sondern im Gegentheil viel Lebensmittel, vorzüglich eine unbeschreibliche Menge Weines, herausfüh- re".323 Im weiteren führte Schuppler an, dass Tirol und Vorarlberg von Lieferungen verschont seien, und die Schweiz für alles Gelieferte bar bezahlt werde.324 Da auch die Untertanen Liechtensteins „dies leider wissen, ja von den benachbarten noch damit gehöhnt" würden,325 entstehe ein Druck auf die Regierung, der man vorwerfe, sich nicht ener- gisch genug gegen die Forderung zur Wehr zu set- zen. Da zeigte sich dem Oberamte aber ein Hoff- nungsschimmer am politischen Horizont: Man er- wartete von den Forderungen nach Kriegsentschä- digungen, die beim Friedensschluss an Frankreich gerichtet werden würden, einen verhältnismässi- gen Anteil, womit man hoffte, die vom Fürsten ge- währten Vorschüsse zurückzahlen zu können.326 Eine solche Hilfe war von Liechtenstein aus gese- hen auch dringend nötig, denn die von ihm zu be- zahlende Gesamtsumme für verlangte und gelei- stete Verpflegungslieferungen war inzwischen auf 20028 fl. und 58 kr. angewachsen.327 Bei Staatseinnahmen von insgesamt 8600 Gulden im Jahr 1815328 stellte dies für die liechtensteinische Staatskasse eine horrende Summe dar. 
DER STREIT MIT RADEN UM DIE KOSTENFRAGE Die finanziellen Forderungen an Liechtenstein be- züglich des Militärkontingents beliefen sich nach badischer Berechnung für 1814 auf 11672 fl. 83A kr.329 In dieser Summe waren die Auflagen für Aus- rüstung und Verpflegung des Kontingents von 80 Mann enthalten. Als Verpflegungsansatz wurden pro Mann täglich 21 kr. und 2 d. berechnet für zwei Pfund Brot, ein Pfund 
Gemüse, V2 Pfund Fleisch und V4 Mass Wein 
oder V10 Schoppen Branntwein; pro Monat kam für jeden Mann noch ein Pfund Salz dazu.330 Von der Gesamtsumme waren nach badischer Be- rechnung 8730 fl. 43 
3A kr. für Ausrüstung und Auf- stellung der Truppe und 2941 fl. 25 kr. für deren Unterhalt zu bezahlen. Die Hofkanzlei hatte sich schon besorgt gefragt, wie die Unkosten für die Kriegsauslagen „nach am wenigsten drükenden Modalitäten unter die Unterthanen repartirt wer- den" könnten.331 Schuppler berichtete eindrücklich über die erbärmlichen Zustände im Lande. Das kal- te Wetter habe „das Obst und die Trauben erfrört, sehr viele Reben getödtet, und alle Vegetation auf dem Felde unterbrochen".332 Wenn nicht noch ein besonders warmer Spätsommer und Herbst den J'ürken und das Heu rette, dann gehe „der bemittel- te zu Grund und dem ärmeren [werde] kein anderes Mittel übrig bleiben, als seine Heimath zu verlas- sen, und mit den seinigen zu betteln".333 Dieser Bericht verfehlte in Wien seine Wirkung nicht. Der Fürst erteilte nach seiner „bekannten Herzensgü- te"334 dem Amte die Weisung, „die Geldantizipatio- nen und Kriegssteuer einstweilen .. . jeder Gemein- de zur Last nur vorzumerken"335, bis „man weiter- hin näher zu repartiren im Stande seyn [werde]".336 Bei der heuer grösstenteils misslungenen Ernte sei es „nicht wohl möglich, den noch immer fühlbaren Druck des allgemeinen Kampfes für Europas Frey- heit, weder durch Steuerpressungen noch im heuri- gen Jahre zu erneuern".337 Die Rückzahlungen die- ser Vorschüsse dauerten allerdings noch über ein Jahrzehnt an.338 40
        

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