QUADERER / MILITÄRGESCHICHTE 1814-1849 DAS MILITÄRKONTINGENT 1814 UND 1815 der Bemerkung „brauchbar"; dazu neun Schmal- kalder Gewehre mit Bajonetten, zwei Gewehre mit österreichischem Kaliber, zwei Säbel, 48 Patronen- taschen mit weissen, neun Patronentaschen mit schwarzen Riemen. Auch 27 Bajonettscheiden, al- lerdings als „meistens untauglich"263 bezeichnet, wurden mit übergeben. Der Sparwille der Verwal- tung - vielleicht war es eher Sparzwang - führte dazu, dass alle vorhandenen Ausrüstungsgegen- stände mitgegeben wurden. Was an Ausrüstung selbst gestellt wurde, musste nicht gegen teures Geld von Baden übernommen werden. DER AUSMARSCH Mit Baden war wieder eine „Convention über die Kleidung, Armirung und Verpflegung"264 abge- schlossen und vom Fürsten war auch bereits ein Vorschuss in der Höhe von 4800 fl. RW geleistet worden.265 So ausgerüstet und vorbereitet, trat das Kontingent am Montag, dem 29. Mai 1815, unter Führung des Kapitäns v. Bachelin seinen Marsch Richtung badisches Hauptquartier in Mühlheim am Rhein an.266 Als liechtensteinische Unteroffiziere waren Sergeant Alois Nägele (*1776) aus Triesen und Korporal Magnus Öhri (*1777) aus Gamprin aufgeboten.267 Der älteste Teilnehmer war mit 42 Jahren268 Josef Walser aus Vaduz: er hatte bereits den 1814er Feldzug als Einsteher mitgemacht. Der Benjamin der 1815er Mannschaft war mit 17 Jah- ren Rekrut Johann Georg Frommelt aus Gamprin. Es gab weder bei der 1815er Auslosung noch beim Ausmarsch Bemerkungen über irgendwelche An- stände, sei es bei einzelnen Personen, sei es bei Gemeinden. War es stumpfe Resignation der Bevöl- kerung gegenüber der übermächtigen Staatsgewalt oder war es berechtigte Hoffnung auf einen relativ glimpflichen Ablauf wie im Jahre 1814, die dieses auffällig ruhig Verhalten bewirkten? Von heute aus kann kein sicheres Urteil darüber gefällt werden. Welche Gründe auch immer gegeben waren, in Wien war man erleichtert über den unerwartet rei- bungslosen Ablauf der ganzen Angelegenheit, was 
sich auch in einer Belobigung gegenüber dem Ober- amt ausdrückte. Diesem wurde für das gute Beneh- men bei der Aufstellung des Kontingents „die gnä- digste Zufriedenheit zu erkennen" gegeben269. Gleichzeitig gab die Hofkanzlei dem Oberamt aller- dings auch zu bedenken, „wie die diesfälligen Un- kosten von den Unterthanen nach und nach wieder in die Renten, ohne zu grossen Druck derselben, eingeholt werden" könnten.270 Über eventuelle Kampfeinsätze des liechtensteini- schen Kontingents im Jahre 1815 gibt es nur weni- ge Aussagen zu machen. Sicher ist, dass es bei den grossen Entscheidungen nicht aktiv mitgewirkt hat. Die militärische Zuteilung zur Oberrheinarmee zwi- schen Mannheim und Schaffhausen hat für das liechtensteinische Kontingent eine Position weitab von den schweren Entscheidungskämpfen bei Ligny und Waterloo ergeben. Ein einziger Hinweis auf Feindberührung ist durch die Auszeichnung gegeben, die Soldat Joseph Schönherr271 erhielt. „Wegen erwiesener Tapfer- keit in den Gefechten bey Strasbourg und Neubrey- sach im Feldzug 1815"272 wurde ihm die „Silberne Verdienstmedaille des militärischen Carl Friedrich Verdienst Ordens" verliehen.273 Diese Medaille wurde Schönherr am 13. April 1816 vom Oberamt übergeben.274 Schönherr war dem achten gross- herzoglich badischen Landwehrbataillon zugeteilt. 263) Ebenda. 264) LLA RB, C4, Nr. 1610, HKW an OA, 1. Mai 1815. 265) Ebenda. 266) LLA RB, C4, 80 pol., OA an HKW, 30. Mai 1815. 267) Siehe oben Anm. 255. 268) Im Nationale von 1814 wird sein Geburtsjahr allerdings mit 1777 angegeben. 269) LLA RB, C4, Nr. 2438, HKW an OA, 21. Juni 1815. 270) Ebenda. 271) Siehe oben Anm. 248, Auszugsliste 1815, Nr. 65. 272) LLA RB, C4, 53 pol., Grossherzogl. geh. Kriegsrat Reich an OA, Carlsruhe, 24. Eebr. 1816. 273) Ebenda. 274) Ebenda, 56 pol., Aktennotiz des OA, 13. Apr. 1816. 35
        

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