasse der 25jähri- gen hinausgegangen werden musste.160 Nach vier Jahren Dienstzeit, also im Alter von 24 Jahren, war der junge Mann in einem Alter, „worin er noch zu allem fähig und der Arbeit noch nicht entwöhnt" war.161 Die letzten zwei Dienstjahre, die in der Re- serve zu verbringen waren, waren ohnehin nicht mehr sehr belastend. Die Reservisten wurden „der 
Familie sozusagen rückgestellt und nur bei Muste- rungscontractionen einberufen".162 Eine sehr wichtige Neuerung stellte die Bestim- mung dar, dass die Militärpflichtigen ohne Rück- sicht auf ihre Gemeindezugehörigkeit untereinan- der zu losen hatten.163 Durch die Verordnung der gemeinschaftlichen Losung der jeweiligen Alters- klasse wurde das oft umstrittene Prinzip der an- teilsmässigen Gemeindezuteilung aufgehoben. Eine Strukturänderung des Kontingents wurde durch fürstliches Reskript von 1839 festgelegt, wo- durch die Truppe in das mobile Korps, in die Reser- ve und in die Ersatzmannschaft eingeteilt wurde.164 Die jährliche Aushebung diente zum Ausgleich des Abganges aus der Ersatzmannschaft, welche ihrer- seits die Abgänge des mobilen Korps zu ersetzen hatte.165 Die Abgänge aus der Reserve waren aus dem mobilen Korps zu ersetzen.166 Dieser Ablauf der Ergänzung der einzelnen Kontingentsteile ent- sprach der natürlichen Reihenfolge der Altersklas- sen und wurde deshalb als der unparteilichste Weg empfunden.167 Für Verehelichungen während der Militärdienstzeit wurden die grundsätzlich geltenden Bestimmungen belassen. Ein Teil der Ausnahmebewilligungen wurde in die Kompetenz des Oberamtes übergeben, „um die Hofkanzlei von den vielen und lästigen Bitten um Verehelichungsbewilligungen zu enthe- ben".168 § 15 des Entwurfes beinhaltete eine Regelung, die von lokalen Gegebenheit beeinflusst war. Darin wurde bestimmt, dass die ins Kontingent Berufenen nur auf die systemmässigen Bezüge rechtlichen An- spruch hätten.169 Anscheinend war es üblich ge- worden, von Seiten der Gemeinden Zulagen zu ver- langen oder die Befreiung von Familienangehöri- gen vom Gemeindwerk zu fordern.170 Vor allem hatten sich sogenannte Knabenschaften gebildet mit dem Ziel, durch gemeinsame Zahlungsleistun- gen den Ankauf von Einstandsmännern zu ermögli- chen. Dadurch waren für viele jährliche finanzielle Verpflichtungen entstanden, welche „zu fortwäh- renden Zänkereien und Klagen" geführt hatten.171 Erlaubt blieb weiterhin ein freies Zusammenlegen von Geld, das die Losenden unter sich abmachten, 90
        

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