nen Kontingente der neugebildeten Reserveinfante- riedivision inspizieren zu lassen.24 Einerseits er- achteten gerade die Kleinstaaten diese Musterun- gen als einen Eingriff in die sorgsam behütete Sou- veränität, andererseits waren die Kontingente in einem Zustand, der eine Inspektion als unpässlich erscheinen liess. So berichtete die liechtensteini- sche Hofkanzlei nach Hechingen, dass die Mann- schaft durch das Los zwar bezeichnet sei, „aber weder gekleidet noch exerzirt".25 Trotz Einwänden wegen einer unberechtigten „Unterordnung" durch die Musterungen26 beschloss die Bundesversamm- lung, dass die Fürstentümer Hohenzollern, Reuss und Liechtenstein durch Bayern zu inspizieren sei- en.27 Als Zeitraum für die Musterungen wurden die Monate September und Oktober 1831 festgesetzt.28 Diese Aussichten leiteten weitere Annäherungsver- suche zwischen Liechtenstein und beiden Hohen- zollern ein. Von der Hofkanzlei in Wien erging im Juli 1831 ein Antrag an Sigmaringen wegen Bil- dung eines gemeinsamen Bataillons.29 Von dort kam aber eine recht kühle Reaktion. Man meinte, dieses Problem habe man schon früher zur Sprache gebracht und „die Sache [könne] wohl einstweilen auf sich beruhen".30 Sigmaringen befürchtete einen neuen Kostenaufwand, und auch einen Zusammen- schluss mit Liechtenstein betrachtete man nicht mehr als finanzielle Erleichterung, „weil Liechten- stein an den Standeslasten schwerlich weiter als nach dem Mannschaftsbetrefe Konkurrenz leisten" werde.31 Diese Ablehnung kam für Liechtenstein zu diesem Zeitpunkt nicht ganz ungelegen, hatte man doch innenpolitisch einige Schwierigkeiten zu be- wältigen infolge der im März 1831 ausgebrochenen Unruhen. Diese hatten sich unter anderem gerade an der geforderten Militärstellung entzündet.32 Wohl versuchte man in Liechtenstein, „dem Land die Kosten der Verpflegung und Kleidung des Con- tingents so lange wie immer möglich zu erspa- ren".33 Infolge der bevorstehenden Inspektion war es jedoch unumgänglich erforderlich geworden, „55 junge, waffenfähige unverheirathete Männer unter den Eingeborenen im Fürstenthum auszusu- chen .. . und als zum fürstlichen Contingente gehö- rig" einzuschreiben.34 
Für Landvogt Pokorny, der 1827 Josef Schupplers Nachfolger geworden war, ergab sich dadurch das Problem, dass die ausgelosten 55 Männer nicht ins Ausland entlassen werden durften, um dort einer Arbeit nachzugehen. Da die Kontingentsmänner meist gar kein Vermögen hatten, traf ein Ausreise- verbot gerade diese Leute hart. Um die Ursachen der Unzufriedenheit zu beseitigen, schlug Pokorny vor, den Militärpflichtigen für jeden Tag ohne Ver- dienstmöglichkeit 6-8 Kreuzer von ihrer Gemeinde ausbezahlen zu lassen.35 Allerdings sah Pokorny in der unruhigen Zeit von 1831 dies nur als provisori- sche Lösung, da den „hiesigen Einwohnern nichts [gefalle], was nicht aus ihren Köpfen hervor- geht".36 Inzwischen war der bayerische Generalmajor und Brigadier Franz Freiherr von Hertling mit der In- spektion mehrerer zur Reserveinfanteriedivision des Bundesheeres gehörenden Kontingente beauf- tragt worden.37 Auch das liechtensteinische Kontin- gent gehörte zu seinem Inspektionsbereich, v. Hert- ling kündigte seinen Besuch in Vaduz für den No- vember 1831 an38 und beauftragte das Militärkom- mando, eine Zielscheibe von acht Fuss Höhe und vier Fuss Breite anfertigen zu lassen.39 v. Hertling schien seine Aufgabe recht ernst zu nehmen, was Landvogt Pokorny veranlasste, diesen vor allzu ho- hen Erwartungen zu warnen,40 da das Kontingent bloss aus Rekruten bestünde, „welche von einer militärischen Haltung nicht den geringsten Begrif- fe" hätten.41 Die am 4. November 1831 dem inspizierenden Ge- neralmajor vorgestellten liechtensteinischen Solda- ten benahmen sich laut Bericht des Landvogtes denn auch recht unmilitärisch. Einige waren ohne Grund abwesend, und die Anwesenden „benahmen sich schändlich".42 Die Rekruten nutzten die Gele- genheit und verlangten vom General „mit rohestem Ungestüm .. . Bewirkung eines hinlänglichen Sol- des".43 Der Landvogt konnte die Einberufenen „nur mit Mühe und ausserordentlicher Geduld . .. von den gröbsten Zuwidrigkeiten abhalten".44 Auch die Ortsvorsteher wurden beschimpft „und mit einer Rauferei unter sich selbst endeten sie die Szene".45 52
        

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