war der Marsch über Bregenz, worüber dem dorti- gen k.k. Land- und Criminalgericht Mitteilung er- stattet werden musste, nach Lindau geplant. Das königlich bayerische Landgericht Lindau wurde er- sucht, den Truppen für die zweite Übernachtung und den ersten Rasttag Unterkunft und Verpflegung zu gewähren. Der Weitermarsch am 18. September und die Ankunft am Mittag gleichen Tags in Fried- richshafen musste dem königlich württembergi- schen Oberamt Tettnang und dem Stadtrat zu Frie- drichshafen gemeldet werden. In Friedrichshafen war wieder Quartier für eine Nacht vorgesehen. Am nächsten Tag, also am Sonntag, dem 19. Septem- ber, ging der Marsch bis nach Meersburg, was eine Mitteilung an das dortige grossherzoglich badische Bezirksamt und die Regierung des Seekreises in Konstanz erforderte. In Meersburg erfolgte die drit- te Übernachtung. Für den Marsch nach Pfullendorf, der vorletzten Station, wurde in Meersburg ein zweispänniger Gepäckwagen angefordert. Die An- kunft und gleichzeitig die vierte Übernachtung in Pfullendorf wurde dem dortigen Bezirksamt auf den 20. September angekündigt. Die Hohenzollern Sig- maringsche Regierung wurde instruiert, dass das liechtensteinische Korps am 21. September dort eintreffen werde. Schliesslich wurde die Hofkanzlei in Wien noch darüber informiert, dass die Lokalbe- hörden weisungsgemäss benachrichtigt worden seien. Nach diesen komplizierten Vorbereitungen, welche die kleinstaatlichen Verhältnisse im Deut- schen Bund anschaulich zeigen, konnte der Ab- marsch endlich erfolgen. „Mit allem Nöthigen versehen marschierte heute früh um 4 Uhr der fürstliche Oberlieutnant Blaudek mit dem Schützencorps von hier nach Sigmaringen ab",290 lautete am Mittwoch, dem 15. September 1841, die nicht ohne heimlichen Stolz nach Wien gemeldete Nachricht des Oberamtes. Der Marsch nach Sigmaringen verlief nach Plan, Komplikatio- nen traten keine auf.291 In Bregenz, wo ein Batail- lon Tiroler Jäger einquartiert war, kam dem liech- tensteinischen Korps die Bataillonsmusik und das Offizierskorps entgegen und begleitete es durch die Stadt.292 Am 21. September, um 8 Uhr früh, mar- schierte der Scharfschützenzug in Krauchenwies, 
der Sommerresidenz des Fürsten von Hohenzol- lern, ein.293 Dort musste sich der Zug aufstellen und vor dem Oberstleutnant und dem Erbprinzen von Sigmaringen defilieren.294 Es wird wohl manches Herz der beteiligten Scharfschützen dabei etwas schneller geschlagen haben. Hier erwartete der Rest des Bataillons das liechtensteinische Kontin- gent und gemeinsam defilierte das nun erstmals komplett vereinigte Bataillon durch den Schlossgar- ten.295 Jeder Scharfschütze bekam vom Erbprinzen noch einen Schoppen Wein als Geschenk und Ober- leutnant Blaudek wurde zur „Hoftafel beigezogen und . .. den hohen Gästen vorgestellt".296 Die nächsten vier Tage waren, dem gemeinsamen Exerzieren reserviert und den liechtensteinischen Scharfschützen fiel auch die Aufgabe zu, Ehrenwa- che zu halten.297 Vom 26. September an wurden die Übungen des Bataillons in Gammertingen eine Woche lang fort- gesetzt und am Sonntag, dem 3. Oktober, war Para- de.298 Bei der Musterung vom 5. Oktober, die von General Graf Isenburg vorgenommen wurde, konn- te nach Auffassung Blaudeks die „Zufriedenheit er- worben" werden.299 Am folgenden Tag hatte sich laut Bataillonsbefehl der Scharfschützenzug „präzis früh 7 Uhr . .. auf der hiesigen Schussstätte zu dem Zielschiessen einzufinden".300 Der Zug bewährte sich in seiner „Spezialdisziplin" und hätte wahr- scheinlich noch mehr geleistet, wären einzelne „nicht durch die Anwesenheit des Generals teils verschüchtert, andere zu eifrig gewesen".301 Am 8. Oktober 1841 kehrte das Kontingent nach stattgefundenem Feldmanöver nach Sigmaringen zurück.302 Auf dem Rückmarsch bereitete der Erb- prinz der liechtensteinischen Mannschaft in Krau- chenwies eine freudige Überraschung. Er war dem Zug von Sigmaringen aus nochmals nachgefahren und liess jedem Offizier und jedem Soldaten ein Frühstück verabreichen und ein geprägtes 30 Kreu- zer Geldstück übergeben.303 Die Liechtensteiner waren durch die ausgezeichnete Behandlung so „weichgestimmt"304, dass sie „auch Ihrem [d.h. dem liechtensteinischen] gnädigsten Souverain en- thusiastische Vivats brachten".305 Bei dieser Gele- 74
        

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